Königsfelden

Lichtdurchflutet und «offen»: der Psychiatrie-Neubau «Magnolia» ist bezugsbereit

Nach acht Jahren ist der Bau abgeschlossen. Die Architektur soll Genesungsprozesse fördern. Der Umzug der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie erfolgt gestaffelt und soll im Herbst abgeschlossen sein.

Im Jahr 1872 – vor bald 150 Jahren – wurde die Psychiatrische Klinik Königsfelden gebaut. Sie war ein zeitgemässer Bau und Vorbild für andere Psychiatrische Kliniken. Doch Zeiten und Bedürfnisse haben sich geändert. «Eine zeitgemässe Psychiatrie braucht ein zeitgemässes Hauptgebäude», sagte Kurt Aeberhard, Verwaltungsrats- präsident der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG), am Montag vor den Medien. «Magnolia» heisst der Bau, der 78 Millionen Franken kostete und nach achtjähriger Planungs- und Bauphase nun bezugsbereit ist.

Bis im Herbst werden neun bestehende Stationen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie der Klinik für Konsiliar-, Alters- und Neuropsychiatrie etappenweise einziehen. Dazu kommt eine neue Privatstation für Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 64 Jahren – das gab es in Königsfelden bisher nicht. Viele Zusatzversicherte sind deshalb in Nachbarkantone ausgewichen.

Weniger Zwang, mehr Selbstbestimmung

Die neuen Patientenzimmer haben grosse Fenster mit Blick ins Grüne, sind lichtdurchflutet und wirken offen. Das soll den Genesungsprozess der maximal 225 Patientinnen und Patienten fördern, die hier stationär behandelt werden können. Gleichzeitig steht die Architektur für die Entwicklung hin zu einer offenen Psychiatrie, die in Königsfelden schon länger im Gang ist. Ziel ist es, mit möglichst wenig freiheitsbeschränkenden Massnahmen auszukommen und die Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten in den Vordergrund zu stellen. Psychische Krankheiten sollen nicht hinter verschlossenen Türen oder hohen Mauern behandelt werden.

Zu jeder Station im Neubau gehören Aufenthaltsräume, von der Privatstation haben Patientinnen und Patienten Zugang auf die Terrasse. Chefarzt Dan Georgescu betonte jedoch: «Die PDAG sind keine Wellnessorganisation, sondern ein Zentrumspital.» Die Architektur sei kein Luxus, sondern auf die Bedürfnisse psychisch kranker Menschen abgestimmt.

Die Notfallstation ist bereits in Betrieb

Eine wichtige Neuerung ist auch das Zentrum für integrierte Notfallpsychiatrie und Krisenintervention im Erdgeschoss des Neubaus. Es ist die einzige Station, die den Betrieb bereits aufgenommen hat. Der Eingang auf der Seite des Gebäudes erinnert an jenen eines Akutspitals. Die Ambulanz, Polizei oder auch Privatpersonen können direkt vorfahren, der Empfang ist rund um die Uhr besetzt. Zwar waren die PDAG bereits heute Anlaufstelle für psychiatrische Notfälle. Der Notfall sei bis jetzt aber eher behelfsmässig organisiert gewesen, sagte Chefarzt Wolfram Kawohl. Mit dem Neubau könne nun eine wichtige Lücke geschlossen werden. Patientinnen und Patienten, die nach einer Krise nicht zwingend stationär behandelt werden müssen, können nach einer Krise im Notfallzentrum in die Therapie kommen – ohne lange auf einen Termin warten zu müssen.

Weiter trägt der Neubau auch dazu bei, dass die einzelnen Stationen näher zusammenrücken. Bisher waren sie auf elf Standorte in der ganzen Park- anlage verteilt – in Zukunft sind es nur noch fünf. «Die Wege werden kürzer. Somit bleibt mehr Zeit für die Patientinnen und Patienten», sagte CEO Jean-François Andrey.

Mit dem Neubau ist ein grosser Teil der Gesamtsanierung Königsfelden abgeschlossen. Als nächstes soll noch das denkmalgeschützte Hauptgebäude saniert werden. Dort sollen aber auch in Zukunft keine Patientinnen und Patienten mehr stationär behandelt werden.

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