Brugg-Windisch

Oase-Projekt: Velofahrer fordern dringend mehr Platz

Wer mit dem Velo zwischen Brugg und Windisch unterwegs ist, braucht oft starke Nerven: Eine sichere und durchweg befahrbare Direktverbindung gibt nicht, ist aber seit Jahrzehnten ein Thema.

Nun schlägt der Kanton Aargau mit dem Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase) vor, ein Grossteil des Verkehrswachstum von 40% bis 2040 – aufgrund des angenommenen Bevölkerungswachstums – mit dem öffentlichen Verkehr und dem Langsamverkehr aufzufangen. Der motorisierte Individualverkehr (MIV) soll dabei stabil bleiben.

«Das bedeutet etwa plus 300% Veloverkehr. Keine Frage: Das braucht Platz. Viel Platz», schreibt Vorstandsmitglied Matthias Zehnder von Pro Velo Brugg-Windisch in der Einladung zu einer freien Kundgebung. Denn sein Verein wolle nicht warten, «bis die Umfahrung steht und mit der neuen Rheinbrücke sowie der dazugehörenden neuen Zollabfertigung eine neue Transitachse zur A1 entsteht». Eine ähnliche Kritik wurde auch von der Aargauer Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz laut. Dass der Raum für attraktive und sichere Veloverbindungen jetzt reserviert und möglichst schnell für Velomassnahmen genutzt wird, ist eine zentrale Forderung von Pro Velo Brugg-Windisch.

Die Bereitschaft, aufs Velo umzusteigen, ist gross

Die Coronakrise hat laut Pro Velo gezeigt, dass viele umsteigen würden, «wenn nur weniger Autos den Veloverkehr gefährden würden». Von Brugg-Windisch aus wünschen sich die Velofahrer attraktive Pendlerachsen nach Turgi, nach Villigen zum Paul-Scherrer-Institut und ins Eigenamt (Industriegebiet Lupfig). Im Zentrum braucht es mehrere fahrbare Querungen der Eisenbahnlinie zwischen Brugg und Windisch.

In losen Gruppen machten die Velofahrer deshalb am vergangenen Mittwochabend während des Feierabendverkehrs auf ihr Anliegen aufmerksam. Zwischen dem Eisi in Brugg und den Kreiseln in Windisch pendelten sie hin und her, mal auf der Hauptstrasse über den Neumarkt-Knoten und mal das Velo schiebend durch die Campusunterführung – besser bekannt als Mausloch. Einige Autofahrer fühlten sich von den Velofahrern provoziert. So rief ein Mann durch das offene Autofenster der Pro-Velo-Kassiererin Käthi Rüegg zu: «Du blöde Geiss!» Nach einer Stunde beendete Pro Velo die angekündigte Aktion.

Süssbachunterführung: Pro Velo wartet auf Antwort

Doch bevor die ersten Massnahmen des Oase-Projekts umgesetzt werden, will der Kanton die Süssbachunterführung zwischen Brugg und Windisch zu einer Fussgänger- und Radwegverbindung ohne allgemeines Fahrverbot ausbauen. Gegen das Bauvorhaben gingen während der öffentlichen Auflage drei Einwendungen ein: Neben Pro Velo meldeten ein Privater und die Feuerwehr Bedenken an. Die Besprechung fand für Pro-Velo-Präsident Hörby Künzi überraschend am 19. März vor Ort statt. Obwohl ihm innert dreier Monate eine Antwort versprochen wurde, hat Künzi seither nichts mehr vom Kanton gehört.

Auf Anfrage der AZ gibt sich das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) nicht sehr auskunftsfreudig. Ein Teil der eingebrachten Vorschläge sei ins überarbeitete Projekt aufgenommen worden, sagt Sprecherin Simone Britschgi. Auf Details geht sie nicht ein, weil das Einwendungsverfahren noch laufe. Das BVU schätzt den Baubeginn frühestens auf Sommer 2021.

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