22 Jahre lang hat Gertraud Eberle – von allen Gerti genannt – die Schulhäuser Au und Langmatt in Lauffohr geputzt. Per 31. Juli wurde ihr gekündigt. Das Problem: Gerti Eberle ist 66 Jahre alt und hat entsprechend das Pensionsalter bereits erreicht. Insgesamt wurde per Ende Juli drei Reinigungskräften gekündigt, per Ende Jahr sind noch einmal zwei betroffen.

Im Kündigungsschreiben, das der AZ vorliegt, argumentiert der Stadtrat folgendermassen: «Der Stadtrat hat entschieden, möglichst nur noch Personen im erwerbsfähigen Alter zu beschäftigen und keine über die ordentliche Pensionierung hinausgehenden Anstellungen mehr zu genehmigen.» So sollen jüngere Personen die Möglichkeit einer flexiblen Erwerbsarbeit erhalten, argumentiert der Stadtrat.

Mit dieser Argumentation hat Gerti Eberle Mühe. Sie wendet sich mit einem Brief an die Zeitung. Bei einem persönlichen Gespräch erklärt sie dann, warum sie diese Kündigung so trifft. «Diese paar Frauen im Rentenalter, die man an einer Hand abzählen kann, können kaum jemandem einen Arbeitsplatz wegnehmen», meint Gerti Eberle. «Es gibt unterschiedliche Gründe, warum wir diesen Job gemacht haben. Die einen, weil sie ihre bescheidene Rente aufstocken möchten, die anderen, weil sie – wie ich – einfach Freude an dieser Arbeit haben.»

Traurig ob groben Fehlers

Sie, Gerti Eberle, habe es geschätzt, sich mit den Frauen zu treffen und dabei einer sinnvollen Arbeit nachzugehen. Der nächste Vorgesetzte habe sich noch bemüht, von den Kündigungen abzusehen. «Leider ohne Erfolg», bedauert Gerti Eberle. Die Bruggerin hat sich sogar bei anderen Gemeinden in der Umgebung erkundigt, ob in diesen dem Schulreinigungspersonal im Pensionsalter ebenfalls gekündigt wird. Das sei dort nicht der Fall, sagt Gerti Eberle.

Was sie noch mehr trifft ist, dass im Kündigungsschreiben sogar Tippfehler zu finden sind. So wurde Gerti Eberle im Brief per 31. Juli 2017 statt 2018 gekündigt. «Die Kündigung scheint für die Unterzeichnenden eine Lappalie zu sein. Dass derart grobe Fehler unterlaufen, finde ich traurig», sagt Gerti Eberle. Auf Nachfrage bei der Brugger Verwaltung sagt Stadtschreiber Yvonne Brescianini: «Es handelt sich beim falschen Kündigungsdatum um einen Tippfehler, der von uns leider nicht bemerkt worden ist. Die zwei davon betroffenen Personen haben sich bei uns jedoch nicht gemeldet.»

Chance für jüngere Leute

Hintergrund für die Kündigungen: Bereits vor einem Jahr sei die Frage diskutiert worden, ob das ordentliche AHV-Rentenalter von 64 Jahren (für Frauen) auch für die Reinigungsmitarbeitenden gilt, sagt Brescianini. Sie betont: «Die Anwendung dieses Grundsatzes richtet sich nicht gegen die bisherigen Mitarbeitenden, sondern soll Personen im erwerbsfähigen Alter die Chance auf eine Teilzeitarbeit geben.» Die Stellen würden sich insbesondere gut für Frauen mit Kindern, für Personen ohne Berufsausbildung oder mit Migrationshintergrund eignen. «Die dadurch erzielten Einkommen können einen wichtigen Beitrag an das Familieneinkommen darstellen», hält Brescianini fest. Die von der Kündigung betroffenen Mitarbeitenden seien persönlich von ihren Vorgesetzten informiert worden, bevor die Kündigung ausgesprochen wurde.

Mitarbeitende, die den Job vor allem wegen der sozialen Integration ausgeübt hatten, wurden auf den Seniorenrat Brugg oder die Koordinationsstelle Alter Region Brugg aufmerksam gemacht.

Gerti Eberle kann die Pension bis jetzt noch nicht so richtig geniessen. Es falle ihr schwer damit, diesen Entscheid zu akzeptieren. Sie habe zwar Angebote, in Häusern zu putzen. «Da fehlt mir aber das tolle Team, das wir bei der Schulreinigung hatten.»