Eierleset

So wird in Effingen alle zwei Jahre der Winter endgültig vertrieben

Die Mitglieder des Turnvereins und der Damenriege bereiten sich auf den Eierleset vor. Dabei ist viel Geschick und Handarbeit gefragt. Am letzten April-Sonntag dann steigt das Fest und es gibt für den Tannästler und Hobelspänler kein Halten mehr.

Vor dem Effinger Gemeindehaus stapeln sich Kisten mit Tannästen und Stechpalmen. Im Magazin hantieren über 20 Mitglieder des Turnvereins und der Damenriege gut gelaunt mit Hobel, Seidenpapier, Grünmaterial sowie Schnur und Nähnadel. Überall stehen Bierdosen in Griffnähe.

Die Vorbereitungen auf den alle zwei Jahre stattfindenden Eierleset laufen auf Hochtouren. In einem symbolträchtigen Kampf werden die Grünen (Frühling) die Dürren (Winter) bezwingen. Die Vorfreude auf das acht Tage nach Ostern stattfindende Brauchtum steht den meisten Beteiligten ins Gesicht geschrieben.

Leicht in Verzug

«Wir sind ein bisschen in Verzug», sagt OK-Präsident Christian Schütz. Weil der Winter so mild war, hätten die vor Tagen gesammelten Tannäste bereits die Nadeln verloren. Das rund 70 Kilo schwere Kostüm des Tannästlers muss deshalb nochmals neu gefertigt werden.

Die jungen Männer binden die Stechpalmen und Tannäste so zusammen, dass sie anschliessend an die Kleider genäht werden können. In der hinteren Ecke werden mit viel Muskelkraft Holzspäne gehobelt. Gleich daneben probiert einer die Uniform des Läufers an und fragt sich, ob die Mütze wohl hält.

Vorbereitungen für den Eierleset in Effingen

Vorbereitungen für den Eierleset in Effingen

Hobeln, nähen oder Papierblumen machen: So bereiten sich die Mitglieder des Turnvereins und der Damenriege auf die Eierleset vor.

Vor der Eierleset gibt es eine Irish Night

Wer, welche Maske trägt, wird übrigens erst beim Eiertätsch am Freitag vor der Eierleset entschieden und bleibt bis Sonntag geheim. Am Samstag, 26. April steigt dann die Irish Night in der Turnhalle Effingen. «Die auserkorenen Kostümträger sorgen natürlich dafür, dass sie für den grossen Auftritt auf der Dorfstrasse fit sind», sagt Schütz und lacht.

Was reizt den OK-Präsidenten an diesem Brauchtum? «Die Vorbereitungen sind cool. Wir gehen zusammen in den Wald», sagt Schütz. Ihre Arbeit wird oft von älteren Dorfbewohnern beobachtet und auch mal mit einer Harasse Bier belohnt.

Kein Halten mehr

Am Eierleset-Sonntag bevölkern unzählige Schaulustige die Dorfstrasse. Wenn die Protagonisten in ihre Kostüme eingenäht werden, steigt das Festfieber. Der Höhepunkt für Christian Schütz ist, wenn sich die Gestalten gegen halb drei Uhr zum Festgelände aufmachen und die Stechpalmen und Schneckenhäuschen so richtig rascheln: «Dann beginnt in mir jeweils alles zu brodeln und es gibt kein Halten mehr.»

Mehr Infos zum Brauchtum: www.eierleset.ch.vu

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