Brugg
Riniker Dirigent ist beim Perlentauchen fündig geworden

Der Riniker Dirigent Bernhard Hangartner führt mit dem Klosterchor Wettingen eine Rarität auf. Der Dirigent agiert wie ein Perlentaucher und fördert so Preziosen zutage, wie etwa: Ignaz Holzbauers Missa in C .

Elisabeth Feller
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Der Klosterchor Wettingen. Rechts oben steht Bernhard Hangartner, der das renommierte Ensemble seit 2000 leitet.

Der Klosterchor Wettingen. Rechts oben steht Bernhard Hangartner, der das renommierte Ensemble seit 2000 leitet.

Zur Verfügung gestellt

Ignaz Holzbauer? Nie gehört. Bernhard Hangartner lächelt. Es ist nicht das erste Mal, dass der Riniker Musiker und Dirigent in erstaunte Gesichter blickt. Wer Hangartner und sein Wirken für Chöre kennt, weiss aber, dass er immer für Überraschungen gut ist. Der Dirigent agiert wie ein Perlentaucher und fördert so Preziosen zutage – wie etwa jene Perle, die er am kommenden Wochenende in Brugg und Lenzburg präsentieren wird: Ignaz Holzbauers Missa in C .

Alle wollten sie hören

«Das ist ein Werk, das es mit den grossen kirchlichen Kompositionen von Mozart oder von Joseph und Michael Haydn glatt aufnehmen kann.» Wirklich? «Ja», beteuert Hangartner und kommt sogleich auf das Herausragende der gross dimensionierten Komposition zu sprechen: «Das ist die Besetzung mit einer klassischen Bläserharmonie und die exklusive Verwendung von Klarinetten.» Um zu betonen, was das bedeutet, kommt Hangartner auf die Biografie und das Wirken des gebürtigen Wieners zu sprechen. Holzbauer (1711–1783) erlernte das musikalische Handwerk in Italien.

Mit 40 Jahren wechselte er an den Württembergischen Hof nach Stuttgart; danach an den Hof nach Mannheim, wo er als Kapellmeister der damals europaweit berühmten Hofkapelle wirkte. «Alle wollten diese hören; ihr Ruf war legendär», sagt Hangartner: «Wie muss die Missa in C, die wir Jahrhunderte später aufführen, einst geklungen haben? Wunderbar.» Dass Holzbauer die Klarinetten als Orchesterfarbe in einem sakralen Werk eingesetzt habe, sei damals einer Sensation gleichgekommen.

Die Mitwirkenden

Der Klosterchor Wettingen nimmt im musikalischen Leben der Region Baden-Wettingen-Brugg einen festen Platz ein. 2000 übernahm Bernhard Hangartner (Riniken) die musikalische Leitung des Chors.
La Chapelle Ancienne: Die 25 Musikerinnen und Musiker spielen auf historischem Instrumentarium. Das Kammerton-Quartett ist ein junges Vokalquartett, das sich der vierstimmigen Vokalmusik aus allen Epochen widmet. (AZ)

Hangartner fasziniert, dass Holzbauer die anfänglich reiche Bläserbesetzung zunehmend reduziert, «ohne dass die Komposition deswegen an Festlichkeit einbüsst.» Weshalb bloss gingen Komponist und Komposition denn beinahe vergessen? Hangartner: «Auch in diesem Fall wiederholt sich ein bekanntes Muster. Die ganz grossen Namen, zu denen etwa Mozart und Haydn zählen, sind fest im Konzertleben verankert. Doch darob geht oft vergessen, welch hochkarätige Musikerkollegen es damals eben auch noch gegeben hat.» Deren Werke in Bibliotheken oder Musikverlagen aufzuspüren – das ist für Hangartner reizvoll. Aber auch der Klosterchor Wettingen ist interessiert, ein ausgefalleneres Repertoire zu singen.

Holzbauers Missa in C schätzen die 35 Chormitglieder «als tolle Musik, die sich ins Ohr schmeichelt, ohne je billig zu wirken.» Um die Struktur der Messekomposition auch in der Aufführungspraxis zur Geltung zu bringen, erklingt zwischen Holzbauers Messe-Sätzen ein Te Deum von Michael Haydn: «Ein solches wurde üblicherweise anstelle des Benedictus an Festgottesdiensten in Mannheim musiziert», sagt Bernhard Hangartner.

Konzerte Brugg, kath. Kirche St. Nikolaus, Sa, 24. November, 20 Uhr. Lenzburg, ref. Kirche, So, 25. November, 17 Uhr. Kein Vorverkauf.

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