Gastronomie

Nach dem Laden schliesst nun auch die Dorfbeiz in Mandach ihre Türen

Peter Hostettler und Béa Binggeli verkaufen im Gasthaus Hirschen noch bis Mittwochabend ihr Geschirr, das Besteck, die Gläser sowie das Dekomaterial.

Peter Hostettler und Béa Binggeli verkaufen im Gasthaus Hirschen noch bis Mittwochabend ihr Geschirr, das Besteck, die Gläser sowie das Dekomaterial.

Die Wirtsleute, Peter Hostettler und Béa Binggeli, haben den Pachtvertrag des «Hirschen» gekündet und verkaufen das Inventar. Wie es mit der Gaststätte Hirschen weitergeht, ist noch offen. Die Liegenschaft ist zum Verkauf ausgeschrieben.

«Ist der Pizza-Ofen noch zu haben?», fragt ein jüngeres Wirte-Paar am Dienstagmorgen im Restaurant Hirschen in Mandach. Wirtin Béa Binggeli schüttelt den Kopf und sagt: «Der ist bereits weg. Da hätten sie sofort anrufen sollen.» In der Gaststube herrscht Aufbruchstimmung. Noch bis Mittwochabend um 17 Uhr werden das Geschirr, die Gläser sowie das meiste Dekorationsmaterial und vier Fernseher mit Flachbildschirm verkauft. Dann schliesst das einzige Restaurant in Mandach seine Türen. Die Wirtsleute Peter Hostettler und Béa Binggeli haben den Pachtvertrag gekündet.

Die Liegenschaft an der Hauptstrasse 25 ist mit der angrenzenden Scheune von der Erbengemeinschaft zum Verkauf ausgeschrieben. Ob die Räumlichkeiten je wieder als Gaststätte genutzt werden, ist also noch nicht entschieden.

Besenbeiz ist kein Ersatz

Am Stammtisch sitzen Fritz und Martha Märki. «Zuerst wurde der Dorfladen geschlossen und nun fällt auch das Restaurant mit dem beliebten Stammtisch am Samstagmorgen weg. So schläft Mandach langsam ein», ist sich das Ehepaar einig. Martha Märki verwaltet den Wein der Rebbauern in Mandach und sorgte stets für die termingerechte Lieferung an den «Hirschen».

Die Schliessung der Dorfbeiz sei auch ein grosser Verlust fürs Vereinsleben, sagt Fritz Märki. An den Wochenenden gebe es zwar noch eine Besenbeiz. Doch diese sei kein richtiger Ersatz für das Gasthaus. «Unser Wunsch ist es schon, dass es wieder ein richtiges Restaurant als Begegnungsstätte im Dorf gibt», so Fritz Märki weiter.

18 Jahre im Kanton Aargau

«Hirschen»-Wirtin Béa Binggeli war im vorletzten Winter an einer bösartigen Grippe erkrankt. Obwohl ihr Leben damals an einem dünnen Faden hing, hätten sie keine sieben Pferde ins Spital gebracht. Nun sei es aber Zeit, kürzerzutreten. Die gebürtige Bernerin zieht im Mai – mit ihrer 3000 Elefanten umfassenden Sammlung – nach Thun.

Binggeli kam nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes vor 18 Jahren in den Kanton Aargau. Zwei Jahre wirtete sie in Boswil, zehn Jahre in Leuggern und sechs Jahre in Mandach. «Der Aargau war für mich fremd. Wenn ich nun in den Kanton Bern zurückgehe, werde ich ein Buch über die Besonderheiten der Aargauer schreiben», sagt die Vollblut-Wirtin und lacht. Läuft alles rund, soll das Buch 2016 erscheinen.

Positives mitnehmen und Negatives vergessen

Binggelis Wirtepartner und guter Freund, Peter Hostettler, wohnt seit 40 Jahren in Boswil. Im September wird er pensioniert. In Zukunft werde er sich wieder vermehrt auf seine beiden anderen Standbeine «Bau und Service» sowie «Treuhand und Verwaltung» konzentrieren. Dazu komme, dass seine Eltern einen rüstigen Rentner und seine beiden Enkel einen unternehmungslustigen Opa wollen. Der Abschied von Mandach sei ein weiterer Entwicklungsschritt, bei dem man das Positive mitnehme und das Negative vergesse, so Hostettler.

In die Gaststube sind in der Zwischenzeit einige potenzielle Käufer gekommen und teilweise mit vollen Taschen wieder gegangen. «Die Qualität dieses Geschirrs ist einfach unschlagbar», sagt eine Frau aus Gippingen. Und anstelle des Pizza-Ofens hat sich das jüngere Wirte-Paar für zwei Pfannen und einen Grill entschieden.

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