Brugg

Stadtmusikveteran: «Ich ging schon 1956 mit nach Rottweil»

Ein vitaler Hermann Alter blickt vor der Stadtkirche auf die vergangenen 65 Jahre zurück.

Ein vitaler Hermann Alter blickt vor der Stadtkirche auf die vergangenen 65 Jahre zurück.

Hermann Alter wurde kürzlich für seine jahrzehntelange Mitgliedschaft bei der Stadtmusik Brugg geehrt. Im Gespräch mit der AZ blickt er zurück und freut sich auf das bevorstehende Adventskonzert.

Dieses Wochenende wird zum ersten Mal ein Gesicht unter den Zuhörern zu sehen sein, das bisher auf der Bühne anzutreffen war. Am Adventskonzert der Stadtmusik Brugg zusammen mit der Musikgesellschaft Riniken – zu Gast ist auch die Musikkapelle aus Rottweil – sitzt Hermann Alter nicht mehr mit seinem Eufonium hinter einem Notenständer.

Als langjähriges Mitglied verliess er nach 65 Jahren Vereinsleben die Stadtmusik nach dem Stadtfest im August. Man sieht dem 80-Jährigen seine lange Zeit bei der Stadtmusik Brugg nicht gleich an, der Rentner aus Unterentfelden wirkt jung und gelassen, er erinnert sich gerne an sein ereignisreiches Musikerleben zurück.

Die Sitten haben sich zum Positiven verändert

Aufgewachsen in Brugg war der ehemalige Stadtmusiker schon früh mit der hiesigen Blasmusik verbandelt. 1954 trat er als Trompeter bei, von seinem Instrumentallehrer, dem damaligen Vizepräsidenten der Stadtmusik, dazu motiviert. «Früher war es normal, nach der Mittelschule in die Stadtmusik zu gehen», sagt er.

Viele seiner Gspändli tätigten diesen Schritt. Schon 1956 reiste er noch als Jugendlicher ins deutsche Rottweil. Die süddeutsche Stadt ist seit 1913 die Partnerstadt von Brugg, was sich auch in der Vereinsfreundschaft zwischen der Stadtmusik Brugg und der Musikkapelle Rottweil widerspiegelt. Die Rottweiler spielen am Samstag die erste Hälfte des Konzerts in der Stadtkirche Brugg.

Es gab neben den Reisen nach Rottweil auch Touren unter anderem durch die Schweiz. So durfte der Brugger 1956 am 100-Jahr-Jubiläum des eidgenössischen Musikvereins spielen und viermal an eidgenössischen Musikfesten teilnehmen.

Die Sitten haben sich dafür zum Positiven verändert, lässt der Stadtmusikveteran wissen. Früher mussten teilweise noch fünf Jahre ältere Vereinsmitglieder gesiezt werden, auch wenn man sich über die Zeit gut kennen gelernt hatte.

Heute sei das ganz anders. Auch Frauen durften früher der Stadtmusik nicht beitreten. Fredy Hunziker, ebenfalls langjähriges Mitglied der Stadtmusik, sagte auf Nachfrage, die ersten Frauen stiessen ungefähr in den frühen 70er-Jahren dazu.

Erst 1997 – nachdem er bereits von den Trompetern zu den Kornettisten gewechselt ist – findet Hermann Alter mit dem Eufonium ein Instrument, das ihn für die kommenden 22 Jahre begleiten würde. In den letzten Jahren haben die Altersbeschwerden zugenommen, weshalb er dieses Jahr sein Musikerdasein an den Nagel hängte.

In vergangenen Zeiten strotzte die Stadtmusik mit bis zu 80 Mitgliedern. Nostalgisch blickt Hermann Alter zurück. Es sei kein Vergleich zur jüngeren Zeit, wo die Stadtmusiker mit Personalmangel zu kämpfen haben und immer wieder mit anderen Musikgesellschaften zusammen spielen, um genügend Musiker auf die Bühne zu bringen.

An diesem Wochenende wird die Musikgesellschaft Riniken diese Rolle vorerst ein letztes Mal übernehmen, nachdem Brugg und Riniken 2018 eine musikalische Partnerschaft eingingen.

Die Zukunft der Stadtmusik ist noch unsicher

Für die Stadtmusik Brugg steht die Zukunft noch offen. Momentan wird die Dirigentenstelle, nach dem Rücktritt von Roman Brogli, von Ehrendirigent Peter Danzeisen besetzt. Ab Februar 2020 sollte ein neuer Dirigent übernehmen. Wer der neue sein könnte, hat die Stadtmusik noch nicht kommuniziert.

Was die schwindende Mitgliederzahl bei der Stadtmusik anbelangt, erklärt sich Hermann Alter mit dem immer grösser werdenden Freizeitangebot für die heutige Jugend. Als er selbst noch jung war, gab es schlicht und einfach nur eine Handvoll Vereine, wo sich die Heranwachsenden austoben konnten.

Jubiläum zwischen Rottweilern und den Eidgenossen

In Zukunft dürfte Hermann Alter den Stadtmusikern weiterhin erhalten bleiben, nicht mehr als fleissiger Euphonist, dafür aber als aufmerksamer Zuhörer, auch weil seine Schwester nach wie vor in der Musik mitwirkt. Wer die Brugger und Riniker Musikvereine und ihre Gäste aus Rottweil live miterleben will, wird am Samstag, 7. Dezember, in der Stadtkirche willkommen geheissen.

Der Anlass ist das 500-Jahr-Jubiläum des ewigen Bundes zwischen den Rottweilern und der Eidgenossenschaft. Sollte dieses Konzert versäumt werden, gibt es als Alternative noch den Termin am Sonntagabend, 8. Dezember, in Riniken, da aber ohne Rottweiler-Beteiligung.

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