Berufserfahrung hat er reichlich gesammelt in den letzten Jahren in der Region, das Umfeld ist ihm bekannt. Neu ist, dass er an der Spitze der Regionalpolizei (Repol) Brugg steht: Andreas Lüscher. Sein grosszügiges, schlicht eingerichtetes Büro hat er von seinem Vorgänger Heiner Hossli übernommen. Aufmerksam und zuvorkommend, offen und unkompliziert steht er Red und Antwort an diesem Vormittag, wirkt überlegt und ruhig.

Grundsätzlich sei er sehr gut und mit der nötigen Gelassenheit gestartet in seiner neuen Funktion als Polizeichef. «Ich fühle mich wohl.» An die Situation, räumt der 46-Jährige ein, habe er sich aber erst gewöhnen müssen. Nach seiner Zeit als Stellvertreter sei es ihm manchmal etwas «gschpässig» vorgekommen. Auch sei die erste Phase intensiv gewesen, fügt er an und deutet auf die Aktenstapel hinter sich. Es seien einige Projekte, die anstehen. Viele Termine für Besprechungen und Sitzungen hätten bereits stattgefunden, diverse Anliegen seien direkt an ihn herangetragen worden. Es seien einige Erwartungen vorhanden, ist er sich bewusst. Daneben schloss Lüscher seine rund anderthalbjährige Weiterbildung ab in Leadership und Management. «Ein gewisser Druck war zu spüren», fasst er zusammen.

Kontakt will er nicht missen

Er trage nun mehr Verantwortung, auch bei strategischen Entscheidungen und Personalfragen, könne – zusammen mit seinem Team und seinen zwei Stellvertretern im Kader – Ideen entwickeln, sagt er zu den neuen Tätigkeiten, die seine Funktion mit sich bringt. Weiter stehe er in direktem Kontakt mit seinen politischen Vorgesetzten, dazu sei er Mitglied im Verband der Regionalpolizeien. Dieser Austausch mit seinen Chefkollegen – aber auch mit der Kantonspolizei – sei sehr bereichernd. Kurz: Vieles mache er zum ersten Mal, müsse sich einarbeiten. «Das ist spannend und herausfordernd, manchmal anstrengend.» Aus der Bahn geworfen habe ihn die Aufgabe aber nicht, schiebt er mit einem sympathischen Lachen nach.

Selber auf Patrouille gehen, da macht er sich keine Illusionen, werde er sicher weniger. Sporadisch wolle er aber auch in Zukunft an der Front sein, draussen, nahe bei den Leuten. Diese Begegnungen seien ihm wichtig in dieser Region, in der er lebe und arbeite. «Das möchte ich nicht missen.»

Wissen kommt ihm zugute

Ursprünglich hat Andreas Lüscher Möbelschreiner gelernt. Die Arbeit der Polizei habe ihn schon in jungen Jahren fasziniert. «Der Beruf ist abwechslungsreich, kein Tag ist wie der andere. Zudem handelt es sich um eine ehrenvolle Aufgabe: Man kann den Leuten helfen.» Er bewarb sich bei der Kantonspolizei Aargau, absolvierte 1994 und 1995 die Polizeischule und trat in der Folge seine erste Stelle an auf dem Posten in Brugg, wo er bis 1999 blieb. Er erlernte das polizeiliche Handwerk in der ganzen Bandbreite, führt er aus, von den verkehrspolizeilichen bis zu den kriminalpolizeilichen Aufgaben.

Danach wechselte er nach Hausen, wo eine 100-Prozent-Stelle geschaffen wurde für einen Gemeindepolizisten. «Ich konnte enorm profitieren, erhielt einen Einblick in die ganzen Verwaltungsabläufe oder ins Thema Signalisation, weil die Umsetzung von Tempo-30-Zonen anstand.» Dieses Wissen, dieses breite Spektrum komme ihm noch immer zugute. Denn die heutige Regionalpolizei übernehme ja ebenfalls verwaltungspolizeiliche Arbeiten, sei es im Bereich Gastgewerbe oder Veranstaltungen.

