Schenkenbergertal

So soll die Bezirksschule gerettet werden – auch wenn Brugg nicht entgegenkommt

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Die Schülerzahlen der Bezirksschule Schinznach sind tief. Der Vorstand der Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal hat Massnahmen entwickelt, die den Schulstandort sichern sollen.

Die Schülerzahlen an der Bezirksschule Schinznach sind seit Jahren knapp. Mit der Fusion von Brugg und Schinznach-Bad per 1. Januar 2020 verschärft sich die Situation, weil die Kinder aus Schinznach-Bad nach Brugg in die Schule müssen. Nun hat der Vorstand der Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal Massnahmen erarbeitet, die den Bezirksschulstandort in Schinznach sichern sollen.

Hintergrund: Die Bezirksschule in Schinznach-Dorf wurde vor 145 Jahren gegründet. «Es ist eine Schule mit besonders langer Tradition», schreibt Vorstandspräsident Ulrich Salm in einem Text, der in den Mitteilungsblättern der Gemeinden des Schenkenbergertals erscheint. Die Sekundar- und Realschulen kamen später dazu. Erst 2013 gründeten die Talgemeinden die Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal (KSOS), eine Schule mit zwei Standorten: Bezirksschule in Schinznach und Sekundar- und Realschule (Sereal) in Veltheim.

Allerdings erhöhte der Grosse Rat vor einiger Zeit die minimale Klassengrösse. Im Schulgesetz ist eine Übergangsfrist für Ausnahmebewilligungen bis Sommer 2022 enthalten. Die Mindestgrösse für eine Bezirksschulklasse beträgt dabei 18 Schülerinnen und Schüler, für die Sek 15 und für die Real 13. Zusätzlich ist festgehalten, dass die Bezirksschule zwei Klassen pro Jahrgang mit mindestens 36 Schülern pro Jahr bzw. 108 Schülerinnen und Schülern total aufweisen muss – gerechnet pro Schulanlage. Für die Sekundar- und Realschule gilt die Regelung, dass es sechs Klassen total über alle Jahrgänge sein müssen.

Mindestzahl knapp nicht erreicht

Gemäss Salm besuchen heute insgesamt sechs Klassen bzw. 105 Schülerinnen und Schüler die drei Jahrgänge der Bezirksschule. Die Mindestzahl wird also knapp nicht erreicht. Dazu kommt, dass der Jahrgang mit den heutigen Fünft- und Sechstklässlern zahlenmässig etwas schwächer ist.

Nach der Fusion von Brugg und Schinznach-Bad läuft der Unterricht für die Schüler aus Schinznach-Bad bis Ende Juli 2020 so weiter wie bis anhin. Jene, die bereits an der Oberstufe im Schenkenbergertal sind, dürfen dort ihre Schulzeit beenden. Diese Vereinbarung haben der Vorstand der Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal und der Stadtrat Brugg getroffen. Dazu gehört auch, dass Schüler, die im Sommer 2019 in die Oberstufe wechseln, in der Oberstufe Schenkenbergertal schulpflichtig sind. Die Stadt Brugg kommt für die Kosten dafür auf. Die Stadt wird die Kosten aber nicht übernehmen, wenn auch später ein Kind aus Schinznach-Bad die Oberstufe im Schenkenbergertal besuchen möchte. Der Vorstand der KSOS betont in seiner Mitteilung, dass Schüler aus Schinznach-Bad ab Sommer 2020 «weiterhin herzlich an der Kreisschule im Schenkenbergertal willkommen sind». Möchte dies ein Kind, müssen die Eltern bezahlen. In einem solchen Fall würden die Betriebskosten von rund 2900 Franken pro Jahr anfallen. Diese Kosten könnten in Zukunft aber variieren, weshalb die Zahl als Richtwert zu verstehen ist.

Kreisschule löst das Problem nicht

«Die Stadt Brugg hat es leider abgelehnt, die kritische Zahl der Bezirksschüler an unserer Schule mit Schülern aus ihrem (erweiterten) Stadtgebiet zu sichern», schreibt der Vorstand der KSOS in der Mitteilung. Geprüft wurde übrigens auch ein rechtlicher Zusammenschluss mit der Schule Brugg, also eine sogenannte Verbandslösung. Dies hätte der Bezirksschule allerdings nichts gebracht, da sich die kantonalen Mindestzahlen auf die Schulanlage beziehen.

Entsprechend haben der Vorstand und die Kreisschulpflege nun Massnahmen geplant, um die erforderliche Zahl an Schülern an der Bez doch zu erreichen. Einerseits gilt das Angebot für die Eltern, ihr Kind für 2900 Franken pro Schuljahr ab 2020 an die KSOS zu schicken. Andererseits sucht der Vorstand das Gespräch mit der Gemeinde Lupfig, damit die Kinder aus dem Dorfteil Scherz weiterhin die Bez in Schinznach besuchen können. Dabei handelt es sich pro Schuljahr um zwei bis drei Kinder. Weiter soll der prozentuale Anteil an Bezirksschülern mit Fördermassnahmen erhöht werden. «Es gibt keinen Grund für einen unterdurchschnittlichen Anteil im Schenkenbergertal», hält der Vorstand fest. Der Anteil fremdsprachiger Kinder, die wegen sprachlicher Probleme die Bezirksschule nicht schaffen, sei im Schenkenbergertal zum Beispiel geringer als andernorts. Zudem soll der Austausch zwischen Schulen und Lehrpersonen bezüglich Übertritt in die Oberstufe gefördert werden. «Wackelkandidaten sollen vermehrt die Chance erhalten, sich in der Bez zu beweisen. Das heisst aber nicht, dass das Niveau an der Schule sinkt», betont Salm. «Zudem sollen Schüler, die zwar Bez-Potenzial hätten, aber mit der Motivation zu kämpfen haben, stärker gecoacht werden.» Der Vorstand geht von einer längerfristigen Erhöhung der Kinderzahlen im Schenkenbergertal durch Wachstum und familienfreundliche Strukturen aus.  

Die Rettung der Bez im Schenkenbergertal dürfte kein leichtes Unterfangen sein. Das ist auch dem Vorstand klar. «Wir können das nur mit vereinten Anstrengungen meistern», hält er fest.

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