Brugg
Über 100 Neugierige feierten in Brugg das 200. «Mittagskonzert am Gleis 1»

Seit 1995 steuern regionale und überregionale Kulturinteressierte den Stahlrain 2 in Brugg an – und damit eine Kulturinstitution, die es dank der Metron gibt – die «Mittagskonzerte am Gleis 1».

Elisabeth Feller
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«Mittagsmusik am Gleis1»: Das 200. Konzert mit Goran Kovacevic, Akkordeon und Monica Tarcsay, Violine, begeistert das Publikum.

«Mittagsmusik am Gleis1»: Das 200. Konzert mit Goran Kovacevic, Akkordeon und Monica Tarcsay, Violine, begeistert das Publikum.

Alex Spichale

Stahlrain 2: Diese Adresse hat mit jenem geschwungenen Gebäude zu tun, das den sanften Kurvenverlauf der Gleise am Bahnhof Brugg aufgreift. Die Firma Metron und Gleis 1 sind für regionale und überregionale Kulturinteressierte ein Zwillingspaar. Denn im Südflügel, dem Spitz des Hauses, gibt es im Keller einen Raum, den Kulturschaffende und Publikum gleichermassen gerne ansteuern. Dort finden seit 1995 jeden letzten Donnerstag im Monat, elfmal pro Jahr, die «Mittagskonzerte am Gleis 1» statt: Anlässe, die ebenso Klassik wie Folk, Avantgarde, neue Volksmusik, Jazz und Kleinkunst präsentieren – im Untergrund. Am Donnerstag war das ausnahmsweise nicht der Fall. Die 200. Ausgabe der Mittagskonzerte fand nämlich im Innenhof der Firma Metron statt.

Über 100 Neugierige – weit mehr als die durchschnittlichen 60 – waren einerseits gekommen, um bei Prachtwetter den Tango-Klängen von Goran Kovacevic (Akkordeon) und Monica Tarcsay (Violine) zu lauschen; andererseits, um die beiden langjährigen Programmgestalter Andreas Rösli und Tom Hegi zu verabschieden. Beide sind nicht mehr für die Firma Metron tätig, weshalb die «Mittagskonzerte am Gleis 1» ab der 201. Ausgabe am 28. August in die Hände eines Dreierteams mit Maren Peter, Lukas Fischer und Simon Vogt übergehen.

Persönliche Motivation spielt mit

Weshalb das Engagement des Trios für die Kult gewordenen, 45-minütigen Veranstaltungen zu ungewohnter Zeit? «Ganz einfach», sagt Maren Peter, «wir drei machen mit, weil sich unser Arbeitgeber, die Firma Metron, so sehr für Kultur einsetzt. Natürlich spielt auch die persönliche Motivation eine Rolle. Lukas Fischer macht in einer Band mit, Simon Vogt singt und ich selbst spiele seit Jahren Laientheater.»

Wird sich in Zukunft etwas ändern? Und wenn ja, was? Maren Peter sagt, «dass wir in diesem Jahr erst einmal schnuppern wollen; wir brauchen eine gewisse Einarbeitungszeit. Aber wir haben schon vor, den Mittagskonzerten eine eigene Note zu geben.» Ob es sich dann immer noch um «ein fettarmes, musikalisches Zmittag» handeln wird?

Davon hatte einer der beiden vorgängigen Programmgestalter, Andreas Rösli, gesprochen. Mit fettarm meinte er keineswegs leichtgewichtig. Wer die «Mittagskonzerte am Gleis 1» Revue passieren lässt, merkt: Bereits das erste Konzert vom 30. November 1995 bot Schwergewichtiges. Die Aarauer Pianistin Emmy Henz-Diémand spielte Kompositionen von John Cage, Claude Debussy und George Crumb. Alles andere als Mainstream. «Das, was hier gespielt wird, muss ehrlich und interessant sein», betonte Röslis Kollege Tom Hegi einmal. Und daran werden sich bestimmt auch Maren Peter, Lukas Fischer und Simon Vogt halten. Selbst wenn sie die Akzente anders setzen werden.