Brugg

Nach Petition für Blockzeiten: Vorgelegtes Betreuungsangebot steht unter Kritik

Mütter sehen für die Schulanlage Bodenacker Optimierungspotenzial bei der Randstundenbetreuung.

Mütter sehen für die Schulanlage Bodenacker Optimierungspotenzial bei der Randstundenbetreuung.

Die Eltern aus Brugg sehen vor allem bei der Randstundenbetreuung Optimierungspotenzial.

Seit der Einführung des Kinderbetreuungsgesetzes (KiBeG) hat sich das Betreuungsangebot in Brugg verschlechtert. Dieser Meinung sind Jeannine Britschgi Meier und Martina Baumgartner, die letzten Juni eine Petition zur «Einführung von umfassenden Blockzeiten auf der Primarschulstufe in der Stadt Brugg AG» für jedes Kind auf allen sechs Stufen gestartet hatten. Innerhalb von einem Monat sind 219 Unterschriften zusammengekommen, 200 waren nötig. Bei der Petition in Papierform sammelten sie 380 Unterschriften.

Die Schulpflege will das Anliegen bei der Stundenplanung 2020, die wie jedes Jahr im Mai stattfindet, berücksichtigen. Das ist den Petitionärinnen allerdings zu spät. Sie befürchten, dass zu wenig Zeit für Anpassungen bleibt und dass die Eltern weiterhin für die Randstunden aufkommen müssen.

Die Situation habe aufgrund der fehlenden Finanzierung und der nicht mehr überall angebotenen Randstunden dazu geführt, dass die Eltern privat Randstundenbetreuung organisieren. Die Kinder, die das Betreuungsangebot wahrnehmen, hätten auch eine kurze Aufenthaltszeit an den zentralen Standorten, was Stress und Zusatzaufwand mit sich bringe.

Vom Betreuungsstandort würden sie teilweise mit dem Taxi wieder in die Schule zurückgebracht. Wer nicht mobil sei, könne die Kinder nicht zu den Standorten bringen.

Die Randstundenbetreuung ist nicht mehr unentgeltlich

Die beiden Frauen kritisieren, dass die Stundenpläne der Primarschulen mit Ausnahme von Umiken nicht an allen Wochentagen durchgehenden Blockzeitenunterricht von 8.15 bis 11.45 Uhr aufweisen. Die Randstundenbetreuung werde seit der Anpassung des Kinderbetreuungsangebotes auf das Schuljahr 2019/20 nicht mehr in allen Primarschulhäusern gewährleistet und sei zudem nicht mehr unentgeltlich.

Die Gesamtschulleitung und die Schulleitungskonferenz prüften das Anliegen, stellten allerdings fest, dass «es momentan aus strukturellen, pädagogischen und organisatorischen Gründen nicht möglich ist, an der Primarstufe der Schule Brugg vollumfänglich Blockzeitenunterricht vom 8.15 bis 11.45 Uhr durchzuführen».

Dies teilte die Schulpflege den Petitionärinnen Ende Juni mit. «Wir werden jedoch bezüglich Finanzierung der Randstundenbetreuung das Gespräch mit dem Stadtrat suchen.»

Im August empfahl die Schulpflege dem Stadtrat die Wiedereinführung der Finanzierung der Randstundenbetreuung auf das Schuljahr 2020/21 zu prüfen, sofern es weiterhin nicht möglich sein sollte, die Blockzeiten einzuhalten.

Unterschied zwischen den Standorten Umiken und Brugg

Britschgi Meier und Baumgartner freuen sich, dass der Stadtrat über die Finanzierung nachdenkt. Sie stören sich allerdings daran, dass ihrer Ansicht nach auf Zeit gespielt wird. «Uns scheint, als ob man hier wieder gleich vorgehen würde wie bei der Einführung des KiBeG und durch Abwarten das Ganze verzögern wird.» Ende September sassen Britschgi Meier und Baumgartner mit einer Delegation der Schulpflege, der Lehrerschaft und mit SP-Stadtrat Willi Däpp zusammen.

Schulpflege und Schulleitungskonferenz begründeten den Unterschied zwischen den Standorten Umiken und Brugg damit, dass die Primarschule Umiken den Unterricht nach dem Modell des altersdurchmischten Lernens organisiere. Die Schule verfüge über eine eigene Turnhalle und könne die Stundenpläne autonom gestalten.

Im Jahrgangsunterricht hingegen entstünden Zeitfenster in den Randstunden. Zudem berufen sie sich auf sinnvolle Tagesabläufe und eine Stundenverteilung, die Schülern und Lehrern entgegenkommt.

Als weiterer Grund wird die dezentrale Schulstruktur der Schule Brugg mit sieben Schulhäusern und verschiedenen Turnhallen und Spezialzimmern angeführt. Die vorhandene Infrastruktur verursache Abhängigkeiten unter den Schulen, die zur unterrichtsfreien Zeit einzelner Abteilungen führe.

Die Petitionärinnen sind allerdings der Meinung, dass auch das Schulhaus Bodenacker über eine grosse Autonomie verfügt, da nur die Turnhalle mit dem Bilander Kindergarten geteilt werde.

Schule und ausserschulische Betreuung passen nicht

«Für uns passt generell das Zusammenspiel von Schule und ausserschulischer Betreuung – durch die Stadt angeboten – nicht», sagen Britschgi Meier und Baumgartner. Sie haben den Eindruck, «dass für das Angebot des ‹Tagesstern› überhaupt keine Eltern befragt worden sind».

Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien die Blockzeiten zwingend, die kostenpflichtigen Randstunden würden aber dazu führen, dass weniger Kinder daran teilnehmen. Wie der zuständige Stadtrat Willi Däpp auf Anfrage schreibt, werde sich der Stadtrat im Januar nach Absprache mit der Schulpflege zum aktuellen Stand äussern.

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