Brugg
Wenn Solisten eine Big Band bilden, geht musikalisch die Post ab

Demnächst schliesst Sarah Chaksad ihr Masterstudium an der Jazzschule Basel ab. Für das Abschlusskonzert im Kulturlokal Dampfschiff in Brugg hat sie eigens ein Jazzorchestra gegründet und ein komplettes Repertoir komponiert.

Rebecca Knoth
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Sarah Chaksad (l.) mit ihrem Jazzorchestra im Brugger Dampfschiff.RKN

Sarah Chaksad (l.) mit ihrem Jazzorchestra im Brugger Dampfschiff.RKN

«Die Hauptprobe für mein Diplomkonzert ist sehr gut gelungen», beurteilt die Saxofonistin Sarah Chaksad das Konzert im Dampfschiff von vergangenem Freitag. Fast durchsichtig ist die Klangtextur des Stücks «Thinking Feeling» von Sarah Chaksad. Trotz dessen Vielschichtigkeit bleibt Luft zwischen den Takten. Im 13-köpfigen Sarah Chaksad Orchestra muss sich niemand verstecken: Allesamt sind Berufsmusiker und kennen sich von der Hochschule für Musik in Basel. Obwohl sie zusammen ein beachtliches Volumen erreichen, sind sie nie unnötig laut. Vielmehr horchen sie aufeinander, schmunzeln zwischendurch und freuen sich sichtlich über gelungene Übergänge.

Im November vergangenen Jahres hatte die Big Band angefangen zu proben. Das Einstudieren der frisch komponierten Stücke sei sehr angenehm gewesen, erzählt Sarah Chaksad. Ausserdem habe es «Spass gemacht, für viele Stimmen zu schreiben». Jetzt auf der Bühne soliert sie mit Sopran- und Altsaxofon und übernimmt auch mal die Dirigentenrolle. Nach ihrem Masterabschluss will die Bandleaderin weiterhin komponieren und als freischaffende Saxofonistin arbeiten. Aber nicht nur: Im Teilzeitpensum unterrichtet die 29-Jährige Primar- und Musikschüler.

Maja Loncarevic hat als Programmkoordinatorin vom Dampfschiff schon mehrmals mit Sarah Chaksad zusammengearbeitet. Das Jazzkonzert an diesem Abend findet sie «total gut». «Die junge Musikerin beweist hohe Eigenständigkeit und zeigt eine eigene Handschrift», lobt Loncarevic. Nach der Sommerpause bildet der Orchestra-Auftritt den Auftakt einer neuen Veranstaltungsserie im Dampfschiff. Im Brugger Kulturlokal erhalten regelmässig spannende junge Projekte eine Plattform.

Vibrierender Sound und dröhnend-vorwärtsdrängende Passagen werden an diesem Abend von zahlreichen Soloimprovisationen abgelöst, die allesamt Freude bereiten. Der Baritonsaxofonist Fabian Willmann geht bei seinem Part voll ab und erntet Zurufe der Bandleiterin. Als Jan Schwinnig eine Schlagzeugeinlage bietet, drehen sich seine Bandkollegen anerkennend zu ihm um. Die Sängerin Julie Fahrer schafft es, ihre Stimme neben den vielen Bläsern zu behaupten.

Im letzten Stück moduliert sie ihren reinen Vokalgesang auf eine Weise, dass er die Instrumentalmusik um eine zusätzliche Klangdimension bereichert.