Die Lehrabschlussprüfung der Malerinnen und Maler ist vorbei, kürzlich war die Diplomfeier. Mittendrin: Zahidullah Taraki, von allen Zahid genannt. Der 21-jährige Afghane hat bei Andreas Hoffmann in Windisch die Lehre absolviert. Hoffmann gab dem Asylbewerber eine Chance. Nun hat Zahid Taraki seine Lehre mit einer Gesamtnote von 4,8 abgeschlossen.

Vor drei Jahren wäre Zahid mit diesem Ergebnis noch zufrieden gewesen, jetzt zeigt er sich doch etwas enttäuscht. «Mein Ziel war ein 5er», gibt er unumwunden zu. Das hätte ihm den Weg an die Fachhochschule erleichtert, denn ein Studium war von Beginn weg das übergeordnete Ziel des Asylbewerbers. Immerhin: Im praktischen Bereich erreichte er die Note 5,1. Damit sei er zufrieden, sagt er.

Sein Umfeld ist stolz auf die Leistung des jungen Afghanen. Andreas Hoffmann, Chef des Windischer Malerbetriebs, schwärmt von seinem fleissigen Lehrling: «Er hatte während der Lehre keine Absenzen, war nie krank, und er hat gut gearbeitet. Und auch an unsere Schweizer Mentalität hat er sich gut gewöhnt», blickt er auf die vergangenen drei Jahre zurück. «Es hat sich aber herauskristallisiert, dass für Zahid die Lehre ein Sprungbrett sein soll, um später doch noch studieren zu können.»

Rückblick: Zahid Taraki kam 2014 als Flüchtling in die Schweiz. Zu Hause in Afghanistan verkaufte er mit seinem Vater Früchte und unterrichtete Englisch. Ursprünglich wollte er sich in der Schweiz zum Informatiker ausbilden lassen. Dafür reichten seine Deutschkenntnisse aber nicht aus. So suchte er sich eine Schnupperlehre als Maler und wurde bei Andreas Hoffmann fündig. 

Nach einer Woche im Betrieb war Hoffmann von der Arbeit des Flüchtlings überzeugt und bot ihm die offene Lehrstelle an. Gleichzeitig machte er Zahid Taraki klar, welche Grundsätze in seinem Geschäft gelten. «Ich wollte Zahid eine Chance geben, weil ich merkte, wie intelligent und engagiert er ist», sagte Andreas Hoffmann vor zwei Jahren.

Der Lehrmeister war eine grosse Unterstützung

Dass Zahid Taraki die Lehre nun mit diesem guten Resultat abschliessen konnte, hat er auch seinem Lehrmeister Pascal Bühler zu verdanken. «Pascal ist ein super Lehrmeister, hat sich gemeinsam mit Zahid so richtig reingekniet und gebüffelt.» Für Bühler war Zahid Taraki der erste zu betreuende Lehrling. Hoffmann gibt zu bedenken: «Der Betreuungsaufwand war sicher sehr hoch.» Er bereue aber keinesfalls, Zahid Taraki diese Chance gegeben zu haben. «Für mich ist das Experiment gelungen.»

Obwohl sich Andreas Hoffmann auch öffentlich positiv über diesen Versuch äussert, hat sich kein KMU in seinem Umfeld dazu entschlossen, ebenfalls einen Asylbewerber als Lernenden aufzunehmen.

Er schmiedet Pläne für die Zukunft in der Branche

Für Zahid Taraki geht es im Malerbetrieb Hoffmann beruflich weiter. Pascal Bühler wird per Oktober den Betrieb von Andreas Hoffmann übernehmen. Das ist schon seit Langem so aufgegleist. Bühler wird seinen ehemaligen Lehrling weiter beschäftigen. Bis dahin, so hofft Zahid, erhält er auch endlich den B-Ausweis, auf den er schon lange wartet.

Anstatt zu studieren, wird Zahid vorläufig also als Maler arbeiten. Andreas Hoffmann hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass es auch in der Branche etliche Möglichkeiten gibt, sich weiterzubilden. Und so sagt nun auch Zahid Taraki: «Ich kann mir vorstellen, die Meisterprüfung zu machen oder mich zum Bauführer weiterzubilden.»

Sprachlich hat sich der Afghane in den vergangenen Jahren ebenfalls stark weiterentwickelt. Die AZ kann das Interview mit ihm auf Schweizerdeutsch führen, Zahid Taraki gibt in nahezu perfektem Hochdeutsch Antwort. Das war vor drei Jahren noch nicht möglich. Zu verdanken ist dies sicher auch seinem aktiven Sozialleben. Der Afghane hat sich darum bemüht, sich zu integrieren. So spielt er Volleyball in der Mülimatt in Brugg-Windisch und ist als Cricket-Spieler aktiv. Er engagierte sich auch für ein Quartierfest in seinem Wohnort in Niederlenz.