Pizza-Tour

Wenn Murphy zuschlägt

Ein Stadium wartet auf Spieler und Zuschauer, doch rund herum sind nur Olivenbäume.

T31-Stadion im Grünen

Ein Stadium wartet auf Spieler und Zuschauer, doch rund herum sind nur Olivenbäume.

Ein Fehler provoziert oft den nächsten. So ist es heute. Am Anfang steht ein Planungsfehler. Der provoziert dann zwei Orientierungsfehler. So werden schliesslich aus geplanten 86 Tageskilometern deren 105. Nun haben wir Durst.

Dienstag, 15. Mai. Der Tag beginnt vielversprechend. Schönes, wenn auch etwas kühles Wetter und der laue Wind kommt auch noch von der richtigen Seite. Der erste Aufstieg nach Cervaro kommt zwar etwas früh, ist ruppig und tut deshalb noch etwas weh. Der Passo Annunziata Lunga bietet dafür wieder genau das, was das Velofahrerherz begehrt. Weitere Beschreibungen erspare ich mir. Ich will nicht langweilen. Auch die Scheitelhöhe von 449 müM mag meinen Schweizer Velofahrerkollegen ein müdes Lächeln entlocken. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass wir bei 40 müM gestartet sind.

Ein Fussballstadion im Grünen

Kurz vor dem zweiten Aufstieg - zwischen San Vittore del Lazio und San Pietro Infine - stossen wir auf ein Kuriosum: Dermassen «im Grünen» habe ich noch nie ein Fussballstadion gesehen. Mitten in einem Olivenhain steht da einsam eine meisterschaftstaugliche Anlage: Kunstrasen, Bar, Garderobenräume, Tribüne für mindestens 500 Zuschauer, Flutlichtanlage usw. Soweit so gut. Nur: Verkehrsmässig erschlossen wird das Stadion durch einen schmalen, geteerten Feldweg. Kreuzen unmöglich. Anzahl Parkplätze: 0. Entfernung zum nächsten Gebäude: ca. 1 km. Was steckt dahinter? Ein Journalist müsste wohl zu recherchieren beginnen. Zum Glück bin ich Pensionär und kann weiterfahren.

Ein Fehler kommt selten allein

So, nun habe ich alle, die sich an unserem Pech ergötzen möchten, wohl genug auf die Folter gespannt. Rund 10 km nach Roccapipirozzi - ja, der Ort heisst tatsächlich so - möchten wir auf einer Nebenstrasse den Fiume Volturno überqueren. An Ort und Stelle erweist sich die Flussquerung nicht als Brücke, sondern als Furt. Normalerweise wahrscheinlich kein Problem, heute schon: ein reissender Bach. Zurückfahren - umplanen. Und die neu ausgetüftelte Streckenführung scheint auch mit dem Gelände zu übereinstimmen - scheint! Wie ich den Irrtum bemerke, sind wir schon um ein paar Kilometer «ins Schilf» geraten. Dann interpretiere ich eine Auskunft eines Garagisten falsch und schon liegen wir noch «fälscher» als zuvor. Schlussendlich umrunden wir einen ganzen Hügelzug, bis wir wieder auf dem richtigen Pfad sind. Aus der ganzen Fehlerkette resultiert so wenigstens eine stolze Tagesleistung. Die Lobesworte meiner treuen Begleiterin klingen mir noch immer in den Ohren.

Das Leistungsblatt von heute: Cassino - San Salvatore Telesino, 105 km, 783 Hm

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