Windisch
Von Tür zu Tür für die gute Sache: Schüler sammeln Spenden für Kinder in Rumänien

Sieben Schülerinnen aus Windisch organisieren eine Spendenaktion. Das gesammelte Geld soll Schulen und Kindern in Rumänien helfen.

Andrina Wiggli
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Helfen Rumänien (v.l.): Die Schülerinnen Sara Z. und Sumeja, Marius Arsene, Francesca Stanciu und Stefan Wagner.

Helfen Rumänien (v.l.): Die Schülerinnen Sara Z. und Sumeja, Marius Arsene, Francesca Stanciu und Stefan Wagner.

Andrina Wiggli

Die Aula im Schulhaus Chapf in Windisch ist gefüllt mit Sekundar- und Realschülern von der siebten bis zur neunten Klasse. Grund ist die Infoveranstaltung zur Stiftung «Fonds Marius Arsene». Stefan Wagner, Gründer der Stiftung und Gemeindeschreiber von Windisch, stellt den Schülern die Non-Profit-Organisation vor.

Die Stiftung unterstützt die Bevölkerung in Mihailesti, einem Vorort der rumänischen Hauptstadt Bukarest. Die beiden Rumänen Marius Arsene und seine Verlobte Francesca Stanciu arbeiten in ihrer Heimat Vollzeit für die Organisation und sind auch in Windisch vor Ort.

Abschlussarbeit: Geld sammeln

Für die diesjährige Spendenaktion sind sieben Schülerinnen der Sek 3a im Rahmen ihrer Abschlussarbeit mitverantwortlich. Unterstützt werden sie von Klassenlehrer Jörg Stein. Sara Z., Sumeja, Dana, Sara A., Ariya, Blenda und Hanisa haben bereits Pläne, wie sie möglichst viel Geld sammeln können.

«Wir gehen von Tür zu Tür in Zweier-Teams», erklärt Sara Z.. Sicherlich in Windisch und Brugg, mögliche Orte sind auch Baden oder Aarau. Die Schülerinnen erstellen dafür einen Flyer und schulen die Spendensammler. Auch ein Kuchenverkauf ist in Planung.

Wagner hat die Stiftung, nachdem er mit Marius Arsene erstmals in Kontakt kam, 2013 gegründet. Die prekäre Lebenssituation in Rumänien hat Wagner tief erschüttert. So haben 50 Prozent der Häuser weder Strom noch Wasser, die wenigsten haben eine Toilette. Finanzielle Sorgen belasten die Bevölkerung ebenfalls.

Denn der Lohn ist nicht ausreichend für die Lebenskosten. So erhält ein Lehrer, der die Ausbildung frisch abgeschlossen hat, umgerechnet 400 Franken pro Monat. Das Essen ist allerdings ähnlich teuer wie in der Schweiz. Die Korruption ist das grösste Problem des Landes. Die – gemäss Wagner – miserable Infrastruktur setzt dem Grossteil der Bevölkerung zu. Einige müssen sogar in «menschenunwürdigen Situationen leben», erzählt Wagner.

Auswandern ist keine Option

«Direkthilfe, die etwas bewirkt» ist der Slogan der Stiftung. Das A und O dazu sind verlässliche Partner. Mit Arsene und Stanciu sind zwei vertrauenswürdige Mitarbeiter vor Ort in Rumänien. Im Rahmen ihrer Arbeit reisen die beiden auch in die Schweiz. Der Unterschied zwischen den Ländern ist extrem.

«Bei meinem ersten Besuch war ich geschockt. Es ist wie eine andere Welt», erzählt Arsene. Doch Auswandern ist für die beiden keine Option. «Wir wollen in unserer Heimat bleiben und das System ändern», erklärt Stanciu. «Wir wollen ein besseres Rumänien erschaffen», ergänzt Arsene.

Wagner schildert den Schülern, die beeindruckt zuhören, das Leben in Rumänien. Das Hauptproblem der Korruption erklärt er den Schülern mit einem Beispiel, das sie verstehen können. Bei den gezeigten Bildern aus Rumänien geht regelmässig ein Raunen durch die Aula, besonders die Bilder aus der Schule in Letca machen Eindruck.

Brugger Apotheke hilft

Mit den Spendengeldern der Schule Windisch sollen Kinder in Rumänien unterstützt werden. «Kinder helfen Kindern» ist die angedachte Idee. Konkrete Vorschläge sind bereits vorhanden: zum Beispiel eine WC-Anlage in der Schule in Letca zu installieren.

Momentan ist das einzige benutzbare WC dieser Schule draussen. Während den kalten Wintermonaten – Temperaturen von -30 Grad Celsius sind keine Seltenheit – wird die Toilette selten benutzt. So machen die Schüler lieber in die Hose als in die Kälte zu gehen. Eine andere Idee ist die Unterstützung der Kinderabteilung eines Onkologiespitals.

Die von den Ärzten verschriebenen Medikamente sind kaum erhältlich in Rumänien und für die Eltern unerschwinglich. So organisiert Wagner die notwendigen Medikamente mithilfe der Apotheke Kuhn in Brugg. Da die Korruption aber selbst im Krankenhaus spürbar ist, arbeitet die Stiftung aus Erfahrung ausschliesslich mit den betroffenen Eltern direkt zusammen und nicht mit den behandelnden Ärzten.

An der Spendenaktion nehmen alle sieben Klassen teil, die bei der Information in der Aula dabei waren. Einen Minimalbetrag hat sich die Schule nicht als Ziel gesetzt. «So viel wie möglich. Aber wir freuen uns über jeden Betrag», so Stein. Gesammelt wird voraussichtlich vom 28. Mai bis zum 15. Juni.