Als mit den Diskussionen um den Aufbau der Regionalpolizeien entschieden wurde, die Gemeindepolizeien Brugg, Windisch und Hausen zusammenzulegen, kam Andreas Lüscher 2007 zurück nach Brugg. Schon unter dem damaligen Chef der Stadtpolizei, Werner Friedli, bekleidete er die Funktion eines Gruppenchefs. Lüscher absolvierte verschiedene Weiterbildungen, unter anderem zwei Führungslehrgänge.

Mit Heiner Hossli, seinem Vorgänger, begleitete er den Umbau des Kornhauses in der Unteren Hofstatt, wo die Repol heute ihren Sitz hat. «Diesen Prozess konnte ich bis zum Umzug eng mitgestalten.»

Schöne Erlebnisse überwiegen

Ein Polizist sei nahe bei der Bevölkerung, am Puls des Geschehens, könne etwas bewirken und bewegen, spüre, wo der Schuh drücke, antwortet Lüscher auf die Frage nach dem Reiz seines Berufs. «In erster Linie geht es um den Dienst am Bürger.» Immer wieder, das seien die Schattenseiten, erlebe ein Polizist aber auch brenzlige Situationen, werde konfrontiert mit tragischen Schicksalen, Leid, häuslicher Gewalt, Unfällen. Nach 25 Jahren im Beruf werde er dann und wann von Personen angesprochen, mit denen er früher zu tun hatte, die sich positiv entwickelt hätten und Freude hätten, ihn zu treffen. «Das gehört zu den schönen Erlebnissen, die ganz klar überwiegen.»

Verstärkt sollen die sogenannten Hotspots kontrolliert werden, sagt der neue Polizeichef angesprochen auf die Schwerpunkte, die er setzen möchte. Es gelte an denjenigen Orten präsent zu sein, an denen es zu Verunsicherungen komme, sei es wegen Lärm, Alkohol oder Drogen. An neuralgischen Punkten, fährt er fort, werde überdies der Austausch mit der Bevölkerung gesucht – wie im letzten Jahr mit Standaktionen. Die Repol sei gut verankert in der Region, stellt Lüscher fest.

Die jungen Mitarbeiter, ergänzt er, seien nahe an den Jugendlichen. Diese könnten – beispielsweise im Rahmen des Zukunftstags oder der Verkehrsinstruktion – die Möglichkeit erhalten, bei der Polizei vorbeizuschauen, deren Tätigkeiten und Ausrüstung kennen zu lernen. «So merken sie, dass die Polizei nicht ein Spiel- und Spassverderber ist, sondern einen Auftrag hat, dass es um die Sicherheit geht.»

Ebenfalls beschäftigen werde die Verkehrsthematik. Als Stichwort nennt er die Südwestumfahrung, deren Bau im April beginnt. Auch das Stadtfest Brugg an den beiden Wochenenden Ende August sei eine – durchaus willkommene – Herausforderung.

Er will auf Augenhöhe führen

Grundsätzlich sei es entscheidend für die Polizei – nicht nur in Brugg –, mit der Zeit zu gehen, Entwicklungen und Trends zu erkennen. «Die Gesellschaft wandelt sich immer schneller und wir sollten jeweils eine Nasenlänge voraus sein. Das ist nicht ganz einfach», sagt der Polizeichef. Vermehrt sollen die elektronischen Medien sinnvoll eingesetzt werden. «Sowieso haben wir uns auf die Fahne geschrieben, die heutige Technik effizient zu nutzen.»

Die Regionalpolizei Brugg sei ein gut funktionierender Betrieb, betont er, es müsse nicht alles auf den Kopf gestellt werden. «Auch müssen wir gut haushalten mit unseren Ressourcen.» Vonseiten Behörden und Verwaltung, fügt er an, spüre er ein grosses Wohlwollen der Repol gegenüber. Die angenehme Zusammenarbeit mit den Vertragsgemeinden schätzt er ebenfalls.

Er wolle, das sei ihm ganz wichtig, auf Augenhöhe führen. Es soll Platz haben für Ideen, Kreativität und Eigeninitiative. «Wir haben ein motiviertes Team. Alle haben ihre Fachgebiete, in denen sie ihr Wissen einbringen können, ihre Stärken, die sie nutzen und weiterentwickeln sollen.»