Hausen

Sie nähen für die letzte Ruhe von Hund, Katze und Maus

Marisa Thoma und Markus Bopp (stehend) zeigen Doris Spillmann (l.) und Rebecca Hausherr, wie die neuen Muster zu nähen sind.

Marisa Thoma und Markus Bopp (stehend) zeigen Doris Spillmann (l.) und Rebecca Hausherr, wie die neuen Muster zu nähen sind.

Dass die Husemer Stiftung Domino flexibel ist, beweist sie mit der Anfertigung von Urnensäckli für ein Tierkrematorium erneut.

Emsiges Treiben herrscht gestern Morgen im Gebäude Mikado der Stiftung Domino in Windisch. Nicht nur das Café im Erdgeschoss ist gut besucht, auch im ersten Stock, wo die Abteilung Kunsthandwerk beheimatet ist. Abteilungsleiterin Marisa Thoma und Markus Bopp, Bereichsleiter Arbeiten, begrüssen die AZ, um ein ganz besonderes Projekt vorzustellen.

Weihnachtskarten, Weihnachtsdeko, Adventskränze: Die Vorbereitungen für den bekannten Weihnachtsmarkt der Stiftung Domino Ende November laufen auf Hochtouren. Ganz hinten in den grossflächigen Räumen sitzen zwei Damen an den Nähmaschinen. Es sind Doris Spillmann und Rebecca Hausherr. In ihren Händen halten sie unscheinbare beige Baumwollsäckli.

Was hier entsteht, hat nichts mit Weihnachten zu tun. Seit rund zwei Jahren stellt die Stiftung Domino für einen Kunden, ein Schweizer Tierkrematorium, Säcke her, in denen die Urnen oder Aschebeutel verstorbener Haustiere aufbewahrt werden.

Über 7000 Urnensäckli werden pro Jahr angefertigt

Die Nachfrage ist offenbar gross, bereits im ersten Jahr wurden 7000 Exemplare in 26 Modellen im Kundenauftrag hergestellt. Mittlerweile sind es weit mehr. Schablonen anfertigen, abstecken, nähen: Je nach Arbeitsschritt arbeiten bis zu sechs Personen an den Urnensäckli. Die Stiftung Domino bietet auf der Abteilung Kunsthandwerk 17 geschützte Arbeitsplätze für Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen. Die meisten von ihnen erhalten eine IV-Rente, bekommen aber für ihre Arbeit im Domino einen kleinen Leistungslohn.

Dass das Thema Tod mit der Fertigung der Urnensäckli allgegenwärtig wurde, sei für die Klienten nie ein Problem gewesen, sagt Marisa Thoma. Die gelernte Floristin und ausgebildete Arbeitsagogin ist seit drei Jahren im Domino tätig. «Der Kunde ist sehr wertschätzend und erklärte unseren Klienten von Anfang an alles genau. Zudem holt er die fertiggestellten Säckli jeweils persönlich ab, was den Leuten grosse Freude bereitet.» Für die Klienten sei es zudem schön, zu sehen, dass etwas, was sie hergestellt haben, einen Sinn ergibt. «Das stärkt definitiv ihr Selbstvertrauen.»

«Identifikation ist bei den Produkten wichtig»

Tatsächlich ist es die Maxime des Domino, dass jedes hergestellte Produkt auch verkauft beziehungsweise intern verwendet werden kann, bestätigt Markus Bopp, der als Bereichsleiter für sieben Abteilungen, von Mechanik bis Elektromontage oder eben Kunsthandwerk, zuständig ist. «Die Identifikation ist bei unseren Produkten ein ganz wichtiger Punkt.» So freuen sich die Klienten, wenn sie beispielsweise eines der farbenfroh bemalten Vogelhäuschen in einem Garten erspähen und sich sagen können: «Das habe ich gemacht.» Der Auftrag für die Urnensäckli ist ganzjährig und auf unbestimmte Zeit. Dennoch hat das Domino derzeit noch freie Kapazitäten, um weitere Aufträge von Firmen oder Privaten anzunehmen. «Der Gwunder ist bei all unseren Klienten bei jedem neuen Auftrag gross.»

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