Vindonissa

Wenn Windisch zur Schlacht bläst: In diesem Buch trifft Fiktion auf Geschichte

Im Buch «Das Schwert von Vindonissa» trifft Fiktion auf Geschichte. Die Herausgeber setzen auf «Living History».

Februar, 70 nach Christus: Es war ein sonniger Spätwintertag, der den Frühling erahnen liess, als das Leben des jungen Gnaeus Silvicola Honestus eine entscheidende Wendung nahm.

So verheissungsvoll beginnt das im Oktober erschienene Buch «Das Schwert von Vindonissa». Komplett ausgedacht ist der Lebensweg des zukünftigen Legionärs Honestus aber nicht. Das Werk verbindet historische Fakten mit einer Erzählung der Autorin Claudia Magerl und lässt die Leserschaft in die Welt der römischen Besiedlung auf Schweizer Gebiet eintauchen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht unter anderem eine Waffe, die heute im Vindonissa Museum in Brugg ausgestellt ist. Begleitet wird die Story von wissenschaftlichen Informationen, Erfahrungsberichten sowie 125 farbigen Abbildungen. Für die lebensechte Umsetzung der Fotos hat eine sogenannte Living-History-Gruppe gesorgt. Diese ist in der Museumsszene des In- und Auslands bekannt.

Über hundert Personen beteiligten sich

Hinter den Bildern steht Vex Leg XI CPF. Der Windischer Verein ist Teil der Living-History-Bewegung, die versucht, Vergangenheit sinnlich erlebbar zu machen. Besonders der römischen Geschichte aus der Epoche der klassischen Kaiserzeit widmet sich die seit 2006 existierende Gruppe. Kein Wunder, ist auch Elio Gallo, Initiator des «Schwertes von Vindonissa», im Verein zu finden.

Schwert von Vindonissa

Die Idee für das fünfjährige Projekt kam dem Lehrer in den Ferien im Burgund. Im Museumsshop beim Schlachtgelände von Alesia stiess er auf eine Geschichte über einen gallischen Krieger. Diese sei massgeblich von einer Living-History-Gruppe produziert worden. Gallo sagt: «Ich wollte einen Schritt weitergehen. Es sollte eine integrative Zusammenarbeit zwischen unserem Verein, Handwerkern, Historikern, Archäologen und Museen entstehen.»

Zu Anfang sei es essenziell gewesen, Fachexperten zu gewinnen. «Mit Georg Matter, Abteilungsleiter Kultur des Kantons Aargau, konnten wir einen wichtigen Fürsprecher und Türöffner für das Projekt ins Boot holen.» Unter anderem stellten die Mitglieder der Fachstelle für Archäologie Inhalte für den wissenschaftlichen Kontext zur Verfügung. So beteiligten sich mit Darstellenden, Wissenschaftlern, Fotocrew und Autoren über 100 Personen am Buch.

Shooting dauerte pro Foto eine Stunde

Die Bebilderung durch den Fotografen Florian Moritz aus Frick benötigte über zwei Jahre. «Wir konnten maximal sechs Bilder pro Tag shooten. Mit Maske und der Vorbereitung des Sets dauerte es pro Aufnahme ungefähr eine Stunde», erzählt Gallo. Für die Fotos reiste das Team zudem durch verschiedene Regionen: von Augst bei der Römerstadt Augusta Raurica (Basel) nach Möhlin und Windisch mit dem Legionärspfad (Aargau), über Hüfingen zum römischen Bad (Baden-Württemberg), zum Schloss Wellenberg bei Frauenfeld (Thurgau) sowie nach Zug zum Museum für Urgeschichte(n) (Zug). So thematisiert «Das Schwert von Vindonissa» nicht nur historische Artefakte aus dem gleichnamigen Römerlager in Windisch, sondern von vielen weiteren Fundstellen. Zudem fliessen Erfahrungsberichte des Vereins Vex Leg XI CPF zu den historischen Szenen ein.

Trotz wissenschaftlichem Hintergrund ist «Das Schwert von Vindonissa» kein trockenes Sachbuch: Die Story des Helvetiers Honestus bietet eine grosse Portion Liebe und Intrige.

Hinweis «Das Schwert von Vindonissa», Oktober 2020, Verlag «Hier und Jetzt».

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