Brugg

Nachruf auf Ernst Rothenbach: Er hat regionale Zeitungsgeschichte geschrieben

Unvergessen: Am traditionellen Rutenzug trug Ernst Rothenbach stets Frack und Zylinder. (Bild: Brugg, 2. Juli 2015)

Unvergessen: Am traditionellen Rutenzug trug Ernst Rothenbach stets Frack und Zylinder. (Bild: Brugg, 2. Juli 2015)

Der Zeitungsmacher Ernst Rothenbach ist im Alter von 75 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben. Ein Nachruf.

Er kannte Personen und Zusammenhänge, Hintergründe und Anekdoten: Ernst Rothenbach war eine Institution in Brugg – derjenigen Region, die ihm so sehr am Herzen lag, die er mitprägte, der er ein Gesicht und eine Stimme gab.

Tausende Artikel hat «rb» verfasst in seiner langen publizistischen Karriere. Er war Schreiber, Fotograf, Produzent und Inserateverkäufer – mit Leib und Seele. Bis zum Schluss blieb er neugierig und aufmerksam, kontaktfreudig und hilfsbereit, liebenswert und grosszügig, voller Wissenshunger und Leidenschaft, meistens munter und heiter, dann und wann aufmüpfig und angriffig.

Seit einiger Zeit plagten ihn Lungen- und Rückenprobleme. In den letzten Wochen war er zur Behandlung in der Hirslanden-Klinik in Aarau. Am Donnerstag vergangener Woche hat er aufgehört zu atmen, im Alter von 75 Jahren. Die letzte Lungenentzündung, schreibt sein ältester Sohn Andreas, war eine zu viel.

Uni-Hörsal war ihm verleidet – er wechselte in die Redaktion

Geboren wurde Ernst Rothenbach am 23. Mai 1945 als Sohn einer waschechten Wienerin und eines Schweizers im österreichischen Bad Hall. Später liess sich die Familie in Basel nieder. Ernst Rothenbach besuchte das Gymnasium in Schiers und nahm sein Biologie-Studium an der Uni Zürich auf, wo er auch seine spätere Ehefrau Dorothee kennen lernte.

Der Hörsal verleidete ihm aber, Ende 1968 wechselte er in die Zwei-Mann-Redaktion des «Brugger Tagblatts», das vom Effingerhof herausgegeben wurde. Ernst Rothenbach hatte einen Riecher für spannende, lesenswerte Geschichten, besuchte Pressekonferenzen, Feste, Vereins- und Parteianlässe. Computer gab es noch nicht, stattdessen Bahnpostcouverts.

Er habe bald gemerkt, dass auch nach der ausgeschöpften nächtlichen Polizeistunde in der Rothausbar in aller Herrgottsfrühe wieder volle Präsenz am Redaktionspult gefordert wurde, schrieb sein damaliger Weggefährte Hans-Peter Widmer einmal. Denn um 5.30 Uhr musste er für den Redaktionsschluss wieder auf dem Posten sein, um 9 Uhr wurde das «Bruggerli» gedruckt.

Den Genüssen des Lebens allzeit zugetan

1969 ging dieses an die Aargauer Tagblatt AG über. 1976 übernahm Ernst Rothenbach die Ressortleitung der AT-Lokalredaktion Brugg, wechselte später als Inlandredaktor zum «Badener Tagblatt». Mit der Gründung der Lokalzeitung «Regional» kehrte er aber in das ihm altbekannte Gebiet zurück. Am 21. Mai 1993 erschien die erste Nummer.

Mittlerweile wird die Lokalzeitung mit Sitz in Brugg von Sohn Andreas Rothenbach geführt. Sein Vater, hält dieser fest, habe bis zuletzt zu 100 Prozent mitgewirkt. Auch sei er den Genüssen des Lebens allzeit zugetan gewesen, habe kaum ein Buch ungelesen gelassen und vieles von der Welt gesehen, als begeisterter Taucher auch unter der Wasseroberfläche. Unvergessen bleibt vielen der weltmännische Auftritt in Frack und Zylinder am traditionellen Rutenzug. Oder auch die Momente, wenn er mit einer wohltuenden Portion Schlitzohrigkeit den V8-Motor seines schwarzen 68er Ford Mustang aufheulen liess.

Im kulturellen Bereich war er stark engagiert

Bei unzähligen Gelegenheiten wurde Ernst Rothenbach um seinen Rat und seine Meinung gefragt, bei unzähligen Aktivitäten um – persönliche und finanzielle – Unterstützung gebeten. Engagiert hat er sich als Präsident des Gewerbevereins Zentrum Brugg oder als Mitorganisator der ersten Schenkenberger Oper «Carmen» an seinem Wohnort Schinznach-Dorf. Als Präsident der Königsfelder Festspiele machte er sich zusammen mit dem grossen Choreografen Jean Deroc verdient um den zeitgenössischen Tanz und legte in der Klosterkirche den Grundstein für das heutige Tanz & Kunst Königsfelden.

Ernst Rothenbach hinterlässt tiefe Spuren, eine grosse Lücke. Die Ab­dankung findet am Freitag, 9. Oktober, 14 Uhr, in der Stadtkirche Brugg statt. (mhu)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1