Villigen

Sturmtief «Sabine»: Grosse Schäden und immenser Aufwand für die Förster in Aargauer Wäldern

Ein riesiger Aufwand für Förster Oliver Frey angesichts der Sturmschäden.

Ein riesiger Aufwand für Förster Oliver Frey angesichts der Sturmschäden.

Das Sturmtief «Sabine» verursachte grosse Schäden und hinterlässt ein grosses Loch in der Kasse der Waldeigentümer.

«Ich habe selten erlebt, dass so viel dürres Holz auf den Strassen liegt», stellt Oliver Frey fest, Förster und Präsident des Aargauischen Försterverbandes. «Für mich ist das ein klares Anzeichen für die Folgeschäden durch die extreme Trockenheit der letzten Jahre, unter der die Bäume gelitten haben. Das zeigt, dass es dem Wald gar nicht gut geht.»

Noch lassen sich die Schäden, welche das Sturmtief «Sabine» und seine Ausläufer auch am Aargauer Wald hinterlassen haben, nicht genau beziffern. «Die Mengen am Sturmholz dürfte zwar nicht so gross sein wie beim Sturmtief 'Burglind'», schätzt Oliver Frey. «Oft handelt es sich auch um Schäden an den neuen Waldrändern, die durch 'Burglind' entstanden waren.»

Die Einschätzung von Oliver Frey wird durch eine Umfrage des Kantons bei den Revierförsterinnen und Revierförstern zur Schadenssituation bestätigt. Die Stürme «Petra» und «Sabine» haben eine Schadholzmenge von rund 40'000 Kubikmeter verursacht. Dabei handelt es sich zum überwiegenden Teil um Streuschäden, es sind aber auch rund 22 Hektar flächige Schäden entstanden. Mit knapp 15'000 Kubikmeter Schadholz ist der Forstkreis Lenzburg-Freiamt am stärksten betroffen.

Enormer Aufwand für Förster

«Sabine» hat die Forstwirtschaft sozusagen auf dem falschen Fuss erwischt. Neben dem enormen Aufwand für die Räumung von Strassen, welche das Forstpersonal  stark belasten, ist es die Situation auf dem Holzmarkt, die der Forstwirtschaft zu schaffen macht.

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«Durch die Riesenschäden, welche der Borkenkäfer nach den extrem trockenen letzten Jahren verursacht hat, ist der Holzmarkt völlig zusammengebrochen», so Oliver Frey. «Die Preise für Käferholz sind extrem tief. Zum Teil weiss man gar nicht mehr, was man mit diesem Holz machen soll.»

Boom am Schweizer Holz vorbei

Eine Möglichkeit zur Verbesserung des Holzabsatzes sieht der Präsident des Försterverbandes zwar in der Förderung von Energieholz, wie es vor allem in Wärmeverbundanlagen als Co2-neutraler Energieträger verwendet wird. Auch braucht die Schweizer Holzbranche mehr Holz.

«Dieser Boom geht aber an der Schweizer Waldwirtschaft vorbei», so Oliver Frey. «Auch im nahen Ausland kämpft die Waldwirtschaft als Folge des Borkenkäferbefalles mit Absatzproblemen, was sich – zusammen mit dem tiefen Euro-Kurs – in der Form von Holzimporten bemerkbar macht.»

Vreni Friker, Präsidentin «WaldAargau» und Grossrätin, sieht vor allem die Gemeinden und den Kanton in der Verantwortung. So etwa darin, bei öffentlichen Bauvorhaben die Verwendung von eigenem oder einheimischem Holz zu fordern. Aber auch in der Bereitschaft, die gemeinwirtschaftlichen Leistungen des Waldes, beispielsweise über Leistungsvereinbarungen, abzugelten.

Sie erinnert dabei an die klaren Aussagen, welche die Regierung seinerzeit zur Initiative «Ja! Für Euse Wald» gemacht hat. Vreni Friker: «Die Regierung hat damals erklärt, dass diese Leistungen abgegolten werden müssten.»

Mehrere Vorstösse im Grossen Rat

Mit der Situation  des Aargauer Waldes, die sich durch die Stürme «Petra» und «Sabine» noch akzentuiert hat, beschäftigen sich auch zwei Vorstösse im Grossen Rat. So fordert Vreni Friker (svp) Massnahmen zur Bekämpfung des Borkenkäfers, zu klimafitten Baumarten und Entwicklungsprojekte zugunsten der Holzverwendung. Langfristige Ziele visiert der Vorstoss von Martin Brügger (SP) an.

Er fordert kantonale Mittel für die Wiederbewaldung der durch die Trockenheit und ihre Folgen beeinträchtigten Waldflächen. Das auch im Hinblick auf den Klimawandel und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Waldgesellschaften.

Fabian Dietiker, Leiter Abteilung Wald, hält fest: «Erste Sofortmassnahmen, um den Borkenkäfer einzudämmen, wurden bereits unmittelbar nach 'Burglind'  eingeleitet.» So gibt es seit 2018 Beiträge an das Hacken, Entrinden sowie Zwischenlagern der befallenen Fichtenstämme mit mehr als 500 Meter Abstand zu intakten Fichtenwäldern.

Auch die Wiederbewaldung der entstandenen Kahlflächen kann zu einem kleinen Teil im Rahmen der Jungwaldpflegevereinbarungen unterstützt werden. Die Regierung ist bereit, die beiden Vorstösse Friker und Brügger mit Erklärung entgegenzunehmen.

Insbesondere erachtet der Regierungsrat die Finanzierung folgender Massnahmen als zweckmässig: Wiederbewaldung der durch Trockenheit und Borkenkäfer entstandenen Schadenflächen, Sicherheitsholzerei entlang von Kantonsstrassen und kantonalen Infrastrukturbauten, Förderung der Holzvermarktung und Holzverwendung, Bereitstellung von Entscheidungsgrundlagen, Weiterbildung und Beratung. Der Grosse Rat wird am 3. März über die Überweisung der beiden Postulate entscheiden.

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