Die Integrations- und Familienarbeit soll zusammengeführt, eine neue Anlauf- und Koordinationsstelle entstehen. Der Brugger Einwohnerrat entscheidet sowohl über den Abschluss einer Leistungsvereinbarung und einen jährlich wiederkehrenden Kredit von 72'000 Franken als auch eine Entnahme von jährlich 45'000 Franken aus dem Fonds Sozialfürsorge.

Zur Erinnerung: Per Ende 2017 entschied Windisch, das regionale Projekt «Treffpunkt Integration» aufzulösen. Dieses hatte sich insbesondere an ausländische Familien mit Kindern gerichtet. Neben der Stadt Brugg waren auch die Gemeinden Birr und Hausen beteiligt. Der Stadtrat musste eine neue Lösung finden und nahm Verhandlungen auf mit dem Familienzentrum Brugg. Mit diesem bestehe eine langjährige Zusammenarbeit, es sei in der Stadt bestens bekannt, regional vernetzt und kompetent in Fragen der Familien- und Integrationsförderung, führt der Stadtrat in einer Botschaft an den Einwohnerrat aus.

Familienzentrum ist etabliert

Neben Informations- und Koordinationsaufgaben trage der Verein Familienzentrum Brugg mit verschiedensten Anlässen zur Vernetzung von Familien bei und sei Trägerschaft der beliebten Spielgruppe «Brüggli», fährt der Stadtrat fort. Das niederschwellige, kostengünstige Angebot werde auch dank der gut erreichbaren Räumlichkeiten an der Laurstrasse rege genutzt.

«In denselben Räumlichkeiten finden regelmässig Sprechstunden der Mütter- und Väterberatung statt, wodurch alle jungen Familien in Kontakt mit dem Familienzentrum kommen.» Kurz: Das Familienzentrum habe sich zu einer etablierten Institution der Familienarbeit in Brugg entwickelt und leiste einen wichtigen Beitrag zur frühen Förderung von Kindern.

Menschen aus 98 Nationen

Per Ende des letzten Jahres zählte Brugg 11'132 Einwohnerinnen und Einwohner. Ausländischer Herkunft waren 3291, davon 687 Kinder, was einem Ausländeranteil von rund 29,5 Prozent entspricht. Die Menschen stammen aus 98 Nationen. Das Spektrum umfasst gemäss Stadtrat Mitarbeitende des Paul-Scherrer-Instituts und anderer Grossbetriebe genauso wie vorläufig aufgenommene Flüchtlinge. Das Bildungsniveau sei sehr unterschiedlich. Allen gemein sei, dass sie sich in einer anderen Sprache, einer fremden Kultur und einem neuen Lebensraum zurechtfinden müssten.

«Fehlende Sprachkenntnisse erschweren eine Erwerbstätigkeit, alltägliche Verrichtungen wie den Besuch bei einem Arzt und die Verständigung mit den Mitmenschen», ist sich der Stadtrat bewusst. «Besonders negativ wirken sie sich in Kindergärten und Schulen aus.»

Neben der frühzeitigen Integration und sprachlichen Förderung der Kinder sei die Unterstützung der Eltern in Bezug auf das Schweizer Bildungssystem wichtig. Lokale, kostengünstige und niederschwellige Förder- und Integrationsangebote, fügt der Stadtrat an, unterstützen auch die Sozialen Dienste und können zur Stabilisierung der Sozialhilfe-Ausgaben beitragen.

In mehreren Sitzungen wurde das neue, umfassende Angebot mit den Vertretern des Familienzentrums detailliert besprochen und mit den Interessen der Stadt abgeglichen. Auch die finanziellen Auswirkungen waren Bestandteil der Diskussionen. Die gemeinsam definierten Integrationsangebote folgen dabei laut Stadtrat den im Kantonalen Integrationsprogramm (KIP) definierten drei Säulen der Integrationsförderung in den Regelstrukturen: Information und Beratung, Bildung und Arbeit sowie Verständigung und gesellschaftliche Integration.

Zentrale Stelle ist Hauptaufgabe

Die neue Leistungsvereinbarung benennt die Führung einer zentralen Anlauf- und Koordinationsstelle Familie und Integration als Hauptaufgabe des Vereins. Neben den Zielen, Aufgaben und Leistungen ist auch die Organisation geregelt.

«Der Stärkung von Familien und der Integration von Migrantinnen und Migranten kommt eine grosse gesellschaftliche, wirtschaftliche und soziale Bedeutung zu», fasst der Stadtrat zusammen. «Die bedarfsgerechte Unterstützung von Eltern und die frühe Förderung von Kindern wirken sich positiv auf die Chancen der Kinder auf ihrem weiteren Lebensweg aus.»