Das hintere Büro im ersten Stock des schmucken Brugger Stadthauses ist seit Jahrzehnten das Reich von Stadtschreiber Yvonne Brescianini. Dieses Jahr wird sie 61 Jahre alt. Dem Stadtrat hat sie vor einiger Zeit bereits mitgeteilt, dass sie vorzeitig in Pension gehen wird. Nun steht fest, dass dies Anfang 2020 sein wird. «Der Stadtrat bedauert einerseits diesen Entscheid, hat aber andererseits Verständnis dafür», schreibt die Behörde in einer Mitteilung, die am Gründonnerstag verschickt wurde. Brescianini kann dann auf rund 36 Dienstjahre bei der Stadt Brugg zurückblicken, die mit zahlreichen Aufgaben und Herausforderungen verbunden waren. «Der Stadtrat dankt Frau Yvonne Brescianini bereits heute herzlich für ihren langjährigen, grossen Einsatz zugunsten der Stadt Brugg», heisst es in der Mitteilung weiter.

Die vorzeitige Pensionierung von Yvonne Brescianini nimmt der Stadtrat zum Anlass, um sich Überlegungen zu möglichen Führungsmodellen zu machen. Er hat die BDO AG, die bereits verschiedene andere Aargauer Gemeinden bei ähnlichen Projekten begleitet hat, beauftragt, ihn bei diesen Überlegungen zu unterstützen. Dem Stadtrat sei es wichtig, im Hinblick auf das künftige Führungsmodell nicht nur die interne Sicht zu evaluieren, sondern auch die Bedürfnisse der Legislative – also des Brugger Einwohnerrats – zu erheben.

Das Ergebnis der Überprüfung wird Ende Sommer 2019 erwartet. Gerne werde der Stadtrat dann über die weiteren Schritte informieren. Aus diesem Grund ist die frei werdende Stelle auch noch nicht ausgeschrieben. Wann genau Yvonne Brescianini die Stadtkanzlei verlassen wird, steht noch nicht definitiv fest.

Offen für reibungslosen Übergang

Sie habe Offenheit signalisiert, um einen reibungslosen Übergang zu garantieren und wichtige Projekte noch abschliessen zu können, sagt Frau Stadtschreiber auf Anfrage dieser Zeitung. Der Entscheid, 2020 vorzeitig in Pension zu gehen, habe auch nichts mit der Fusion mit der Gemeinde Schinznach-Bad zu tun, betont Brescianini. Im Gegenteil: Ihr sei es wichtig gewesen, nach den Erfahrungen beim Zusammenschluss mit Umiken auch bei dieser Fusion bei der Umsetzung mitzuhelfen.

Brescianini wuchs in Villmergen auf und absolvierte ursprünglich eine kaufmännische Lehre in der Sprengstofffabrik Dottikon. Beruflich ging es in Brugg nach dem Stellenantritt am 16. April 1984 die Karriereleiter hoch: 1989 wurde Brescianini nach der Absolvierung der entsprechenden Aus- und Weiterbildungen Stadtschreiber II und im Dezember 2001 erste Frau Stadtschreiber in der Geschichte der Stadt Brugg. Mit dem Begriff Stadtschreiber werde die Funktion umschrieben, in die sie allmählich wuchs, sagte sie 2014 im Interview. Sie habe von der Pike auf gelernt, was eine Verwaltung ist und sei ein typischer Verwaltungsmensch geworden.