Birrfeld

Schlechtes Klima, personelle Missstände, Rücktrittsforderungen – Flugplatz-Mitglieder wollen Neuanfang

Der Vorstand des Aero-Club Aargau sucht per Anfang 2021 oder nach Vereinbarung einen neuen Leiter für den Regionalflugplatz Birrfeld.

Der Vorstand des Aero-Club Aargau sucht per Anfang 2021 oder nach Vereinbarung einen neuen Leiter für den Regionalflugplatz Birrfeld.

An einer ausserordentlichen Generalversammlung sollen personelle Missstände und das angespannte Klima auf dem Birrfeld behoben werden. Laut den unzufriedenen Mitglieder des Aero-Club Aargau sei es erforderlich, dass vier der sieben aktuellen Vorstandsmitglieder zurücktreten.

Mitte Juli wurde bekannt, dass Martin Andenmatten nach gut einem Jahr nicht mehr Flugplatzleiter im Birrfeld ist (die AZ berichtete). Bereits am 1. Mai hatte Aurelio Vassalli, Vorstandsmitglied des Aero-Club Aargau (AeCA), interimistisch die Flugplatzleitung übernommen. Aktuell ist die Stelle zur Neubesetzung ausgeschrieben – ab Anfang 2021 oder nach Vereinbarung.

Gleichzeitig ist nun eine Gruppe von AeCA-Mitgliedern um Andreas Fischer, der 2002/2003 während eineinhalb Jahren Flugplatzchef war, daran, eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen. Gemäss Statuten müsste eine a. o. GV von mindestens einem Fünftel der stimmberechtigten Mitglieder verlangt werden. Der AeCA zählt derzeit 1350 Mitglieder, rund 270 von ihnen müssten also die Versammlung verlangen.

Auf einer Website schreiben unzufriedene AeCA-Mitglieder, dass der Mangel an geeigneten Vorstandsmitgliedern regelmässig zu Problemen im Betrieb auf dem Birrfeld führe. Mit der Einberufung einer a. o. GV sollen die personellen Missstände im Vorstand behoben und das angespannte Klima wieder in gesunde Bahnen gelenkt werden. «Dazu ist es erforderlich, dass mindestens vier der sieben aktuellen Vorstandsmitglieder zurücktreten oder allenfalls abgewählt werden», so die Kritiker. Geeignete Kandidaten stünden bereit und würden in Kürze vorgestellt.

Katastrophale Kommunikation

Als Beispiele für die schlechte Zusammenarbeit erwähnen die Kritiker unter anderem Querelen im Vorstand und die «katastrophale» Kommunikation zum Abgang des Flugplatzleiters Andenmatten. Rein zufällig habe das Vorstandsmitglied Aurelio Vassalli zuvor beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) die erforderlichen Ausbildungen und die Prüfung als Flugplatzchef gemacht.

Zudem sei die Neubeschaffung der Telefonanlage im Birrfeld statt wie von einem bewährten Anbieter offeriert kurzerhand durch ein Vorstandsmitglied übernommen worden. Bauvorhaben würden nach Möglichkeit «familienintern» vergeben. Die Rede ist ausserdem von einer Hauruckübung beim Neustart des Restaurants Cockpit nach einem Konkurs.

Neuer Serverraum sorgt für Ärger

Zahlen dazu würden in der Jahresrechnung seit Jahren nicht ausgewiesen. Bemängelt wird auch, dass die Servereinheit, welche die Grundlage für das gesamte Computersystem im Birrfeld bildet, ausgelagert werden soll – «vom klimatisierten Bereich in der bestehenden Buchhaltung in einen nicht klimatisierten, offenen und ungeschützten Raum im Dachgeschoss der Werkstatt». Zudem seien die Stimmzettel der schriftlich durchgeführten GV erst nach «heftiger Intervention von einigen Mitgliedern» neutral und ordentlich ausgezählt worden.

Der AeCA-Vorstand reagiert nach der Anfrage dieser Zeitung mit einem fünfseitigen Schreiben an die Mitglieder und spricht von einer Reihe «haltloser Vorwürfe». Er ist der Ansicht, dass das Einbeziehen der Presse und deren Leser unnötig war und ist. Der siebenköpfige Vorstand unter Präsident Werner Neuhaus wertet dieses Vorgehen als vorsätzlichen Versuch, das Birrfelder Ansehen zu schädigen. «Einer sachlichen und fairen internen Diskussion stellen wir uns als Vorstandsmitglieder jederzeit gerne», schreiben Neuhaus, Vizepräsident René Dubs, Roger Birchmeier, Matthias Klein, Aurelio Vassali, Jean Voegelin und Leo Wider.

Der Vorstand wollte Betrieb des Flugplatzes nicht gefährden

Zu den zuvor erwähnten Vorwürfen sagt der AeCA-Vorstand, dass in internen Abstimmungsprozessen nicht immer sofort alle gleicher Meinung seien, was natürlich sei und die Qualität der getroffenen Entscheide steigere. Als sich die Trennung des Flugplatzleiters abzeichnete, sei – als vorbereitende Massnahme und um den Betrieb des Flugplatzes auf keinen Fall zu gefährden – ein Vorstandsmitglied kurzfristig beauftragt worden, die für den Betrieb des Flugplatzes notwendige Ausbildung beim Bazl zu absolvieren.

Für den Ersatz der Telefonanlage sei der Zuschlag in einem ergebnisoffenen Wettbewerb an den kostengünstigsten Anbieter gegangen. Auch für alle Bauvorhaben wurden laut dem Vorstand immer mehrere Offerten eingeholt. Früher musste der Wirt des Restaurants seine Zahlen nicht bekanntgeben. Mit dem Wechsel auf eine Aktiengesellschaft hat sich das für den AeCA geändert. Der Umzug der Servereinheit ist mit dem langjährigen IT-Dienstleister abgesprochen. Der vorgesehene Raum sei klimatisch geeignet und jederzeit abgeschlossen.

Bei der Kritik am Stimmzettelauszählen nach der erstmals schriftlich durchgeführten GV räumt der Vorstand ein, dass er dazu gelernt habe. Neue Anträge könnten die Initianten an der ordentlichen GV 2021 einbringen.

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