Die Zukunft des «Hirschen» sei ungewiss, ein Verkauf der Liegenschaft ein Thema. Dieses Gerücht machte die Runde in Villigen. Treue Gäste stellten sich die bange Frage, ob das bekannte Gault-Millau-Restaurant die Türen schliesst.

Die engagierten Gastgeber Nadja Schuler und Stephane Wirth können jetzt mit erfreulichen Neuigkeiten aufwarten: Nein, sie werden ihre Wirkungsstätte nicht verlassen. Im Gegenteil: Sie haben die Möglichkeit, die markante Liegenschaft an der Hauptstrasse per 1. Juli zu kaufen und das etablierte Lokal weiterführen zu können. Am bewährten und beliebten Konzept soll sich grundsätzlich nichts ändern: am frischen Mix aus der französischen und schweizerischen Küche mit den mit viel Liebe zum Detail zubereiteten Gerichten, der hausgemachten Patisserie, den herrlichen Weinen.

Unsicherheit war belastend

Nadja Schuler hat wahrlich eine turbulente Zeit hinter sich: Ende des letzten Jahres musste sie sich – hochschwanger – unerwartet nach einem neuen Koch umsehen. Sie veröffentlichte einen genauso eindringlichen wie verzweifelten Aufruf auf ihrer Facebook-Seite. Die Resonanz war gross.

Für das Team gewonnen werden konnte schliesslich eine Köchin aus der Region, die ihre Arbeit im Februar aufnahm und sich gut eingelebt hat. Im März wurde Nadja Schuler zum zweiten Mal Mutter, brachte eine gesunde Tochter zur Welt.

Beim Gespräch an diesem Vormittag schläft die Kleine friedlich. Nadja Schuler strahlt. Von den Strapazen ist der aufgestellten Wirtin nichts anzumerken. Aber es sei eine ziemlich turbulente Zeit gewesen, gibt die 33-Jährige unumwunden zu. «Es kam wirklich viel zusammen. Zum Glück verlief meine Schwangerschaft problemlos und ich konnte bis zum Schluss arbeiten.»

Froh ist sie darüber, die Zukunft im «Hirschen» nun längerfristig planen zu können. Denn die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Liegenschaft sei belastend gewesen. «Wir wussten nicht, wie es weitergeht nach Ablauf unseres Vertrags im Februar des nächsten Jahres.»

Das Umfeld macht mit

Möglich sei der Kauf aber nur geworden, fügt sie an, weil das Umfeld mitgemacht habe. Die Erbengemeinschaft, der die Liegenschaft gehört, sei ihnen entgegengekommen, die Familie habe sie unterstützt und auch die Bank habe mitgezogen. Alleine hätten sie die Investition nicht stemmen können. «In unserem Alter wäre das schlicht und einfach nicht machbar gewesen.»

Am Anfang habe sie sich einen Kauf sowieso gar nicht vorstellen können, sei skeptisch gewesen, stellt sie mit einem Lachen fest. Ihr Partner Stephane Wirth – der sich um den grossen Teil der Buchhaltung kümmert – habe sich da offener gezeigt, eher mit einer Übernahme geliebäugelt und verschiedene Szenarien durchgerechnet. «Ich musste mich zuerst in diversen Gesprächen von verschiedener Seite überzeugen lassen», sagt Nadja Schuler. «Ich wollte mich so gut wie möglich absichern. Denn die Gastronomie ist kein einfaches Pflaster.»

Wäre der Kauf nicht zustande gekommen, wären zwar einige Ideen vorhanden gewesen, antwortet sie auf die Frage nach einem Plan B. «In welche Richtung es konkret gegangen wäre, wussten wir allerdings noch nicht.»

Privates und Berufliches getrennt

Die Geschäftsführerin ist glücklich über die gefundene Lösung. Als Eigentümer, nennt sie einen Vorteil, müssten sie weniger zurückhaltend sein bei Investitionen, könnten auch einmal eine Neuanschaffung tätigen oder Renovation vornehmen, kurz: Den einen oder anderen Schönheitsfehler beheben. Ein Thema werden könne die Auffrischung der Hotelzimmer, macht Nadja Schuler ein Beispiel.

Selber in eine Wohnung ziehen im Obergeschoss des «Hirschen» werden die Gastgeber übrigens aber nicht – Kauf hin oder her. «Das stand nie zur Debatte.» Vielmehr wollen sie das eigene Haus im Nachbarort behalten. Privates und Berufliches habe sie immer bewusst getrennt, sagt Nadja Schuler, auch wenn es einiges an Planung und Organisation brauche mit einer Familie mit zwei Kindern. Just zu diesem Zeitpunkt macht sich die Kleine bemerkbar.

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