Hausen

Schlechte Farbqualität: «Die Tätowierer trifft keine Schuld»

Andreas Humm tätowiert bereits seit 15 Jahren.

Andreas Humm tätowiert bereits seit 15 Jahren.

Die Kantonslabors Aargau und Basel-Stadt fanden bei Tätowierern schlechte Farbqualitäten vor. Tätowierer Andreas Humm findet die Hygiene mindestens so wichtig wie die Farbqualität. Er glaubt nicht, dass Tätowierer eine Schuld trifft.

Die Kantonslabors Aargau und Basel-Stadt überprüften im vergangenen Jahr insgesamt 60 Tätowier- und Permanent-Make-up-Farben. Zwei Drittel der getesteten Farben wurden als minderwertig eingestuft – über die Hälfte war sogar verboten (die az berichtete).

Handeln die Schweizer Tätowierer unverantwortlich? «Nein, die Tätowierer trifft keine Schuld», sagt Andreas Humm. Er ist Besitzer eines Tattoostudios in Hausen und Mitglied im Verband Schweizerischer Berufstätowierer.

«Das Problem ist, dass wir Tätowierer beim Einkauf unserer Farben darauf angewiesen sind, dass die Farben der Lieferanten und Herstellern den Richtlinien entsprechen.»

Weil die Richtlinien in der Schweiz jedoch kantonal geregelt werden, führe das oft zu Problemen. «Auch ich verwendete vor drei Jahren unabsichtlich eine Farbe, die ein Konservierungsmittel enthielt, das im Aargau nicht erlaubt ist – im Solothurn war es aber legal.»

Keine Liste mit verbotenen Stoffen

Ein weiteres Problem sei, dass es in der Schweiz keinen Tätowierfarbenhersteller gibt. «Wir müssen die Farben aus unseren Nachbarländer kommen lassen.

Doch vieler der Inhaltsstoffe, die im EU-Bereich erlaubt sind, sind in der Schweiz verboten», sagt Humm. «Zudem gibt es keine öffentliche Liste mit den erlaubten Inhaltsstoffen. Woher soll ein Tätowierer also wissen, was erlaubt ist und was nicht?»

Um für Tätowierer Klarheit zu schaffen, setzt sich der Verband Schweizer Berufstätowierer dafür ein, dass das Bundesamt für Gesundheit eine schweizweite Regelung einführt und eine Liste mit allen erlaubten Inhaltsstoffen herausgibt. «Diesbezüglich ist bereits etwas im Gange. Mehr darf ich dazu aber nicht sagen», so Humm.

Mehr um Hygiene sorgen

«Die 30 verbotenen Tätowierfarben, welche die Kantonslabore Aargau und Basel-Stadt entdeckt haben, enthalten keine hochgiftigen Inhaltsstoffe», sagt Humm. «Nur weil ein Inhaltsstoff im Aargau nicht zugelassen ist, heisst das noch lange nicht, dass er tödlich ist – sonst würde er in der EU nicht hergestellt werden.»

Seiner Meinung nach sollten sich die Leute viel mehr über die Hygieneumstände in den Studios Gedanken machen. «Von den etwa 700 Tätowierern, die in der Schweiz arbeiten, sind nur gerade mal um die 330 registriert», sagt Humm. Das Problem sei, dass der Titel «Tätowierer» nicht geschützt ist.

Will man auf Nummer sicher sein, dass die Hygieneumstände stimmen und die Farbe in Ordnung ist, sollte man prüfen, ob das Studio über ein grünes Sicherheitslabel verfügt.

«Dieses beweist, dass der Kanton die Farben sowie die Hygieneumstände abgesegnet hat. Alle Jahre führt der Kanton eine neue Kontrolle durch.»

Auch zu empfehlen seien Tattoostudios die dem Verband Schweizer Berufstätowierer angehören. «Alle Mitglieder des Verbandes beziehen ihre Farben von einem deutschen Hersteller, der die Richtlinien zu 100 Prozent erfüllt», so Humm.

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