Hausen

Neues Buch zum Dahlihaus: «Beim Erhalt der bäuerlichen Baukultur ist es fünf vor zwölf»

An einer Vernissage der etwas andern Art hat der Verein Pro Dahlihaus in Hausen das Buch «Das Dahlihaus» vorgestellt.

«Hat sich der Umbau der alten Hütte gelohnt?» Diese Frage, die über dem letzten Kapitel des Buches «Das Dahlihaus» steht, darf zweifellos mit Ja beantwortet werden. In erster Linie natürlich, weil Hausen dank dem Einsatz von Robert Kühnis mit dem wiederhergestellten Kleinbauernhaus ein Schmuckstück erhalten hat. Gelohnt hat sich das Unterfangen aber auch dadurch, dass Hausen – dem Verein Pro Dahlihaus sei Dank – gewissermassen als Nebenprodukt zu einer spannenden Dokumentation des 460 Jahre alten Hochstudhauses gekommen ist.

Im neuen Gemeindesaal hat der Verein Pro Dahlihaus am Freitag das Buch «Das Dahlihaus», das von einem Autorenkollektiv unter der Leitung von Hans-Peter Widmer erarbeitet worden ist, vorgestellt. Zur Vernissage konnte Beat Peterhans, der Präsident des Vereins Pro Dahlihaus, neben vielen Gästen nicht nur Gemeindeammann Eugen Bless, Christoph Brun (Präsident Aargauer Heimatschutz), Thomas Pauli (Abteilungsleiter Kultur in Departements für Bildung, Kultur und Sport) und Reto Nussbaumer (Kantonale Denkmalpflege) willkommen heissen, sondern mit Albert Senn und Madeleine Brun-Schatzmann auch zwei ehemalige Bewohner des Dahlihauses.

Rettung als «griechische Tragödie»

In einer «flammenden Ansprache», so Brigitte Schnyder, verglich Thomas Pauli die Rettung des Dahlihauses mit einer griechischen Tragödie. «Bei einem Besuch im Dahlihaus, der nötig wurde, weil Wasser aus der römischen Leitung ins Haus gedrückt hatte, ist mir Robert Kühnis mit einem Zitat von Plato gekommen», erklärte Thomas Pauli. «Da muss ich natürlich mit Aristoteles gegenhalten.»

Das Dahlihaus an der Holzgasse ist das älteste Gebäude in Hausen. Das Autorenteam bekam für seine Arbeit Applaus vom Publikum.

Das Dahlihaus an der Holzgasse ist das älteste Gebäude in Hausen. Das Autorenteam bekam für seine Arbeit Applaus vom Publikum.

Die jüngste Geschichte des Dahlihauses enthalte tatsächlich alle Elemente einer griechischen Tragödie, stellte er fest. Von der Auflehnung des Volkes – gegen den Abriss des Hauses – bis zum Auftauchen eines Retters in letzter Minute und zum Sinneswandel, zur Katharsis. Die Rettung des Dahlihauses und deren Dokumentation seien exemplarisch so Thomas Pauli. «Die vermeintlichen Bruchbuden sind keine Altlasten, sondern sehr wichtig», betonte er. «Was den Erhalt der bäuerlichen Baukultur betrifft, ist es inzwischen fünf vor zwölf.»

Viele Überraschungsgäste vor Ort

Als Überraschungsgäste tauchten Dahli Hans (Kurt Schneider) und das Hüener-Anni vom Tannhübel (Stefan Schnyder) auf – samt Leiterwägeli, allerhand Federvieh und Eiern. Mit gezielten Fragen entlockte das herrliche Pärchen den Autorinnen und Autoren – Peter W. Frey, Cecilie Gut, Christoph Mühlhäuser, Hans-Peter Widmer, Ernst Götti, Irene Hung-König, Heiko Dobler, Jürg Stüssi-Lauterburg und Ina Wiedenmann – Aussagen zu den Beiträgen und zu den Gründen für das Engagement. Nein, er sei nicht enttäuscht über die Entwicklung in Sachen Dahlihaus, versicherte Hans-Peter Widmer. Man habe sich zwar eine etwas andere Nutzung vorgestellt. Mit einem kleinen Wohnmuseum, Wohnungen und einem Begegnungsort im riesigen Dachstock. Doch Letzteres sei inzwischen ja erfüllt.

Es blieb Ernst Götti vorbehalten, in diesem speziellen Interview die Sache auf den Punkt zu bringen. «Wir haben einfach das Gefühl gehabt, dass es sich lohnt, sich für das Dahlihaus einzusetzen», erklärte er. Leider nichts wird es aber mit dem Wunsch des Hüener-Anni – vielleicht zusammen mit Dahli Hans – in eine kleine Wohnung im wieder auferstandenen Dahlihaus einziehen zu können. Robert Kühnis musste da abwinken. Immerhin aber stellte er in Aussicht, dass das Schuhmacherhäuschen künftig für «nette Familienfeiern» zur Verfügung gestellt werden könne.

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