Rückblick
«Sie gehört zur Stadt»: Die Stadtmusik Brugg wird 175 Jahre alt

Das Brugger Orchester feiert Geburtstag: Ein Rückblick auf die ereignisreiche Geschichte bis hin zum Jubiläumsjahr 2021.

Katja Gribi
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Mit der Neuuniformierung 1978 verschwand das militärische Erscheinungsbild.

Mit der Neuuniformierung 1978 verschwand das militärische Erscheinungsbild.

zvg

«Ein Fest ohne Musik ist kein richtiges Fest und so ist auch ein Jugendfest ohne das Spiel der Stadtmusik kein richtiges Jugendfest! [...] Die Gründung erfolgt noch vor derjenigen des heutigen Bundesstaates von 1848 und zehn Jahre bevor der erste Zug in Brugg einfuhr! [...] Heute gehört die Stadtmusik zur Stadt Brugg wie der Schwarze Turm oder die Hofstatt!»

Diese Sätze schreibt Bruggs Frau Stadtammann Barbara Horlacher zum Jubiläum auf der neugestalteten Website der Stadtmusik Brugg. Anlass gibt der Geburtstag des Orchesters – seit 175 Jahren musizieren Mitglieder des Vereins auf Festen und Konzerten.

Stadtmusik mit turbulenter Geschichte

Im Jahr 1846 wurde die Blasmusik gegründet, überlieferte Dokumente der Gründung gibt es nicht. In ihrem langjährigen Bestehen erlebte das Orchester viele Kriege und Krisen – bis zuletzt auch die Coronapandemie.

Im Jahr 1865 wurde die Stadtmusik gar aufgelöst, erst zwölf Jahre später erfolgte die Neugründung. Ebenso stellte die Besetzung der Blaskapelle eine Schwierigkeit dar: Im Zeitraum von 1903 bis mitten ins Kriegsjahr 1915 musste der Dirigentenposten gar zwölfmal gewechselt werden.

Die Stadtmusik bei ihrem Spiel am Rutenzug um etwa 1930.

Die Stadtmusik bei ihrem Spiel am Rutenzug um etwa 1930.

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Mit Fritz Feldmann übernahm dann der musikalische Leiter, der die Stadtmusik Brugg in ihr goldenes Zeitalter führte. Aufnahmen von Auftritten aus dieser Zeit gibt es jedoch keine. Mit einer Neuuniformierung im Jahr 1978 verabschiedete sich die Musikkapelle endgültig vom militärisch anmutenden Erscheinungsbild vergangener Jahre.

Konzertreihe trotz Pandemie

Die zweite grosse Errungenschaft der 70er-Jahre brachte die Aufnahme von Frauen ins Orchester mit sich. In den 90er-Jahren verlor die zuvor dominierende Blasmusik jedoch an Bedeutung – die Mitgliederzahl schrumpfte um mehr als die Hälfte. Dennoch konnte sich die Stadtmusik immer wieder behaupten und darf in diesem Jahr ihren 175. Geburtstag feiern.

Erstes Jubiläumskonzert soll im April stattfinden

Trotz der Pandemie ist für das Jubiläumsjahr eine Konzertreihe geplant, das erste Konzert soll im April stattfinden. «Wir bereiten drei Veranstaltungen im Rahmen der Feierlichkeiten vor. Der erste Auftritt musste bereits zum zweiten Mal verschoben werden. Ende April kann dieser hoffentlich doch noch stattfinden», erzählt Walter Telser, Präsident der Stadtmusik Brugg.

Geplant ist dann das traditionelle Jahreskonzert in der Stadtkirche Brugg. Zu diesem Anlass wird unter anderem ein eigens für das Jubiläum komponierten Marsch des Orchesterdirigenten Martin Bütikofer gespielt. Einen Namen hat der Jubiläumsmarsch noch nicht – dieser soll mit Hilfe der Zuhörer des Jahreskonzertes gefunden werden. Zu diesem Zweck können dann Vorschläge am Aufführungstag selber abgegeben werden.

Um Klarinetten und Flöten ergänzt

Die Stadtmusik Brugg pflegt eine lange Tradition des Bespielens von Marschmusik. Ursprünglich bestand die Musikformation aus einer reinen Blechbläserbesetzung. Auch die Uniformen erinnerten ab dem späten 19. Jahrhundert an eine militärische Blaskapelle. Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde auch das Repertoire verbreitert. Die Musikkapelle wurde um Klarinetten und Flöten ergänzt und spielte fortan ergänzend zur Unterhaltungsmusik auch klassische Werke.

Werke von Händel und Tschaikowski unter freiem Himmel

Im selben Rahmen bewegt sich das Programm für das grosse Jubiläumsjahr. Nach dem Jahreskonzert im April ist für Juni ein grosses Open-Air-Konzert angesetzt. Unter freiem Himmel sollen unter anderem bekannte Werke von Händel und Tschaikowski präsentiert werden – untermalt wird der Anlass mit Pyrotechnik. Ende November ist schliesslich eine gemeinsame Musikaufführung mit dem Orchesterverein Brugg im Campussaal geplant. Diese Aufführung bildet zugleich den Schlusstakt des Jubiläumsjahres.

Vorbereitung wird durch Corona erschwert

Die Proben für die kommende Konzertreihe können derzeit nur in Fünfer-Gruppen stattfinden – und auch nur unter Einhaltung aller Schutzmassnahmen. Nicht nur den verschiedenen Musikanten bereitet die Coronakrise Schwierigkeiten, auch Martin Bütikofer erlebte durch die Pandemie einen schweren Start.

Erst seit Mai letzten Jahres ist er Dirigent und musikalischer Leiter der Stadtmusik Brugg. Immerhin konnte er im September sein Début auf traditionelle Art ohne digitale Kanäle geben: Am Bettag durfte das Orchester drei Konzerte spielen.

«Wir bleiben zuversichtlich»

Mit dem angesetzten Termin für die erste Veranstaltung Ende April ergibt sich nun aber ein grosser Zeitdruck. «Wenn wir ab März nicht in normaler Besetzung proben können, müssten wir das Jahreskonzert absagen», hält Telser fest. «Aber wir bleiben zuversichtlich, dass es nicht so weit kommen wird.» Anlässlich des Jubiläums verfasste zudem der Brugger Historiker und Vizedirigent der Stadtmusik, Felix Müller, einen Beitrag zur Geschichte des 175-jährigen Orchesters für die neuste Ausgabe der Brugger Neujahrsblätter.

Wessen Weg sich bis dato nicht mit demjenigen der Stadtmusik Brugg kreuzte, dem bietet sich dieses Jahr einmal mehr die Gelegenheit, den traditionsreichen Musikverein zu erleben. Denn wie Barbara Horlacher in ihrem Grusswort schreibt: Die Stadtmusik gehört zur Stadt Brugg.