Das Studio von Sebastiano Bucca riecht stark nach Lavendel. Der Künstler entwickelt und fixiert gerade zwei Porträts, die im nassen Kollodiumverfahren fotografiert wurden. Zur Fixierung wird unter anderem ein Lavendelöl benötigt, das dem Raum einen intensiven Duft verleiht. Der 52-Jährige ist in Baden wohnhaft und Sohn von sizilianischen Gastarbeitern. Seine italienischen Wurzeln spiegeln sich nicht nur in seinem Namen wieder, sondern auch in seinem feinen Kaffee.

Vor zwei Jahren hat sich Bucca dazu entschieden, neben der Grafik und dem Fine Art Printing etwas Neues zu wagen. Nach einiger Recherche im Internet stiess er auf die Fotografie der ersten Stunde, die sogenannte Ambrotypie (ambrotos ist Griechisch für unsterblich). Er kaufte sich eine Kamera mit Jahrgang 1890, deckte sich mit Foto-Chemikalien ein und baute eine Dunkelkammer.

Mit Geduld zum Unikat

Seit September 2016 fotografiert Bucca Menschen wie anno 1851 im nassen Kollodiumverfahren. Bei dieser Art von Fotografie erscheint das Bild nicht wie üblich auf einem Fotopapier, sondern auf einer Glas- oder Aluminiumplatte. Es handelt sich dabei um ein Unikat, für das etwas Geduld gebraucht wird. Die Porträtierten müssen vor der Kamera 3 bis 15 Sekunden still sitzen, bis das Bild genügend beleuchtet ist.

Das Handwerkliche und die langsame Fotografie faszinieren den Künstler. Und genau diese Kombination sind grosse Bestandteile bei der Arbeit mit dem nassen Kollodiumverfahren. «Je häufiger ich es mache, umso mehr fasziniert es mich», erzählt Bucca. Ein solches Porträt ist nie fehlerfrei. «Doch jeder Fehler ist ein Charakterzug des Bildes und macht es einzigartig», sagt Bucca. Eine Ambrotypie ist nicht vergleichbar mit einem digitalen Foto. Es zeigt einen anderen Ausdruck, braucht mehr Zeit und ist begleitet von unverwechselbaren Düften. In der Dunkelkammer riecht es leicht stechend nach Äther, das fertige Porträt duftet lieblich nach Lavendel.

Druck im Mittelpunkt

Im Rahmen der Ausstellung «Dimension Druck» im Salzhaus in Brugg wird die Kunst von Bucca am Wochenende vom 9. und 10. Juni zu sehen sein. Das Thema der diesjährigen Ausstellung ist das Medium «Druck». Das nasse Kollodiumverfahren ist im weitesten Sinne auch eine Form von Druck. Auch in diesem Verfahren können Negative erstellt werden und zur Reproduktion benutzt werden. Bucca gehört mit seinen Vintage-Porträts zum Rahmenprogramm der Ausstellung.

Der Fokus liegt auf den verschiedenen Künstlern, die während zweier Wochen ihre Dimension vom Druck im Salzhaus zeigen. Diese Künstler gehören vier verschiedenen Druckwerkstätten aus dem Raum Zürich-Aargau-Basel an. So hat es eine Druckwerkstatt aus Basel und eine aus Lenzburg. Zudem sind zwei Zürcher vertreten. Unter den Künstlern besteht ein gemeinsames Interesse am Medium «Druck», die Schaffensweisen könnten allerdings nicht unterschiedlicher sein. Jede Persönlichkeit lässt sich auf ganz verschiedene Weise für ihr Schaffen inspirieren. In Brugg werden zwei Druckwerkstätten, eine Steindruckerei und eine Kupferdruckwerkstatt gezeigt.

Im Salzhaus werden Druckwerke installiert. Auch 3D-Druck ist ein Thema bei der Ausstellung. Sie bietet zu den vier Druckwerkstätten noch ein vielfältiges Rahmenprogramm: Führungen, Künstlergespräche, Konzerten und Workshops werden angeboten. Wer Lust hat, kann bei Bucca ein Vintage-Porträt von sich machen lassen. Eine vorgängige Anmeldung unter www.salzhaus-brugg.ch/sebastiano-bucca ist empfehlenswert.

Die Ausstellung «Dimension Druck» findet vom 26. Mai bis zum 10. Juni im Salzhaus in Brugg statt. Die Öffnungszeiten und das Programm mit Barbetrieb finden Sie auf www.salzhaus-brugg.ch.