Verunsicherung

NAB verwaltet grossen Teil des Stadtvermögens – was bedeutet das Aus der Bank für Brugg?

Der Hauptsitz der Neuen Aargauer Bank in Brugg.

Der Hauptsitz der Neuen Aargauer Bank in Brugg.

Das Aus der Neuen Aargauer Bank hat Konsequenzen für Brugg – der Stadtrat beantwortet Fragen des grünen Einwohnerrats Yves Gärtner zur Kapitalanlagestrategie, zu deren Nachhaltigkeit und möglichen Anpassungen.

Die Hiobsbotschaft der Grossbank Credit Suisse (CS) von vergangener Woche löste bei den Mitarbeitenden der Neuen Aargauer Bank (NAB) und deren Kunden grosse Verunsicherung aus. Auch die Stadt Brugg ist von dieser Veränderung in der Bankenlandschaft im Kanton Aargau betroffen. Stadtschreiber Matthias Guggisberg sagt: «Abgesehen vom bedauerlichen Verlust eines Stücks Aargauer Identität, wird die vollständige Eingliederung der NAB in die CS für die Stadt Brugg zu einem substanziellen Ertragsrückgang bei den Aktiensteuern führen.» Daran werde auch die in Aussicht gestellte Stärkung des Kundendiensts am Standort Brugg nichts ändern.

Als der Brugger Stadtrat zur Kleinen Anfrage von Grüne-Einwohnerrat Yves Gärtner betreffend Kapitalanlagen der Stadt Mitte August Stellung nahm, ahnte er noch nicht, dass die NAB verschwinden wird. Der Lokalpolitiker wollte von der ­Exekutive nämlich nicht nur wissen, wo und wie das beträchtliche Vermögen der Stadt Brugg angelegt ist, sondern auch, ob Anpassungen bei der Anlagestrategie im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsziele der UNO denkbar seien.

Stadt muss Gemeindegelder risikoarm anlegen

In seiner Antwort verweist der Stadtrat zuerst auf die Rand­bedingungen in der Finanzverordnung, in der steht: «Soweit Gemeindegelder nicht für die Finanzierung eigener Vorhaben oder die Rückzahlung von Schulden eingesetzt werden können, sind sie zu marktüblichen Konditionen und risikoarm anzulegen.»

Aufgrund der tiefen Ertragskraft bei den Steuern ist die Einwohnergemeinde Brugg auf einen substanziellen Beitrag aus der Vermögensanlage angewiesen, um damit das Defizit aus der betrieblichen Tätigkeit in der Erfolgsrechnung auszugleichen oder abzufedern. Ohne die Vermögenserträge wären laut dem Stadtrat ein höherer Steuerfuss und/oder Abstriche am Leistungsangebot (Sicherheit, Bildung, Freizeit, Kultur) sowie beim Unterhalt der Infrastruktur (Aufträge ans Gewerbe) unumgänglich.

Die Anlagestrategie der Einwohnergemeinde Brugg orientiere sich im Wesentlichen an den Kriterien BVV2 für Pensionskassen, heisst es in der Antwort weiter. Beauftragt mit je einem Vermögensverwaltungsmandat sind die beiden in Brugg ansässigen Banken Aargauische Kantonalbank (AKB) und NAB. Der aktuelle Stand der Mandate ist jeweils im Rechenschaftsbericht im Bilanzkonto einsehbar. Per Ende 2019 betrug das gesamte Nettovermögen der Einwohnergemeinde Brugg knapp 90 Millionen Franken.

Interview mit Roberto Belci: „Gebt der CS-Aargau eine Chance.“

Interview mit Roberto Belci: „Gebt der CS-Aargau eine Chance.“ (Beitrag vom 1. September 2020)

  

Ein Mandat wird aktiv und eines passiv bewirtschaftet

Der Stadtrat präzisiert: «Das Mandat bei der AKB wird mittels Direktanlagen aktiv bewirtschaftet.» Diese Anlagestrategie orientiere sich am Benchmark «BVG-Ausgewogen Standard» mit folgenden Anteilen der Anlageklassen: Geldmarkt 5%, Obligationen 45%, Aktien 30%, Immobilien 10% und Übrige Anlagen 10%. Passiv bewirtschaftet mittels Fonds wird das Mandat bei der NAB. Im Benchmark sind laut der Exekutive die folgenden strategischen Anteile der Anlageklassen festgelegt: Obligationen 66%, Aktien 25%, Immobilien 5% und übrige Anlagen 4%. Ausserdem besitzt die Einwohnergemeinde Brugg «ein kleineres selbstverwaltetes Portfolio mit hauptsächlich einem Aktienpaket (Zürich Versicherung)». Die Bewertung dieses Portfolios betrug Ende 2019 über 777000 Franken.

Bei der Vermögensverwaltung geht es darum, die Rendite des zugeordneten Benchmarks zu erreichen oder, im besten Fall, zu übertreffen. «Die Bedeutung der Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage nimmt stetig zu», hält der Stadtrat fest. Bei der Auswahl der AKB-Direktanlagen würden in der Analyse der jeweiligen Firmen mögliche Risiken für die Umwelt, im sozialen Bereich oder in der Unternehmensführung mitberücksichtigt (Fachbegriff ESG für Environment, Social, Governance). Ausgeschlossen seien Anlagen von Unternehmen mit kontroversen Geschäftsfeldern wie der Herstellung von Streubomben oder Landminen.

Gemäss Rückmeldung der NAB erfüllen zwei Drittel der angelegten Vermögenswerte der Einwohnergemeinde Brugg die Nachhaltigkeitsziele der UNO. In periodischen Gesprächen mit den Bankenvertretern werden laut Stadtrat jeweils auch Fragen der Nachhaltigkeit erörtert. Insbesondere bei Schweizer Aktien seien kontroverse Unternehmen oder Sektoren mit besonders tiefem ESG-Wert eine Seltenheit. «Seitens der Banken wurde in Aussicht gestellt, die Transparenz im Thema Nachhaltigkeit im Anlagebereich deutlich zu erhöhen und die Anlagen zunehmend in Richtung Erhöhung des ESG-Scores zu optimieren», so der Stadtrat. Er will aufgrund der Bankangebote prüfen, ob zusätzliche Anforderungen in Bezug auf minimale ESG-Werte zu vereinbaren sind.

Bereits viele Fondsprodukte der CS im NAB-Mandat

Was bedeuten die jüngsten Nachrichten für das NAB-Mandat der Einwohnergemeinde? Für die direkte Kundenbeziehung (Zahlungsverkehr, Kapitalanlagen) der Einwohnergemeinde Brugg zur NAB werden laut Stadtschreiber Matthias Guggisberg die zukünftigen Konditionen ausschlaggebend sein. Die Stadt gehe davon aus, dass das NAB-Mandat nahtlos und zu gleichen Konditionen in die Verwaltung der CS überführt wird. Nicht zuletzt auch darum, weil im passiv verwalteten Mandat bereits jetzt viele Fondsprodukte der CS enthalten sind.

«Eine Auflösung des Mandats zum heutigen Zeitpunkt wäre für die Einwohnergemeinde mit zusätzlichen Kosten und möglichen Realisierungsverlusten verbunden», teilt Guggisberg mit. Über die Zukunft des Mandats werde man im Zusammenhang mit der Finanzierung von grossen Investitionen und dem damit verbundenen Vermögensabbau entscheiden.

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