Brugg
Täglich musiziert sie bis zu vier Stunden – Lina Humbel spielt den Kontrabass

Die 19-Jährige spielt den Kontrabass im Siggenthaler Jugendorchester. Ihre Leidenschaft für die Musik, ihr Instrument und fürs Orchester zeigt sie ab Ende Oktober in deren Herbstkonzerten.

Ina Wiedenmann
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Seit 2013 ist Lina Humbel Kontrabassistin im Siggenthaler Jugendorchester.

Seit 2013 ist Lina Humbel Kontrabassistin im Siggenthaler Jugendorchester.

Sandra Ardizzone

Sie trägt den grossen Kontrabass so locker und ohne das Gesicht zu verziehen die Treppen hoch, als würde er kaum etwas wiegen. Dabei bringt er mit seinen Rundungen über zwölf Kilogramm auf die Waage.

Lina Humbel (19) aus Brugg ist vor elf Jahren in der Musikschule das erste Mal dem Kontrabass begegnet. Seine tiefen Töne faszinierten sie. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt die zierliche Musikerin und strahlt. «Ich musste aber noch etwas Geduld haben, bis ich gross genug war für das Instrument. Ich habe dann mit einem kompakten Achtel angefangen, der ist kleiner», erklärt Humbel. Jetzt ist sie ausgewachsen und besitzt seit einem Jahr ihr eigenes Instrument. Täglich übt sie damit drei bis vier Stunden und absolviert in Basel ein Vorstudium für Kontrabass. Hannes Giger war viele Jahre ihr Lehrer, nun hat sie zu Roman Patkoló nach Basel gewechselt.

Orchester tourt mit Herbstprogramm

Das Siggenthaler Jugendorchester (SJO) präsentiert an seinen Herbstkonzerten das Violinkonzert D-Dur Op. 35 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893) sowie die Sinfonie Nr. 4 B-Dur Op. 60 von Ludwig van Beethoven (1770– 1827). Die Leitung hat Marc Urech inne, als Solistin an der Violine tritt Elea Nick auf. Gestartet wird mit der Konzerttour am Samstag, 27. Oktober um 19.30 Uhr in der Stadtkirche Brugg (Einlass 18.30 Uhr). Tickets ab 15 Franken gibt es bei Info Baden.

Weitere Konzertdaten: 28. Oktober um 17.30 Uhr in der ref. Kirche Untersiggenthal, 18. November um 17.30 Uhr in der kath. Kirche Lengnau und am 9. Dezember um 17.30 Uhr in der Trafo-Halle Baden. (jam)

Lob für den Dirigenten

Sie freut sich immer auf die wöchentlichen Proben mit dem Siggenthaler Jugendorchester (SJO) in der Musikwerkstatt in Brugg. Seit 2013 ist sie Teil dieses Orchesters. Unter der Leitung von Marc Urech spielen 50 Musikerinnen und Musiker zwischen 11 und 25 Jahren sehr anspruchsvolle Werke. «Bei jeder Probe spürt man seine Motivation, aus allen Musikerinnen und Musikern das Maximum herauszuholen. Ohne ihn würde das Orchester das nicht schaffen», sagt Humbel über den Dirigenten. Sie ist beeindruckt, wie er mit dem Orchester arbeitet und bei Proben die Dinge so formuliert, dass es jeder versteht und umsetzen kann.

Seit August bereitet sich das Orchester nun auf die vier Herbstkonzerte vor. Jedes Mitglied übt dafür die Stücke zunächst für sich zu Hause. «Es ist aber dann ein schöner Moment, wenn man ein Werk das erste Mal zusammen im Orchester spielt. Und das Konzert selber ist natürlich auch etwas Besonderes», verrät Lina Humbel.

In einer Lagerwoche während der Herbstferien bereitete sich das Siggenthaler Jugendorchester zusätzlich auf die neue Konzerttour vor. Ein Highlight sei gewesen, als die Solistin Elea Nick dazu kam. Sie habe das Orchester mit ihrer Violine so richtig verzaubert, schwärmt Humbel. Kein Wunder, dass die ebenso 19-jährige Nick bereits weltweit aufgetreten ist. «Die Woche im Lager war eine intensive Zeit. Das Orchester ist dabei sehr zusammengewachsen – spielerisch und sozial» sagt die Kontrabassistin.

Als Solistin gefordert

In den ersten Jahren im Orchester war die Anspannung vor einem Konzert sehr gross. Inzwischen ist bei Lina Humbel eine gesunde Nervosität daraus geworden. Während sie den Bogen über die vier Saiten ihres Kontrabasses streicht und ihm weiche, tiefe Töne entlockt, ist sie immer voll konzentriert: auf die Noten, den Dirigenten und das Instrument.

Es gibt dabei Momente, die sie als Musikerin sehr geniesst. Als sie im Frühling als Solistin das Kontrabasskonzert in A-Dur von Domenico Dragonetti spielte, war sie besonders gefordert. Dies sei eine wertvolle Erfahrung gewesen. Nun stehen Tschaikowski und Beethoven auf dem Programm des Siggenthaler Jugendorchesters. Bei Tschaikowski mag vielen Nussknacker oder Schwanensee einfallen, doch das Violinkonzert in D-Dur des russischen Komponisten ist aussergewöhnlich, geradezu heroisch. «Ich mag dieses Werk mit seinen eigenständigen Melodien sehr», meint Humbel.

Über die eher unbekannte vierte Sinfonie von Ludwig van Beethoven verrät sie, dass sie den vierten Satz dieses Werks besonders mag, weil er sehr kraftvoll und schnell ist. Sie betont: «Das Publikum kann sich darauf freuen, was nach einer langen Schaffensphase im Orchester entstanden ist und wie die Solistin Elena Nick Tschaikowski interpretiert.»