Ein schlichtes, goldfarbenes Cover mit dem diskreten Schriftzug «Golden Matrix» und – unauffällig darunter – «Caruso»: Im Innern befindet sich der brandneue Silberling.

Nach fünf Jahren gibt der Brugger Gitarrist und Multiinstrumentalist Robbie Caruso ein neues Album heraus. Zehn Stücke hat er in gut einem Jahr komponiert, in Eigenregie im hauseigenen Studio produziert und selber eingespielt – bis auf das Hackbrett und das Saxofon. Dort stehen ihm seine musikalischen Weggefährten Roland Schiltknecht und Florian Egli zur Seite.

Entstanden ist gefühlvolle Musik zum Geniessen, eingängig und melodiös, für die Autofahrt genauso wie für die Stunden zu zweit – einmal virtuos und rhythmisch, dann wieder sanft und sphärisch. Caruso spricht von chilligen Instrumental-Tracks.

Jeder Titel funktioniere für sich, die stärkste Wirkung aber entfalte sich, wenn das Album als Ganzes gehört werde. «Also alles ziemlich altmodisch in einer Zeit, wo fast nur noch von Songs die Rede ist.» Ihm sei aber wichtig, dass fernab von Top-10-Charts auch Musik mit Tiefgang, Inhalten und einer gewissen Spiritualität ihr Publikum finde.

Der Musiker scheint auf dem richtigen Weg zu sein, die Reaktionen auf «Golden Matrix» seien – obwohl noch frisch ab Presse – positiv. Offenbar berühre und verführe die Musik. Ein Fan habe einmal treffend» von «Alpenchillout mit Mittelmeerflair» gesprochen.

Handgemachte Musik

«Golden Matrix» ist gemäss Caruso trotz Einsatz von Digitaltechnik immer Handwerk pur. «Eingängige, repetitive Melodiebögen, gewürzt mit gefühlvollen Solopassagen der Hauptinstrumente Gitarre, Hackbrett und Saxofon und getragen von modernen Grooves», beschreibt er sein Werk. Anders gesagt: «Ein Stilmix aus Ethno-, World-, Folk- und Popeinflüssen mit einer eigenen Handschrift.»

Im Gegensatz zum Vorgänger «Honeymoon Deluxe» sei das aktuelle Album mehr aus einem Guss entstanden. Er habe einen wirklichen Kreativitätsschub gehabt, Unmengen an Material sei entstanden. «Es war mein Ziel, ein Album zu schaffen, das einerseits abwechslungsreich, andererseits aber auch viele Facetten meiner Musik aufzeigt.» Er wollte, so Caruso weiter, seinen «eigenen Stil herausfiltern, der geprägt ist von alten Helden wie Pink Floyd in Teenagerjahren und meinem eigenen, fast 30-jährigen Schaffen zwischen Blues, Rock, Funk und Pop.»

Wert gelegt habe er auf Authentizität. «Ich wollte einen roten Faden, der sich durchs gesamte Album zieht, dabei aber stilistische Vielfalt und Virtuosität einschliesst.»

Inspirierende Zusammenarbeit

Intensiver geworden sei die Zusammenarbeit mit Roland Schiltknecht am Hackbrett. «Er ist ein wahrer Meister seines Fachs und sprüht vor Spiellust.» Die Herausforderung habe darin bestanden, aus diesem reichen Angebot an fantastischen Klängen die besten herauszufiltern. Auf zwei Stücken ist Florian Egli am Saxofon zu hören. «Als er die Parts zu ‹Grizzly Bear› einspielte, hatte ich Gänsehaut, denn ich spürte sofort, dass er genau das spielte, was ich mir vorgestellt hatte. Einfach grandios mit solchen Leuten zu arbeiten», stellt Caruso fest.

Lange habe er sich mit dem Mix und Mastering auseinandergesetzt. Apropos: Bei letzterem habe Dan Suter einen Superjob gemacht. Kurz: In dieser CD stecke extrem viel Herzblut und Arbeit, Hoffnung und positive Energie, so Caruso. «Ich bin rundherum zufrieden. Ich hoffe, dass man diese Schönheit heraushört.»

Der Titel «Golden Matrix» sei übrigens schon sehr früh festgestanden. «Ich sehe ihn als Sinnbild auch für etwas Neues, einen Neubeginn.» Das Cover, ein Ölgemälde seiner Frau Claudia, passe da wie selbstverständlich dazu.

Komponiert statt nervös gewartet

Sein Lieblingsstück? Ein solches habe er nicht, sagt Caruso. Aber: «Müsste ich eines hervorheben, so wäre es tatsächlich der gleichnamige Titeltrack.» Das Grundgerüst und die Melodie seien innerhalb weniger Stunden vor fast genau einem Jahr entstanden. Just an diesem Tag habe sich seine Frau einer Operation unterziehen müssen. Er habe sich vorgenommen, statt nervös wartend herumzusitzen, einen Song zu schreiben. «Meine Frau weiss, dass diese Nummer in genau jenen Stunden entstand und ‹Golden Matrix› deshalb ihr gewidmet ist.»

In erster Linie freue er sich, wenn er viele Menschen mit seiner Musik erreichen kann, wenn seine Klangwelten Freude und Energie verbreiten, sagt Caruso auf die Frage zu seinen Erwartungen. «Ich werde die nächsten zwei Jahre so viele Konzerte mit dem Chillout Orchestra wie möglich spielen.» Vielleicht diene das Album auch im benachbarten Ausland als Türöffner. «Ich bin überzeugt, dass der Markt für diese Art Musik durchaus existiert.»

CD-Taufe im Salzhaus

Die Taufe der CD «Golden Matrix» von Robbie Caruso findet am Freitag, 6. Juni,
im Brugger Salzhaus statt; Vorverkauf auf www.starticket.ch. Gespielt werden – natürlich – die Stücke vom neuen Album. «Wir werden», verspricht Caruso, «aber sicher auch einige ältere Nummern im Programm haben.» Die Live-Visuals des Badener Foto- und Videokünstlers Sebastiano Bucca sollen den Auftritt zu einem Genuss für Ohr und Auge machen.

Im Herbst und Winter sind weitere Konzerte im In- und Ausland geplant. Die Umsetzung des dichten CD-Sounds auf der Bühne sei eine echte Knacknuss, stellt der Musiker fest. «Meine Band und ich feilen zurzeit an Arrangements und Live-Versionen.» Mit dem Caruso Chillout Orchestra erfülle er sich einen lang gehegten Wunsch von einer eigenen, festen Formation, mit der er seine Musik endlich auch live präsentieren könne, fährt der Musiker fort.