Tierisch

Oster-Glück bei den Bözer Kaninchen: So süss sind die flauschigen Babys

Sandra Heuberger züchtet seit rund 28 Jahren Kaninchen. Im Frühling kommen wieder neue zur Welt. Die Tierliebhaberin spricht über die Verantwortung der Tierhaltung und weshalb es in den Kleintierzüchterverbänden an Jungen fehlt.

Der Frühling klopft bereits wieder kräftig an die Tür. Die Blumen blühen, die Temperaturen steigen und die alljährlichen Osternester werden gesucht. In dieser lebensfrohen Zeit entstehen auch bei Sandra Heuberger zahlreiche neue Nester. Anfang April sind wieder junge Kaninchen auf die Welt gekommen. Damit hält die Tierliebhaberin zurzeit 30 bis 40 Kaninchen bei sich zu Hause. «Der Frühling ist die intensivste, aber auch schönste Zeit des Jahres», sagt Heuberger, den Blick auf ihre Kaninchen gerichtet.

Die 38-Jährige wohnt mit ihrem Mann in Bözen. Seit sie zehn Jahre alt ist, züchtet sie selber Kaninchen. Ihre umherhüpfenden Tiere sind grösstenteils Zwergwidder. «Ich mag einfach den Widder mit den herunterhängenden Ohren.» Dazu kommen noch einige Marder-Kaninchen, die allerdings grösser und temperamentvoller sind. Die Boxen, in denen die Tiere gehalten werden, stehen nahe beieinander. Sie können beliebig miteinander verbunden werden, um den Vierbeinern mehr Platz zu gewähren.

Heuberger arbeitet 80 Prozent als Dental- und Prophylaxe-Assistentin. Daneben übt sie noch andere Tätigkeiten aus. Zum einen ist sie Präsidentin der Abteilung Kaninchen im Aargauischen Kleintierzüchterverband (AKV). Zum anderen ist sie auch noch Präsidentin vom Fricktaler Kleintierzüchterverband (KZV). In den Vereinen fehlt es laut Heuberger aber an Nachwuchs. «Mir ist klar, dass die Welt sehr schnelllebig geworden ist. Die Jugendlichen interessieren sich kaum für unser Hobby. Es scheint uncool zu sein, Verantwortung für ein Tier zu tragen und Verpflichtungen diesbezüglich zu übernehmen. Viele Teenager wissen heutzutage gar nichts mehr mit ihrer Freizeit anzufangen. Oft stehen bei ihnen das Smartphone oder andere elektronische Geräte im Vordergrund. Das ist schade.»

Sandra Heuberger hat über 20 «Osterhasen» zuhause – dieser hier ist vor allem «ein guter Freund»

Sandra Heuberger hat über 20 «Osterhasen» zuhause – dieser hier ist vor allem «ein guter Freund»

Wir wollen den Menschen im Aargau eine Stimme geben – und so dem Kanton ein Gesicht. Unter dem Titel «Lüt usem Aargau» sprechen wir mit möglichst vielen verschiedenen Aargauerinnen und Aargauern über ihr Leben und ihren Alltag. Hier gehts zum Dossier.

Um den fricktalischen Kleintierzüchterverband attraktiver und grösser zu machen, ist ein Zusammenschluss mit dem KZV Baden-Brugg-Zurzach für das nächste Jahr geplant. Heuberger ist engagiert und lebt für ihr Hobby. Sie hat aber nicht nur zum Spass fast 40 Kaninchen zu Hause. «Seit 2011 bin ich schweizerische Kaninchenexpertin.» Dabei bewertet sie die Kaninchen an Ausstellungen in der ganzen Schweiz. Taxiert wird in acht verschiedenen Positionen wie Fell, Körperbau, Farbeigenschaften, Gesundheit und Pflege des Tiers. «An Ausstellungen geht es nicht nur um das Gewinnen. Denn Geld bekommt man keines. Vielmehr geht es um das Zusammensein und um die Sache, das Hobby an sich.»

Ein Zwergwidder-Kaninchen labt sich an einem Löwenzahn.

Ein Zwergwidder-Kaninchen labt sich an einem Löwenzahn.

   

Heuberger hat schon diverse Auszeichnungen an Ausstellungen gewonnen. Ihre schönsten und kräftigsten Tiere stellt sie jeweils auch selber zwischen November und Februar aus. «Mit meinem Hobby kann ich kein Geld verdienen – im Gegenteil: Es ist kostspielig und zeitintensiv. Ich mache es aber einfach unglaublich gerne.» In ihrer Tätigkeit als Kaninchenexpertin musste sie in den ersten Jahren lernen, mit Kritik umzugehen. Nicht alle Züchter sind nach der Bewertung gleicher Meinung wie sie. Als Expertin brauche man einen breiten Rücken. «In unserer Branche gibt es nur vier weibliche Experten. Es ist nach wie vor eine männlich geprägte Welt.»

