Brugg

Mutter findet Handy, Sohn wird der Hehlerei schuldig gesprochen

Ein Student wollte ein Handy knacken – jetzt muss er sich vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten.

Ein Student wollte ein Handy knacken – jetzt muss er sich vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten.

Ein Student musste sich vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten – zu oft hat er versucht, ein fremdes Handy zu knacken.

Es ist eine Geschichte, die so einigen passieren könnte: Auf dem Parkplatz des Kantonsspitals Liestal findet eine Frau aus dem Bezirk Brugg ein iPhone. Sie nimmt es an sich und fährt nach Hause. In der Zwischenzeit wurde das Handy von der rechtmässigen Besitzerin als gestohlen gemeldet. Es sei ihr auf der Toilette des Spitalrestaurants entwendet worden, gab sie zu Protokoll.

Zu Hause angekommen, bat die Frau, die das Handy gefunden hatte, ihren Sohn Lio (Name geändert), herauszufinden, wem das Telefon gehören könnte. Der Sohn ist der Beschuldigte, der sich kürzlich vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten musste. Der Vorwurf: Hehlerei.

Der Student, der gemeinsam mit seiner Frau abwechselnd bei seiner Mutter in einem grossen Haus und im eigenen, kleinen Studio wohnt, wollte seiner Mutter helfen und schloss daraufhin das iPhone an seinen Computer an. Er habe versucht, ein Software-Update auf das Handy zu laden, dann könne man die Tastensperre umgehen, erklärte der Beschuldigte Gerichtspräsident Sandro Rossi sein Vorgehen. Zudem versuchte er mehrmals, seine eigene SIM-Karte auf dem Handy zu aktivieren. Doch Lio war erfolglos. Er liess das Handy im Zimmer und verliess das Haus seiner Mutter wieder.

Mutter schuldig gesprochen wegen Diebstahls

Einige Tage später habe er seine Mutter wieder zu Hause besucht, erzählt der 24-Jährige. «Sie bat mich erneut, herauszufinden, wem das Handy gehört.» Und so manipulierte Lio das Handy erneut. Wieder versuchte er es teilweise mit seiner eigenen SIM-Karte, dann wieder ohne. Warum genau er diese SIM-Karten-Wechsel vornahm, konnte Lio dem Gerichtspräsidenten nicht erklären. Lio war wieder nicht erfolgreich und liess das Handy bei seiner Mutter – in jenem Zimmer, in dem er sich jeweils aufhält.

Genau das machte ihm die Staatsanwaltschaft zum Vorwurf. «Der Beschuldigte wusste, dass seine Mutter verpflichtet gewesen wäre, das Mobiltelefon der Polizei oder einem Fundbüro abzugeben.» Und: «Der Beschuldigte lagerte das Mobiltelefon in seinem Zimmer, sodass es der Eigentümerschaft nicht möglich war, das Mobiltelefon in Besitz zu nehmen.» Tatsächlich wurde Lios Mutter in einem separaten Verfahren wegen Diebstahls verurteilt. Denn sie informierte über Monate niemanden über den Fund des Handys und brachte es nicht zurück.

Lios Verteidiger hielt fest, dass sein Mandant nur zu Besuch bei seiner Mutter war und nicht wissen konnte, dass diese das Handy gestohlen hatte. «Zudem wusste er auch nicht, dass sie das Handy nicht zurückgebracht hatte.» Lio habe keine Verfügungsmacht gehabt.

Das sah der Gerichtspräsident anders. Er sprach Lio schuldig wegen Fahren in fahrunfähigem Zustand. Lio wurde nämlich auch noch erwischt, wie er in angetrunkenem Zustand Auto fuhr. Zudem wurde er wegen Hehlerei verurteilt. Denn er habe grösstenteils bei der Mutter gewohnt, das Handy habe sich in seinen Wohnräumen befunden.

Entsprechend habe er die Verfügungsmacht gehabt, so Rossi. Keinen Sinn hätten zudem die Manipulationen gemacht, die Lio am Handy vorgenommen hatte. «Es schien, darum zu gehen, das Handy funktionsfähig zu machen zum eigenen Gebrauch», sagte Rossi. Die bedingte Geldstrafe beträgt 900 Franken bei zwei Jahren Probezeit. Zudem muss Lio 700 Franken Busse bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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