Nachruf
Eine kritische Stimme ist verstummt: Windischer wollte zu Hochhäusern Debatten anstossen

Zum Tod von Wolfgang Hafner: Die regionale Siedlungsentwicklung lag ihm am Herzen, weil er die Menschen mochte. Der Wirtschafts- und Sozialhistoriker bezeichnete Hochhäuser wie den Centurion Tower als eine konservative und unästhetische Art der Siedlungspolitik.

Lucien Fluri, Claudia Meier
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Wolfgang Hafner (1949–2021).

Wolfgang Hafner (1949–2021).

Bild: Sandra Ardizzone
(21. Oktober 2019)

Er hat den neuen Centurion Tower beim Fachhochschul-Campus in Windisch als Panzerturm bezeichnet sowie die Siedlungsentwicklung rund um den Bahnhof Brugg stets kritisch beobachtet und regelmässig in Leserbriefen oder Zeitungsartikeln kommentiert. Ende Juli ist die Stimme des Wirtschafts- und Sozialhistorikers verstummt. Wolfgang Hafner ist im Alter von knapp 72 Jahren an einem Krebsleiden verstorben.

Geboren wurde Hafner 1949 in Balsthal SO, wo er mit drei Geschwistern aufwuchs. Dass einer seiner Brüder der Politiker Rudolf Hafner ist, der in den 1980er-Jahren den Berner Finanzskandal aufdeckte, war vielleicht nicht ganz zufällig: Beides unbestechliche, freie Denker mit klarem Kompass, scheuten sie sich nicht, im Dienst der Sache notfalls anzuecken.

Er mochte es, Sachen neu zu denken

Eine Debatte löste Hafner 2012 mit einem Buch zur jüngsten Wirtschaftsgeschichte des Kantons Solothurn aus. Der Historiker suchte nach den Gründen für den Niedergang der Solothurner Industrie und grosser Namen wie Bally, Ascom, von Roll. Hafner vertrat die These, dass letztlich die konfliktscheue und zu konsensorientierte Solothurner Mentalität zu Reformunfähigkeit und Selbstgenügsamkeit geführt haben. Es war für ihn typisch: Er mochte es, Sachen neu zu denken und Debatten anzustossen.

Der Publizist wohnte seit 1989 in Windisch und war mit SP-Einwohnerrätin Mirjam Aebischer verheiratet. Mit ihr hatte er einen Sohn. Hafner schrieb auch Artikel für die Internet-Zeitung Infosperber, die von der «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» herausgegeben wird. Sein öffentliches Engagement galt sozialen Themen sowie der Verkehrs- und Raumplanung.

Kreativität und Begegnungsmöglichkeiten machen urbanes Wohnen aus

Mit der Arbeitsgruppe Quartierentwicklung des Windischer Quartiervereins Klosterzelg-Reutenen konzipierte er eine viel beachtete Veranstaltungsreihe zum Thema Siedlungspolitik. Ihm war es wichtig, die Debatte zur Hochhausplanung anzustossen. Hafner provozierte bewusst. «Hochhäuser sind eine konservative Art der Siedlungsentwicklung», sagte er im Oktober 2019 in einem Interview mit der AZ.

Es brauche erfahrene Profis, um beispielsweise alte Industrieareale in Wohnraum zu verwandeln. Urbanes Wohnen sei kreativ und biete Begegnungsmöglichkeiten, was die Entwicklung der Gesellschaft und damit auch einer Gemeinde fördere. Als unästhetisch bezeichnete er den Centurion Tower. Hafner hielt fest:

«Ich hätte nichts gegen dieses Hochhaus gehabt, wenn es höher, dafür schlanker gebaut worden wäre.»

Inspirierend und intellektuell fundiert waren sein Gedanken. Vor allem aber hatte Hafner die Menschen gern, mit denen er sich auseinandersetzte. Für eine gerechtere Welt hätte er sich gerne weiterhin eingesetzt

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