Erfüllend, aber zeitaufwendig

Neben den Tätigkeiten ausser Haus sorgt sie sich um ihre Tiere, als wären es ihre Kinder. Jeden Tag bringt sie frisches Futter und Wasser. Einmal pro Woche werden die Boxen ausgemistet. Im Frühling, wenn der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, geht sie mehrmals täglich zu den Kaninchen. «Ich muss die Nester kontrollieren und dafür sorgen, dass das Muttertier genügend Milch liefert», sagt Heuberger.

Die Jungen sind die ersten zehn bis zwölf Tagen blind. Danach entwickeln sie sich schnell und verlassen nach drei Wochen das Nest. Neugierig erkunden die Kleinen ihr Gehege und wirken verspielt, als Heuberger sie im Garten kurz herumtölpeln lässt. «Es ist das erste Mal, dass diese drei Jungtiere ausserhalb ihrer Boxen sind», sagt Heuberger mit Blick auf die spielenden Kaninchen-Geschwister. Im Frühling kann sie nun wieder die fünf Auslaufgehege im Garten installieren, die den Kaninchen einen Platz in der Natur bieten.

Dieses Jungtier geniesst den Auslauf.

Dieses Jungtier geniesst den Auslauf.

   

Die Fricktalerin liebt ihre Tiere. Sie kenne jedes ihrer ausgewachsenen zwei Kilogramm schweren Zuchttiere und habe eine enge Beziehung zu ihnen. «Jeder Zwergwidder hat seinen eigenen Charakter.» Umso brutaler ist die Kehrseite der Neuankömmlinge: Die schwächeren Babys werden vom Muttertier «aussortiert». So komme es nicht selten vor, dass bei einem Wurf ein bis zwei Jungtiere bereits in den ersten Tagen sterben. Heuberger kann mit diesem Umstand jedoch gut umgehen: «Es ist jedes Mal traurig, ein totes Tier aufzufinden. Doch das ist die Natur. Daran kann man nichts ändern.»

Einige ihrer Kaninchen gibt sie an Familien oder Zoohandlungen ab. «Vor den ersten 12 Wochen nach der Geburt gebe ich aber keine Jungen weiter. Die sollen möglichst lange beim Muttertier bleiben», betont Heuberger. Die kräftigen, gesunden Tiere will sie für sich behalten und ab November dann selber an den Ausstellungen präsentieren. Um glückliche und damit gesunde Tiere zeigen zu können, brauche es aber Zuneigung: «Es ist ein Hobby, das Zeit und Freude braucht. Man kann sich nicht ein Haustier zulegen und es dann in die Ecke stellen, wenn es langweilig wird.»

Ein anderer Punkt ist für Heuberger ebenfalls zentral: «Alleine geht es nicht.» In der intensiveren Frühlings- und Winterzeit hilft jeweils ihr Mann mit. Ansonsten habe sie viel Kontakt zu ihren Vereinsmitgliedern. Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen sei grundlegend. Daher veranstalte man auch regelmässig Vereinsausflüge und Zusammenkünfte. «Die Kameradschaft steht im Vordergrund und ist der Grundpfeiler für das Funktionieren eines Kleintierzüchtervereins.»

Mit Blick auf die Zukunft hat Heuberger klare Vorstellungen. Den Jugendmitgliedern müsse unbedingt Sorge getragen werden. Jugendliche und junge Erwachsene für das naturverbundene Hobby zu finden, sei sehr schwierig, gehöre sie doch mit 38 Jahren immer noch zur jüngeren Generation. «Ich wünsche mir vermehrt Zusammenarbeit, zeitgemässes Denken und Handeln. Wir leben nicht mehr wie vor 50 Jahren. Heutzutage ist es wichtig, offen zu sein für Neues. Manchmal muss man neue Wege einschlagen, um weiterzukommen.» Eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Vereinen oder Verbänden sei heute nicht mehr wegzudenken. Deshalb ist Heuberger überzeugt: «Nur gemeinsam sind wir stark.»

Tiere zu halten und zu pflegen sei doch etwas Erfüllendes und Wunderbares, meint Heuberger. Sie möchte noch so lange wie möglich Kaninchen halten. Ihr Lebensmotto lautet demnach auch: «Ein Haus ohne Tiere ist wie ein Himmel ohne Sterne.»

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