Brugg
Neumarkt verkürzt die Öffnungszeiten – aus Rücksicht auf die kleineren Geschäfte

Abendverkauf am Freitag lohnt sich für die kleineren Geschäfte nicht – sie schliessen neu um 18.30 Uhr.

Claudia Meier
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Im Brugger Neumarkt 2 haben seit Anfang Mai nur noch Coop, Interdiscount und Gidor am Freitagabend erweiterte Öffnungszeiten bis 20 Uhr.

Im Brugger Neumarkt 2 haben seit Anfang Mai nur noch Coop, Interdiscount und Gidor am Freitagabend erweiterte Öffnungszeiten bis 20 Uhr.

Claudia Meier (cm)

Es ist ein trostloser Anblick im Brugger Einkaufszentrum Neumarkt 2: Wer sich am Freitagabend nach 19 Uhr im ersten Obergeschoss noch umsehen möchte, steht neuerdings mehrheitlich vor verschlossenen Türen. Einzig der Interdiscount ist noch offen. Alle anderen Läden sind seit 18.30 Uhr zu.

«Wir im Neumarkt haben erst vor Kurzem beschlossen, per 1. Mai 2019 unsere Öffnungszeiten am Freitagabend zu verkürzen von 20 Uhr zurück auf 18.30 Uhr», sagt Präsidentin Jasmin Steinmann vom Vorstand der Mietervereinigung Neumarkt. Die Überlegungen dahinter sind laut Steinmann sicherlich die Wirtschaftlichkeit und Rentabilität der kleineren Geschäfte, die eine sehr hohe finanzielle Auslage haben mit dem Abendverkauf und dies bei sehr tiefer Kundenfrequenz und Umsatz in der letzten Stunde. «Die Grossverteiler Migros, Coop und Denner haben natürlich weiterhin verlängerte Öffnungszeiten», hält die Präsidentin fest. Das gilt auch für Coiffeur Gidor und das Kleidergeschäft H&M im Neumarkt.

Manchmal nur ein Kunde

Es laufe nicht gut in Brugg, sagt eine Verkäuferin im Kundengespräch. Die Angestellte begrüsst diese Anpassung der Öffnungszeiten, denn der Freitagabend zwischen 18.30 und 20 Uhr sei ihr oft unendlich lange vorgekommen. Manchmal konnte sie in dieser Zeit lediglich einen Kunden zählen.

«Leider haben in der ganzen Stadt Brugg alle Geschäfte andere Öffnungszeiten», fährt Jasmin Steinmann fort. Dies sei für die Stadt nicht sehr attraktiv. Das Ziel der gesamten Stadt wären sicherlich einheitliche Öffnungszeiten, was die Orientierung für die Kundschaft stark vereinfachen und so unter dem Strich zum Erfolg führen würde.

Seit längerer Zeit ist geplant, mit einem breiten Durchgang, einer neuen Passerelle zwischen Neumarkt 2 und 3 sowie einem neuen Gastrokonzept, den Kundenfluss im ersten Obergeschoss sowie die Attraktivität des Einkaufszentrums insgesamt zu steigern. Neben dem Innenausbau und der Sockelsanierung hätte auch der Neumarkt gestalterisch und materialmässig derjenigen vom Neumarkt 2 angepasst werden sollen. Vorgesehen war, die Passerelle zwischen Sommer 2018 und Frühjahr 2019 zu erstellen. Sichtbare Veränderungen hat es seither nicht gegeben. Im Hintergrund laufen offenbar nach wie vor Gespräche.

Interdiscount schliesst Filiale

Auf die Frage, ob auch Interdiscount die Öffnungszeiten im Neumarkt reduzieren wird, sagt Mediensprecherin Monika Sachs diplomatisch: «Wir legen die Ladenöffnungszeiten grundsätzlich aufgrund der Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden fest und überprüfen den Erfolg periodisch.» Dies sei auch in Brugg der Fall. Und dann wird sie doch konkret: «Die Filiale im Einkaufszentrum Neumarkt wird per Ende Februar 2020 geschlossen. Die Mitarbeitenden werden weiterbeschäftigt.»

Am Neumarktplatz 7 betreibt die Elektronik-Handelskette Interdiscount, die der Coop-Genossenschaft gehört, eine zweite Filiale. Wird sich daran etwas ändern? Dazu sagt die Mediensprecherin: «Nach Schliessung der Filiale im Einkaufszentrum Neumarkt per Ende Februar 2020 werden wir kein neues Ladenlokal in Brugg beziehen. Wir überprüfen und optimieren unser Verkaufsstellennetz laufend und werden deshalb künftig mit einer Filiale am Standort Brugg präsent sein.»

Mit der Eröffnung des Neumarkts 1 im März 1975 schrieb Brugg Geschichte. Die Konzept-Vision lautete «Alles einkaufen an einem Ort». Damit betrat die Migros zusammen mit sieben Geschäften sowie einem Restaurant auf drei Etagen Neuland und wirkte als Kundenmagnet. Auf 4830 Quadratmetern zählte man im ersten Jahr bereits 1,5 Millionen Kunden. Das bedeutete 5000 zahlende Kunden pro Einkaufstag. Sieben Jahre später gab es für die Investition von 34 Millionen Franken auf 4000 Quadratmetern zusätzliche Verkaufsfläche für 21 Fachgeschäfte, ein Restaurant und 142 weitere Kundenparkplätze.

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