Es war eine Premiere im vergangenen August: Zum ersten Mal waren nicht nur die Ortsbürger zum traditionellen Waldumgang eingeladen, sondern die ganze Bevölkerung von Brugg. Auf einem dreistündigen Marsch erfuhren die 150 Teilnehmer dann viel Wissenswertes über die Natur, die Dienstleistungen des Forstbetriebs und die Ortsbürgergemeinde Brugg. Am Schluss gab es diesmal für jeden Waldumgang-Teilnehmer eine Wurst vom Grill und einen Nussgipfel. Wenn die Ortsbürger unter sich waren, gab es jeweils Sauerkraut, Rippli, Kartoffeln und Würstli sowie eine Cremeschnitte.

Genau um solche Traditionen sowie die Zukunft des Waldumgangs ging es an der Ortsbürgergemeindeversammlung am Dienstagabend im Rathaussaal unter dem letzten Traktandum «Verschiedenes und Umfrage». Stadtammann Barbara Horlacher erwähnte, dass auf Antrag der Finanzkommission alle Einwohner zum Waldumgang eingeladen wurden. Bei den 49 anwesenden Ortsbürgern (von insgesamt 372) fragte sie nach Feedbacks als Entscheidungsgrundlage für den Stadtrat. Denn dieser überlegt sich, ob man vielleicht alle zwei Jahre den Waldumgang für die ganze Bevölkerung öffnen soll.

Ortsbürger als grosse Familie

In der zögerlich anlaufenden Diskussion sprachen sich mehrere Votanten dafür aus, dass die Bevölkerung nicht jedes Jahr eingeladen wird. «Wir Ortbürger stehen für Traditionen ein und wollen wieder Sauerkraut auf dem Teller», brachte es ein Brugger auf den Punkt. FDP-Politiker Titus Meier kann sich vorstellen, die Bevölkerung auch nur alle fünf Jahre zum Waldumgang einzuladen. Er schlug stattdessen noch vor, einmal ein grosses Ortsbürger-Familientreffen zu organisieren – auch mit Ortsbürgern, die ausserhalb von Brugg wohnen. Zudem stehe es Interessierten offen, sich in der Ortsbürgergemeinde einbürgern zu lassen und so auch von Privilegien wie der Teilnahme am Waldumgang zu profitieren.

Von dieser Einbürgerungsmöglichkeit machten Miro Barp, der als Gast an der Gmeind teilnahm, und Julia Grieder am Dienstagabend Gebrauch. Die beiden Einwohnerräte wurden von den Anwesenden ohne Gegenstimme gegen eine Abgabe von 200 Franken in das Bürgerrecht der Ortsbürgergemeinde Brugg aufgenommen.

Stadtmuseum wird moderner

Ebenfalls ohne Gegenstimme gutgeheissen wurde ein Projektierungskredit über 103 000 Franken für die Modernisierung der Dauerausstellung sowie die Gebäudesanierung des Stadtmuseums. Momentan wird insgesamt mit Kosten von 740 000 Franken für die Umbaumassnahmen gerechnet. Über den definitiven Baukredit sollen die Ortsbürger dann nächstes Jahr an der Wintergmeind entscheiden. Die Realisierung der Umbauarbeiten ist ab Oktober 2020 vorgesehen.

Vizeammann Leo Geissmann erklärte die wichtigsten Punkte im Budget 2019. Neu integriert sich der Forstbetrieb als Aufgabenbereich in die Ortsbürgerrechnung und wird nicht mehr separat als Eigenwirtschaftsbetrieb dargestellt. Auch muss im Eigenkapital nicht mehr zwingend ein Forstreservefonds gebildet werden. «Das neue Budget ist dadurch einfacher zu lesen», sagte Finanzkommissions-Präsident Willi Wengi. Erwartet wird ein positives Jahresergebnis mit 42 300 Franken. Das Budget wurde ohne Gegenstimme genehmigt.

Mit nur einer Gegenstimme hiessen die Ortsbürger ausserdem den Antrag zum Landverkauf für 369 147 Franken für das Projekt Südwestumfahrung gut. «Der Stadtrat denkt, dass dieses Geschäft ein gutes Geschäft für die Ortsbürgergemeinde ist», sagte Stadtammann Barbara Horlacher vor der Abstimmung. Der Stadtrat werde demnächst die neuen Legislaturziele vorstellen. Eines werde lauten, endlich eine Immobilienstrategie zu erarbeiten.