Windisch/Hausen

Südwestumfahrung: Die Schrebergärtner sind frustriert

Präsident Emil Inauen (l.) und Garten-Chef Fritz Lehner von der Wohnbaugenossenschaft Brugg-Windisch wünschen sich einen direkten Fussweg zum Schrebergarten am Waldrand in Hausen.

Baustelle Südwestumfahrung

Präsident Emil Inauen (l.) und Garten-Chef Fritz Lehner von der Wohnbaugenossenschaft Brugg-Windisch wünschen sich einen direkten Fussweg zum Schrebergarten am Waldrand in Hausen.

Lange Umwege über Hausen für die nächsten elf Monate ärgern Fussgänger und Velofahrer aus Windisch.

«Die Informationspolitik des Kantons im Zusammenhang mit dem Bau der Südwestumfahrung ist eine Katastrophe», sagt Emil Inauen am Telefon. Seit über zehn Jahren ist er Präsident der Wohnbaugenossenschaft Brugg-Windisch. Jetzt musste er miterleben, wie seine vorwiegend älteren Mieter von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu Fuss zu ihren nahegelegenen Schrebergärten am Waldrand in Hausen gelangen konnten. Er ärgert sich, dass den Fussgängern und Velofahrern während der elf Monate dauernden Bauarbeiten im Bereich der neuen Strassenbrücke B-295 respektive beim Anschluss Zubringer Hausen (neben dem Baschnagel-Kreisel) keine sinnvolle Alternative angeboten wird.

Was Inauen nicht wusste, ist, dass der Kanton wenige Tage zuvor per Medienmitteilung bekannt gegeben hatte, dass der Velo- und Fussverkehr mangels sicherer Verkehrsfläche durch Hausen über die Holzgasse umgeleitet wird. Mit anderen Worten: Für Windischer ist der Umweg über zwei Kilometerlang.

Der Garten-Chef sieht zwei Alternativen

Beim Augenschein vor Ort bringt Präsident Inauen den Garten-Chef Fritz Lehner mit. Dieser erzählt, dass der älteste der knapp 20 Gärtner aus Windisch 85 Jahre alt sei. Ihm sowie anderen Mietern, die kein Auto hätten und nicht mit dem Velo unterwegs seien, könne der lange Umweg über die Holzgasse nicht zugemutet werden. «Wir wurden überhaupt nicht informiert», sagt Lehner. Er vermutet, dass der Kanton bei der Anpassung des Verkehrsregimes primär an den Auto- und Lastwagenverkehr denkt.«Offenbar braucht es auch hier zuerst Reklamationen, um die Situation zu verbessern – wie das bei der Habsburgbrücke der Fall war, wo nachträglich eine Notbrücke erstellt wurde», so Lehner.

Der Garten-Chef sieht gleich zwei Lösungsansätze. Beim Baschnagel-Kreisel verweist er auf den abgesperrten Steg der SBB, der parallel zur Strasse über die Gleise führt. Auf der anderen Seite könnte ein abgetrennter Fussweg zum Waldrand und von dort zum Schrebergarten führen. Die zweite Option wäre eine kleine Umleitung über die fussgängertaugliche Habsburgbrücke und den Gleisen und dem Waldrand entlang zu den Gartenparzellen.

Darauf angesprochen sagt Simone Britschgi vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt(BVU):«Die Unterhaltsbrücke von den SBB wurde in einer ersten Umleitungsplanung miteinbezogen. Es wurde dann aber schnell klar, dass die Sicherheit für den Fuss-und Veloverkehr im Bereich der Industriezufahrt durch die notwendige Verkehrsverschwenkung nicht gewährleistetist.» Seitens Kanton würden bei Umleitungen stets alle Verkehrsteilnehmenden berücksichtigt.Im Vordergrund stünde aber die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmenden – der Fussgänger und der Velofahrer.

Umleitung um zwei Monate verschoben

Zur zweiten Option sagt Britschgi: «Zurzeit wird der gesamte Baustellenverkehr wie auch der Industrieverkehr über den Reitweg in Einbahnregime geführt, in Richtung Hausen– Rütene.»Von der Habsburgbrücke Richtung Hausen sei «Verbotene Fahrtrichtung und Fussgängerverbot» signalisiert. Diese Signalisation sei notwendig, da die engen Platzverhältnisse ein Queren von Fahrzeugen mit Fuss- und Veloverkehr nicht zuliessen und die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet werden könne.

Die BVU-Sprecherin betont, dass der Baustart für die neue Strassenbrücke B-295 erst im Januar 2020 vorgesehen war.«Da in den Wintermonaten weniger Velo- und Fussverkehr unterwegs ist, hat man mit der Bauunternehmung kurzfristig alles darangesetzt, dass die Arbeiten bereits Ende November starten können», so Britschgi. Dies habe zur Folge gehabt, dass die Kommunikation kurzfristig erfolgen musste. «Die Schrebergarten-Besitzer wurden zusätzlich über einen Anschlag im Bereich der Gärten informiert.»

Der Baustellenverkehr wird ab April neu organisiert

Doch wie sollen die zu Fuss gehenden Gärtner im Frühling, wenn wieder viel Arbeit ansteht, zu ihrem Schrebergarten gelangen? «Klar über eine sichere Fusswegverbindung», hält
Britschgi fest. Dank dem vorzeitigen Baustartder B-295 würden die Wintermonate nun möglichst effizient genutzt. Deshalb sei auch bereits eine neue mögliche Fusswegverbindung in Planung.«So ist angedacht,dass ab April 2020 der Fuss- und Veloverkehr über Habsburgbrücke–Reitweg entlang dem Waldrand Richtung Hausen geführt werden könnte», fährt Britschgi fort.Diese Option sollte möglich werden,da der Anschluss Industrie umgelegt und der Baustellenverkehr umorganisiert wird.

Beim Baustellenbesuch wird schnell klar, dass es hier täglich zu prekären Verkehrssituationen kommt. Denn für die neue Strassenbrücke muss eine rund acht Meter tiefe Baugrube erstellt werden. Im Bereich der bestehenden Strassenbrücke ist deshalb eine zweispurige Verkehrsführung nicht möglich.

Der Verkehr von Windisch/Hausen in Richtung Seebli wird daher über eine provisorische Fahrbahn geführt. Trotzdem sind Fussgängerin der Verbotszone unterwegs und Velofahrer radeln gegen den Einbahnverkehr, weil die Verkehrssituation offenbar nicht klar ist. Britschgi sagt:«Sollten Unklarheiten festgestellt werden, sind wir froh um eine Rückmeldung, damit wir die Signalisation korrigieren oder verbessern können.»

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