Industriekultur

Vom Abstellgleis ins Rampenlicht: Eine Rangierlok der besonderen Art

Seit zehn Jahren steht die Rangierlok E 3/3 8551 im Bahnpark Brugg. Nun will ihr Pascal Troller neues Leben einhauchen.

Seit zehn Jahren steht die Rangierlok E 3/3 8551 im Bahnpark Brugg. Nun will ihr Pascal Troller neues Leben einhauchen.

Pascal Troller, 64, kämpft für den Erhalt von Industriekulturgut. Sein neuestes Projekt ist die Restaurierung einer Rangierlok in Brugg.

Majestätisch stehen sie da, Seite an Seite im Rundschuppen des Bahnparks Brugg. Es riecht nach Alteisen und Maschinenöl. Dampflokomotiven waren die Zugpferde der Industrialisierung. 1804 baute der Brite Richard Trevithick die erste Dampflokomotive der Welt.

Etwas versteckt hinter den mächtigen Maschinen steht die E 3/3 8551, eine Rangierlok der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur mit Baujahr 1894. Gebaut wurde sie für die Nordostbahn, 1902 übernahm sie die SBB. Stolz zeigt Pascal Troller sein neuestes Objekt. Der Oltner hat sich vor zehn Jahren dafür eingesetzt, dass die Lokomotive, die von 1935 bis 1963 für die Schweizerische Reederei im Basler Rheinhafen im Einsatz war, bevor sie als Denkmal auf dem Spielplatz des Schiffer-Kinderheims in Basel-Kleinhüningen aufgestellt wurde, zu erhalten. Auf seine Initiative hin erwarb sie 2010 der Verein Depot und Schienenfahrzeuge Koblenz (ehemals Draisinen Sammlung Fricktal). Die Lok wurde im Bahnpark Brugg eingestellt und so vor Wind und Wetter geschützt. Nach ihrem Dornröschenschlaf soll sie nun zu neuem Leben erwachen. Kürzlich hat sie Troller übernommen. «Mein Ziel ist es, die Lokomotive in den letzten Betriebszustand von 1963 zurückzuversetzen.»

Der gelernte Buchdrucker setzt sich seit Jahren für den Erhalt von Industriekulturgütern ein. Dampflokomotiven haben es ihm besonders angetan. So ist die E 3/3 8551 bereits die fünfte, die er restaurieren lässt. Die Faszination verfolgt Troller von Kindesbeinen an. Mit fünf Jahren entdeckte er auf dem Spielplatz bei der Festung Munot in Schaffhausen eine Dampflok. «Das war ein Schlüsselerlebnis. Für mich war von da an klar: So eine möchte ich selber mal besitzen.» Mit der Rheinhafen-­Dampflokomotive geht nun sein Bubentraum in Erfüllung.

Die Rangierlok soll dem Bahnpark erhalten bleiben

Seit 2006 betreibt Troller sein Engagement hauptberuflich. Er sieht sich als Brücke zwischen den Donatoren und den Technikern, welche die Maschinen instandsetzen. Selbst Hand anlegen will er nicht. «Das überlasse ich den Profis», meint er. Für die Restaurierung der E 3/3 8551 rechnet Troller mit einem Aufwand von mehreren hunderttausend Franken. Dafür erarbeitet der Netzwerker zurzeit das Vorprojekt. Wie die Lok nach erfolgter Revision genutzt werden soll, ist noch offen. Sicher jedoch ist, dass sie dem Bahnpark Brugg erhalten bleibt. «Es ist unsere letzte Chance. Was wir in den nächsten Jahren nicht erhalten, wird bald unwiederbringlich verloren sein. Dieser Anreiz treibt mich tagtäglich an.»

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