Habsburg
Traditionelles Habsburgschiessen steht vor dem Aus

Weil der Kugelfang in Habsburg saniert werden muss, findet der Traditionsanlass im Jahr 2019 zum letzten Mal statt.

Michael Hunziker
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Hunderte Schützen finden sich jeweils am ersten Mai-Sonntag zum Habsburgschiessen auf der Freifeld-Schiessanlage Boll ein.

Hunderte Schützen finden sich jeweils am ersten Mai-Sonntag zum Habsburgschiessen auf der Freifeld-Schiessanlage Boll ein.

Immer am ersten Sonntag im Mai schlagen die Herzen der Schützen höher. Ob bei Sonnenschein oder Wind und Wetter: Mehrere hundert Gleichgesinnte sowie viel Prominenz treffen sich auf der Freifeld-Schiessanlage Boll in Habsburg. Am traditionellen Habsburgschiessen treten sie an zum friedlichen Wettstreit über 300 und 50 Meter – im einzigen Feldstand ohne schützendem Dach über dem Kopf und Jahr für Jahr seit 1907 wohlverstanden.

Nach dem letzten Schuss begeben sich die Schützen jeweils auf die Burg zur obligaten Suppe mit Spatz und Cremeschnitte. Wetterkapriolen und Fehlschüsse, hält der Habburgschützenverband fest, sind beim gemütlichen Beisammensein schnell vergessen. Das Habsburgschiessen sei ein einmaliges Erlebnis, Faszination und Tradition zugleich.

Der Anlass steht aber vor dem Aus, wird 2019 zum letzten Mal durchgeführt. Der Grund: Heute dient auf der Freifeld-Schiessanlage Boll ein Erdwall als natürlicher Kugelfang. Und dieser muss bis 2020 saniert werden – zumindest, wenn die Gemeinde für die Sanierung des belasteten Bodens die Beiträge von Bund und Kanton erhalten will.

Auf diese in Aussicht gestellten Gelder könne nicht verzichtet werden, sagt Hansedi Suter, Gemeindeammann in Habsburg. Deshalb führe – trotz Bedauern – kein Weg an der Stilllegung vorbei. «Sonst ist dieser Zug für uns abgefahren.» Suter ist sich bewusst: Der Wegfall des Traditionsanlasses ist ein Verlust für die Gemeinde. Denn das Habsburgschiessen habe doch eine grosse Bedeutung für das kleine Habsburg, sei mit seiner Ausstrahlung weit über die Region hinaus ein schöner Werbeträger.

Ein wertvoller Becher für die Besten

Zurück geht die Gründung des Habsburgschützenverbands 1907 auf die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Schützengesellschaft Aarau und der damaligen Freischützengesellschaft Brugg. Neun Stammsektionen sind es, die jedes Jahr am ersten Mai-Sonntag bei jedem Wetter im noch einzigen Feldstand auf der Habsburg zum traditionellen Habsburgschiessen zusammenkommen. Den besten Schützen der Sektionen sowie den Meisterschützen der Disziplinen 300 und 50 Meter wird ein wertvoller Becher abgegeben. Die Bechergewinner werden minuziös in einem Buch aufgelistet. Die Gemeinde Habsburg sowie die ortsansässige Schützengesellschaft stellen die Zeigermannschaften, richten die legendäre Boll-Beiz ein und stellen die Feldstände zur Verfügung. (az)

Allerdings, räumt der Gemeindeammann ebenfalls ein, habe das Interesse am Schiesswesen wie überall tendenziell abgenommen. Die wenigen aktiven Schützen, die noch im Dorf wohnhaft seien, hätten sich den Vereinen der umliegenden Gemeinden angeschlossen. «Diese Zusammenarbeit klappt gut.» Anders gesagt: Die Freifeld-Schiessanlage Boll wird heute nur noch für das Habsburgschiessen genutzt. Um den Traditionsanlass am Leben zu erhalten, müsste ein künstlicher Kugelfang installiert werden. «Dafür wären die Kosten unverhältnismässig hoch und für die Gemeinde nicht zu vertreten», stellt Suter fest. Der Entscheid, die Schiessanlage stillzulegen, sei also absehbar gewesen.

Tatsächlich nicht überraschend kommt die Ankündigung für den Habsburgschützenverband. «Wir geniessen Gastrecht auf der Habsburg und pflegen ein sehr gutes Einvernehmen mit der Gemeinde und der ortsansässigen Schützengesellschaft. Ohne diesen engen Kontakt wäre eine Durchführung gar nicht möglich», sagt Jost Voser, Präsident der Habsburgschützen-Kommission. «Da der Schiessstand nicht mehr für die obligatorische Übung benutzt wird, war es für uns klar, dass dieser Entscheid früher oder später fallen wird.»

Wie es mit dem Habsburgschiessen oder dem Habsburgschützenverband weitergeht, steht laut Voser noch nicht endgültig fest. «Wie der Name sagt, lebt das Schiessen von der Habsburg mit seiner geschichtsträchtigen Atmosphäre. Das macht den besonderen Reiz dieses Traditionsanlasses aus. Daher besteht die Möglichkeit, dass sich der Verband nach dem Schiessen 2019 auflöst.» Natürlich aber wäre dieser Schritt sehr schade, fügt der Präsident an, da der Anlass alljährlich die verschiedenen Regionen des Kantons zu einem freundschaftlichen Treffen zusammenbringe.

Die Vorbereitungsarbeiten für die Sanierung des Kugelfangs werden laut Gemeindeammann Hansedi Suter in Kürze eingeleitet. 2017, ist vorgesehen, finden die Abklärungen statt. 2018 soll der Gemeindeversammlung der Kredit zur Beschlussfassung unterbreitet werden, damit die Arbeiten zügig nach dem letzten Habsburgschiessen 2019 beginnen können. Suter ist überzeugt: «Das bringen wir termingemäss hin.» Mit Problemen bei der Planung und Ausführung rechnet er jedenfalls nicht. Die Sanierung dürfte nach nur wenigen Wochen abgeschlossen sein.

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