Pizza-Tour
Velofahrer leben leichter

Es gibt Tage, da ist man dankbar dafür, mit dem Velo unterwegs sein zu dürfen. Es gibt Ansichten, Aussichten, Gerüche und Impressionen am Wegesrand, die dem motorisierten Reisenden verborgen bleiben. Heute war so ein Tag.

Martin Gysi
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T24-Via dei Olivi

T24-Via dei Olivi

Martin Gysi

Dienstag, 8. Mai. Was ich hier schreibe, ist nicht als verkehrspolitisches Pamphlet gemeint, denn ich bin ja selbst Auto- und Rollerfahrer, wenn ich nicht gerade mit dem Velo unterwegs bin. Aber mindestens so wahr wie der Slogan «Langläufer leben länger» gilt manchmal die Losung «Velofahrer leben leichter».

Das Veloprivileg beginnt schon am Morgen bei der Wegfahrt in Perugia: Quer durch die verkehrsberuhigte Altstadt und nochmals vorbei an der «Fontana Maggiore» und allen anderen Sehenswürdigkeiten, das bleibt den Motorisierten verwehrt.

Mit dem Velo fast in die Basilika

Und zwei kurzweilige Stunden später: Während die Motorisierten vom Parkplatz zu Fuss zur berühmten Basilica di San Francesco, der mächtigen dreistöckigen Grabeskirche des Heiligen Franz von Assisi, hochkeuchen, fahren wir direkt vor das Eingangstor zum Klosterbereich und überlassen die Velos dem wachenden Auge des Pförtners. Kostenlos, wohlverstanden. So können wir ohne Sorgen um unsere Habseligkeiten die prachtvollen Fresken von Giotto di Bondone auf uns wirken lassen.

Basilica San Francesco Hinter dem Torbogen - links unten im Bild - werden unsere Velos samt Gepäck sicher verwahrt

Basilica San Francesco Hinter dem Torbogen - links unten im Bild - werden unsere Velos samt Gepäck sicher verwahrt

Martin Gysi

Die Via dei Olivi: Nichts für Motorisierte

Doch der Höhepunkt des Veloprivilegs folgt erst noch: Die ganze Strecke von Assisi bis zum pittoresken Hügelstädtchen Spello folgt der Via dei Olivi, einem verkehrsfreien Traumsträsschen hoch über dem breiten Tal. Silbergrün schimmernde Olivenhaine, knallrote Mohnblumenborte, malerische Dörfchen - es ist nicht ganz einfach, diese landschaftlich einmalige Strecke zu beschreiben, ohne in einen kitschigen Reiseprospektjargon zu verfallen.

Wie findet man solche Traumstrecken? Nur mit Kartenstudium kommt man kaum darauf. Diese, wie schon die früher erwähnte, ähnlich traumhafte Strecke von Reggello nach Arezzo, stammen aus dem Radreise-Wicki, Tour «Florenz-Rom», des schon mal erwähnten Rad-Forums. Danke Dietmar, mit diesen Strecken hast Du zwei Volltreffer gelandet.

Die Weiterfahrt über das malerische Bevagna nach Trevi gäbe durchaus Anlass zu weiteren Schwärmereien. Ich lasse es für heute gut sein und erwähne nur noch das letzte Veloprivileg. Fernab der motorisiert befahrenen Verkehrswege landen wir gegen Abend in einem wahren «Edel-Agriturismo» in der Nähe von Trevi. Wo genau wir gelandet sind, sehe ich wohl erst morgen früh auf der Rechnung. Auf jeden Fall sind wir im ausgebuchten Restaurant die einzigen Ausländer. Toll. Wir meinen, dies sei halt das Glück der Tüchtigen.

Die heutige Tour: Perugia - Trevi, 75 km 576 Hm.

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