Brugg

«Macht Brugg bitte lebendig!» – Kunden geben 36 Mio. Franken lieber auswärts aus

Mit dem Ladenmix in Brugg wie hier am Neumarktplatz sind nicht alle Einkaufskunden zufrieden. cm

Mit dem Ladenmix in Brugg wie hier am Neumarktplatz sind nicht alle Einkaufskunden zufrieden. cm

Eine Umfrage zeigt, dass der Detailhandel pro Jahr viel Umsatz verliert, weil die Kunden gerne fremdgehen. Eine Kundenbefragung bringt etwas Licht ins Dunkel.

«Es ist schlimm, wie langweilig Brugg geworden ist und wie jedes neue Projekt umgehend mit Einsprachen blockiert wird.» Das ist nur einer der vielen Kommentare, den die 1020 Teilnehmer (davon zirka 35 Prozent Brugger) einer Kundenbefragung zum Brugger Einkaufsverhalten abgegeben haben. «Macht Brugg bitte lebendig! Brugg ist eine Geisterstadt, sobald es eindunkelt», lautet ein anderer Kommentar.

Die Umfrage durchgeführt hat Cecilia Moreira, stellvertretende Leiterin des SportXX in der Brugger City Galerie, für ihre Diplomarbeit. Die 29-Jährige absolviert an der Marketing und Business School in Zürich eine Ausbildung zur diplomierten Marketingmanagerin HF. Am Dienstagabend hat sie erste Resultate präsentiert an einem vom Verein «inBrugg» organisierten Anlass. Der Verein «inBrugg» setzt sich aus dem Gewerbeverein Zentrum Brugg, dem Neumarkt sowie der City Galerie Brugg zusammen.

Baumarkt und Warenhaus fehlen

Über 600 Teilnehmer kommen für den Einkauf nach Brugg, über 400 für Arztbesuche und etwa 250, weil sie hier arbeiten (es waren Mehrfachnennungen möglich). Fast 500 Teilnehmer finden Bruggs geografische Lage attraktiv, fast 400 die Natur und Umgebung sowie etwas über 300 die Einkaufsmöglichkeiten. Gut 150 Teilnehmer finden Brugg nicht attraktiv.

Gleich mehrere Einkaufsmöglichkeiten vermissen über 56 Prozent der Teilnehmer in Brugg. Häufig genannt werden Baumarkt, Handwerkergeschäfte, Warenhaus, Metzgerei und Chäsegge. Nicht einmal ein Drittel (30,3 Prozent) findet in Brugg alles, was er benötigt. Auf die Frage, wie sich die Attraktivität des Detailhandels in den letzten fünf Jahren entwickelt hat, ist die Beurteilung alarmierend: «Im Vergleich zu anderen Orten hat sich Brugg zurückentwickelt» oder «Es wird nichts mehr geboten». Fast die Hälfte der Teilnehmer hat eine Verschlechterung festgestellt. Für 14 Prozent ist der Detailhandel attraktiver geworden.

Im Bereich Gastronomie beurteilen 45 Prozent der Teilnehmer die Auswahl als eintönig. Sie wünschen sich Erlebnisgastronomie, ein Steakhouse oder grundsätzlich «ein paar etwas speziellere Restaurants, wofür man auch von Baden oder Aarau extra nach Brugg fahren würde». Nur 4 Prozent erachten die Auswahl als sehr gut.

Kontrovers beurteilt wird die Attraktivität der Altstadt. Während sie knapp 400 Teilnehmer idyllisch für einen Spaziergang finden, stufen etwa 420 Teilnehmer die Altstadt als unattraktiv ein. Vermisst werden peppiges Nachtleben und Gartensitzplätze im Sommer.

Massive Umsatzverluste

Laut SportXX-Leiter Granit Tetaj vom Verein «inBrugg» verliert der Brugger Detailhandel pro Jahr zwischen 36 und 40 Mio. Franken, weil die Kunden für Einkäufe nach Baden, Aarau, Lenzburg oder Zürich ausweichen. Einkäufe im grenznahen Deutschland sind gemäss Granit Tetaj hier nicht mitberücksichtigt. Der SportXX-Leiter nimmt an, dass der Detailhandel in Brugg pro Jahr etwa 100 Mio. Franken umsetzt. Es stelle sich somit die Frage, was die Stadt Brugg attraktiver mache, damit hier mehr Geld ausgegeben wird. Für Granit Tetaj gilt deshalb folgendes Motto: «Gemeinsam statt einsam». Auch für Cecilia Moreira steht fest, dass man das Rad zwar nicht neu erfinden, aber unbedingt besser zusammenarbeiten müsse. Sie werde Gespräche suchen, um sinnvolle Synergien aufzubauen. «Es braucht Mut, die Komfortzone zu verlassen», schliesst sie ihre kurze Präsentation ab.

Verein sucht Verstärkung

Das erwähnte Motto hat sich auch der neue Verein «inBrugg» auf die Fahne geschrieben. Vorstandsmitglied Martin Gobeli spricht von der «Samichlaus-Formel». Es mache keinen Sinn, wenn der Neumarkt, die City Galerie und der Gewerbeverein Zentrum Brugg je einen Samichlaus finanzierten. Wenn man das Werbebudget zusammenlege, könne man sich einen tollen Samichlaus leisten, der an mehreren Orten in der Innenstadt zum Einsatz komme.

Mit dem «Wurscht & Brot Fescht» an Fronleichnam hat der Vorstand laut Gobeli bewiesen, dass er innert kurzer Zeit einen attraktiven Anlass auf die Beine stellen kann. «Ich habe schon lange nicht mehr so viele Leute auf dem Neumarktplatz gesehen.» Um genügend liquide Mittel für Werbekampagnen zu haben, sei der Verein auf Verstärkung angewiesen. «Wir wollen Brugg wachrütteln. Jeder kann bei uns Mitglied werden», so Gobeli weiter.

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