«Ich war zu Hause und habe auf einer Shopping-App verschiedene Sachen bestellt», erklärte der Beschuldigte vor Gericht. «Dabei tauchte dann so Zeugs auf. Unter anderem ein Schlagstock. Ich habe das nicht wirklich angeschaut. Das kostet ja alles nichts.»

Mit einem Klick legte der knapp 40 Jahre alte Schweizer, der nebenberuflich im Sicherheitsdienst tätig ist, den Schlagstock in den Warenkorb – und setzte damit die Gesetzesmaschinerie in Betrieb: Bei der Zollstelle im Flughafen Zürich wurde das aus Malaysia kommende Paket wegen seines Inhalts zurückbehalten. Dafür flatterte dem Beschuldigten ein Strafbefehl wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition ins Haus.

Zur Selbstverteidigung

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 150 Franken sowie eine Busse von 500 Franken. Zudem stellte sie eine Strafbefehlsgebühr von 900 Franken in Rechnung. Der Beschuldigte erhob Einsprache und so hatte sich das Bezirksgericht Brugg mit der Sache zu befassen.

«Meine Absicht war es nie, etwas zu bestellen, mit dem Menschen verletzt werden können», erklärte der Beschuldigte in der Befragung durch Gerichtspräsident Sandro Rossi. «Ich dachte, dass ich den Schlagstock zur Selbstverteidigung verwenden könnte, falls jemand in meine Wohnung kommt. Ich wollte nie etwas Verbotenes machen. Ich bin richtig erschrocken, als ich durch die Mitteilung der Post vom Verbot erfahren habe. Ich habe der Post mitgeteilt, dass sie die Sendung zurückschicken solle. Ich hatte auch keine Ahnung, woher die Lieferung gekommen war – irgendwoher aus dem Ausland.»

Der Verteidiger beantragte Freispruch und Übernahme der Kosten durch die Staatskasse. «Mein Mandant war sich nicht bewusst, dass es sich beim Schlagstock um einen verbotenen Gegenstand handeln könnte», argumentierte er. Zudem handle es sich beim fraglichen Schlagstock – der während der Verhandlung vor dem Richtertisch drapiert war – um eine Attrappe. Im Gegensatz zu Feuerwaffen-Attrappen seien Schlagstock-Attrappen jedoch keine verbotenen Gegenstände, machte der Verteidiger geltend und erinnerte an die sogenannten Polizei-Sets für Kinder, die vor allem zur Fasnachtszeit legal verkauft würden. «Es kann sich zudem maximal um einen Versuch handeln», betonte er. «Mein Mandant hat den Schlagstock ja nie in seinen Händen gehalten.» Allenfalls könnte Fahrlässigkeit in Betracht gezogen werden. Aber auch dann müsste der Beschuldigte freigesprochen werden.

Doch keine Attrappe

Der Verteidiger kritisierte die Kosten des Strafbefehls als «eher unverhältnismässig hoch» und gab zu bedenken: «Eine Geldstrafe oberhalb der für den Eintrag ins Strafregister massgebenden Grenze ist für einen Menschen, der nichts Böses getan hat, von erheblichen Konsequenzen. Es geht um gravierende Folgen, gerade für jemanden, der wie mein Mandant im Sicherheitsdienst tätig ist. Mein Mandant ist unschuldig. Ich bitte, ihn freizusprechen.»

Das Gericht sprach den Beschuldigten jedoch der versuchten Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 100 Franken und einer Busse von 500 Franken. Zudem muss er die Kosten übernehmen, wobei das Gericht die Anklagegebühr auf 600 Franken reduzierte. Weil der Beschuldigte nicht vorbestraft ist, wurde ihm für die Geldstrafe der bedingte Vollzug gewährt.

«Der Schlagstock ist aus Metall, nicht aus billigem Plastik», hielt Gerichtspräsident Rossi dem Attrappen-Argument des Verteidigers entgegen und unterstrich das mit einem Schlag mit dem Corpus Delicti aufs Richterpult. «Das ist eine ganz andere Kategorie.» Der Erwerb von Schlagstöcken sei nur unter bestimmten Umständen erlaubt. Der Schlagstock sei im Tatbestand definiert. Weil der objektive Tatbestand jedoch nicht zur Gänze erfüllt sei, gehe das Gericht von einem versuchten Verstoss gegen das Waffengesetz aus.