Schinznach-Dorf
Mit 64 Jahren startet Silvia Spicher als Wirtin im «Bären» – und schmiedet schon den nächsten Plan

Der Traditionsbetrieb in Schinznach-Dorf hat im Januar Neueröffnung gefeiert. Über die wenigen Gäste beim Start waren die Besitzer aber gar nicht so unglücklich.

Maja Reznicek
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Gemeinsam begrüssen sie im «Bären» (v. l.): Stefan Bausch, Silvia und Markus Spicher.

Gemeinsam begrüssen sie im «Bären» (v. l.): Stefan Bausch, Silvia und Markus Spicher.

Bild: Chris Iseli

Das Gastgeben lag Silvia Spicher schon immer im Blut. Als Kind verbrachte sie fast alle Ferien bei den Grosseltern. Diese führten im süddeutschen Goldscheuer einen Gasthof. Regionale Bekanntheit genoss der Betrieb als «Drei-Mädels-Haus», weil das Ehepaar drei Töchter hatte. «Klingt wie im Märchen», sagt Markus Spicher dazu.

Für seine Frau scheint es das ein bisschen gewesen zu sein. Denn die 64-Jährige schwärmt:

«Auf dem Gasthof waren es immer die schönsten Ferien.»

Auch heute noch, an der Rezeption des Hotels oder als Gastgeberin bei Anlässen, erinnert sich Silvia Spicher an früher und sieht auch Ähnlichkeiten zum Unternehmen der Grosseltern. «Nur ist der ‹Bären› eine Nummer grösser», fügt Markus Spicher an.

Der Garten lädt zum Verweilen ein.

Der Garten lädt zum Verweilen ein.

Bild: Chris Iseli

Im Oktober 2019 erwarb das Paar den Gasthof mit Restaurant, Gartenwirtschaft, Eventsälen und elf Hotelzimmern. Geplant war das aber nicht.

Eigentlich wollte sie den Saal im Obergeschoss vor dem Abriss retten

Schon seit Jahren hatten die Spichers den «Bären» stets im Blick gehabt. «Ich kann vom Küchenfenster zu Hause direkt in die Gaststube sehen», sagt Silvia Spicher schmunzelnd. Dass der Schinznacher Traditionsbetrieb einmal dem Ehepaar gehören und es dort auch wirten würde, daran hätten die ehemaligen Inhaber der Schreinerei Spicher nie gedacht.

Als die beiden den «Bären» vor gut eineinhalb Jahren kauften, wollte Silvia Spicher vor allem den «wunderschönen» Saal im Obergeschoss des Gasthofs vor dem Abriss retten. Aus der Liegenschaft sollten eigentlich Wohnungen entstehen.

«Der Bären» ist in Schinznach ein Traditionsbetrieb.

«Der Bären» ist in Schinznach ein Traditionsbetrieb.

Bild: Chris Iseli

Damals sei es für die Spichers kein Thema gewesen, selbst zu wirten, obwohl die beiden auch schon von einer eigenen, kleinen Beiz geträumt hätten. Silvia Spicher ergänzt:

«Ich dachte, wenn wir zehn Jahre jünger wären, dann würden wir es selbst machen.»

Mit den Eigentümern der Löwen Gastro AG in Oberrohrdorf schienen dann die perfekten Pächter gefunden zu sein. Doch mussten diese coronabedingt nach wenigen Monaten aufgeben. Damit der Betrieb nicht schliessen musste, sprangen die Spichers kurzerhand ein, lösten den Pachtvertrag auf und gründeten selber die Bären GmbH.

Silvia Spicher, Wirtin im «Bären».

Silvia Spicher, Wirtin im «Bären».

Bild: Chris Iseli

Silvia Spicher fasste sich ein Herz und übernahm die Rolle der Gastgeberin. Ihr Mann führt aus: «Es war von Anfang an klar, dass sie den Betrieb leiten wird.» Markus Spicher hält sich bewusst im Hintergrund, wirkt als Hauswart und «hält seiner Frau den Rücken frei». Dies unter anderem auch, weil er nach wie vor bei der Schreinerei Spicher angestellt ist.

Er ist ein Spezialist für die vegetarische Küche

Nach Neugestaltung und Umbau öffnete der «Bären» am ersten Januar wieder seine Türen – wegen der Pandemie anfänglich nur für Hotelgäste. Silvia Spicher sieht dies aber nicht negativ:

«Für uns war der langsame Start perfekt.»

So hätte das Team mit 700 Stellenprozenten erste Erfahrungen sammeln können, um nun auch grössere Gesellschaften zu bedienen. Gleichzeitig gab es den Schinznachern die Möglichkeit, einen Koch zu finden.

Die Suche nach dem passenden Küchenchef ist laut Silvia Spicher schwierig gewesen. Auf die Empfehlung einer Freundin kam sie mit Stefan Bausch in Kontakt. Dieser hat bereits eigene Restaurants in der Schweiz und in Frankreich geführt.

Sich selbst bezeichnet Bausch als Spezialist für Saucen und die vegetarische Küche. Im «Bären» soll nun mit und ohne Fleisch gut gegessen werden, es gebe eine «gleichwertige Auswahl». Das Fleisch stammt laut dem «Bären»-Team dafür nur aus Freilandhaltung und ist biologisch. Beim Gemüse setze man auf Händler aus der Region, unter anderem auf einen Biobauern aus Thalheim.

Die Gartenwirtschaft hinter dem Gasthof.

Die Gartenwirtschaft hinter dem Gasthof.

Bild: Chris Iseli

Da Bausch und die Spichers gemäss eigenen Aussagen die gleichen Vorstellungen von regional-biologischer Küche und auch sonst, was die Freiheiten und Pflichten bei der Arbeit betrifft, teilen, haben die drei bereits längerfristige Pläne. Silvia Spicher führt aus:

«Wir könnten uns vorstellen, dass Stefan Bausch mittelfristig die Pacht des Restaurants übernimmt.»

Die 64-Jährige würde sich dann auf die Führung des Hotelbereichs konzentrieren.

Talkabend der Kulturkueferei findet neue Heimat

Mittlerweile ist der Betrieb des «Bären» wieder voll ins Rollen gekommen. In der vergangenen Woche trafen teilweise so viele Gäste ein, dass die beiden Köche Überstunden schieben mussten. Am Samstag besucht zudem die erste Hochzeitsgesellschaft den Betrieb und mietet den gesamten Gasthof für sich. Um die stark gestiegene Arbeitslast aufzufangen, suchen die Spichers aktuell einen zusätzlichen Koch und eine Servicekraft.

In Zukunft werden im Gasthof an der Oberdorfstrasse 32 auch Kulturveranstaltungen präsentiert. Bereits zwei Konzerte, darunter ein Anlass mit Pianist Hendrix Ackle, konnten durchgeführt werden.

Der Bärensaal hat für bis zu 100 Personen Platz.

Der Bärensaal hat für bis zu 100 Personen Platz.

Bild: zvg

Die Informationen zu zukünftigen Events bekomme man im hauseigenen Newsletter, weiss Markus Spicher. Ebenfalls sind Filmevents in Zusammenarbeit mit dem Kino Odeon in Brugg geplant.

Auch für externe Veranstaltungen stehe man offen: So findet ab Winter 2021 der Talkabend der Kulturkueferei mit Moderatorin Judith Wernli im Bärensaal statt.

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