Brugg
Ortsbürger fühlen sich überrumpelt – und heissen Rückweisungsantrag zum Quartierzen­trum Weiermatt gut

Das Quartier entlang der Zurzacherstrasse in Brugg wird nicht weiterentwickelt. Das Stimmvolk wies Antrag für Machbarkeitsstudie zurück.

Claudia Meier
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Von der grünen Ortsbürgerparzelle befindet sich ein Viertel in der Bauzone.

Von der grünen Ortsbürgerparzelle befindet sich ein Viertel in der Bauzone.

zvg

Von einer Riesenchance für die Ortsbürger sprachen an der Wintergmeind am Dienstagabend in der Turnhalle Freudenstein in Brugg sowohl Frau Stadtammann Barbara Horlacher (Grüne) als auch der Vorsitzende der Finanzkommission (Fiko) Willi Wengi (FDP). Das war dann aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit beim Traktandum «Entwicklung Quartierzen­trum Weiermatt». Einen Bruttokredit in der Höhe von 105'000 Franken beantragte der Stadtrat dem Stimmvolk für die Grundlagenerarbeitung inklusive Machbarkeitsstudie.

Wengi sprach sich im Namen der Fiko für eine Rückweisung, jedoch keine Ablehnung des Antrags aus. Das Geschäft müsse anders aufgegleist werden. Nach knapp einer Stunde Diskussion wurde der Rückweisungsantrag mit 6 Gegenstimmen gutgeheissen (56 von 382 Stimmberechtigten waren anwesend). Das bedeutet, dass der Stadtrat über die Bücher muss und die Vorlage später nochmals vorlegen wird.

Drei neue Mehrfamilienhäuser könnten realisiert werden

Zur Erinnerung: Die Ortsbürgergemeinde besitzt im Quartierzentrum eine 14 545 m2 grosse Parzelle, die sich aktuell in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen befindet. Mit Inkrafttreten der neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) werden 3050 m2 dieser Parzelle in eine fünfgeschossige Wohn- und Arbeitszone (WA5) mit Gestaltungsplanpflicht umgezont. Der Perimeter der Gestaltungsplanpflicht umfasst auch zwei angrenzende Parzellen. Deren Eigentümer beabsichtigen, ihre Parzellen entsprechend den Möglichkeiten der revidierten BNO neu zu überbauen. Auf dem gemeinsamen Grundstück könnten drei neue Mehrfamilienhäuser realisiert werden.

Die Ortsbürgergemeinde hat ein Ertragsproblem

Die Ortsbürger könnten auf Basis der Machbarkeitsstudie die Entwicklung aktiv mitbestimmen und künftig nachhaltig mehr Ertrag erzielen als heute mit dem Park- und Spielplatz, sagte Frau Stadtammann. In der Diskussion wurde deutlich, dass Fiko, Ortsbürger und Anwohner mit dem stadträtlichen Antrag überrumpelt wurden.

«Wir haben zwar ein Ertragsproblem. Wenn wir Land verkaufen, nimmt aber unser Vermögen künftig ab», sagte Fiko-Mitglied Anton Lauber. «Es stellt sich die Frage, was der Ortsbürgergemeinde am besten dient.» Die Leute, die dort wohnen, verstünden die Vorlage nicht. Lauber forderte die Gründung einer Planungskommission, in der Ortsbürger und Nachbarn vertreten sind. «Wir haben schon genug Schandflecken in Brugg. Wenn ihr drei solche Türme plant, müsst ihr mit Opposition rechnen», machte Lauber dem Stadtrat deutlich.

«Wir wollen Fakten schaffen»

Ein Mann, der in der Nähe der betroffenen Parzelle wohnt, freute sich über die Vorlage: «Es geht ja noch nicht um die Häuser, sondern nur um eine Machbarkeitsstudie.» Barbara Horlacher sah das gleich. «Wir wollen mit dem Antrag Fakten schaffen und werden einen Weg finden, um miteinander über die weiteren Schritte zu diskutieren», hielt sie vor der Abstimmung über den Rückweisungsantrag fest. Wenn der Kredit gesprochen ist, könne man im nächsten halben Jahr mit der Machbarkeitsstudie anfangen. Vizeammann Leo Geissmann (CVP) hatte zuvor ebenfalls darauf hingewiesen, dass es bei der Vorlage darum gehe, eine langfristige Finanzierung sicherzustellen.

Über eine halbe Million Franken für Ersatz des Forstschleppers

Für den Ersatz des Forstschleppers Welte W230 hiessen die Ortsbürger den Bruttokredit von 511575 Franken mit zwei Gegenstimmen gut. Beim Budget 2021 gab es auch zwei Gegenstimmen. Einstimmigkeit herrschte beim Rechenschaftsbericht und der Rechnung 2019, der Anpassung des Vertrags über die forstliche Zusammenarbeit mit Villnachern sowie bei der Einbürgerung von vier Personen.

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