Schinznach
Werkstatt Schenkenbergertal kämpft gegen Steinbrüche im Hausberg

Der Förderverein Werkstatt Schenkenbergertal wehrt sich gegen die Pläne der Jura-Cement-Fabriken AG (JCF), die im Schinznacher Hausberg Grund ein mögliches Abbaugebiet sehen.

Louis Probst
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Robert Obrist ist Präsident des Fördervereins Schenkenbergertal.

Robert Obrist ist Präsident des Fördervereins Schenkenbergertal.

Elisabeth Feller

«Unser Ziel ist ganz klar der Erhalt des Grund, unseres Hausberges», betonte Robert Obrist, der Präsident des Fördervereins Schenkenbergertal, am Donnerstag, an einem Informationsanlass des Vereins.

Grund für die Veranstaltung, an der auch Gemeinderat Peter Feller und eine Delegation der IG Gisliflue (Auenstein) mit ihrem Präsidenten Heinz Alber anwesend waren, ist die Absicht der Jura-Cement-Fabriken AG (JCF) Wildegg, die Suche nach einem neuen Materialabbaugebiet auf die Gebiete Bäumer/Gisliflue und eben Grund Schinznach-Dorf zu konzentrieren. Gemäss JCF, einer Tochter der irischen CRH-Gruppe, soll das neue Abbaugebiet mittelfristig, das heisst ab 2035, die Versorgung des Zementwerkes Wildegg mit Rohstoff sicherstellen.

«Mit unserer Veranstaltung wollen wir zeigen, dass der Förderverein noch da ist», sagte Robert Obrist. «Unseren Einsatz für den Grund leiten wir aus den Zielen des Vereins ab, die unter anderem dem Erhalt einer intakten Landschaft gelten.»

Zeitreise ins Jahr 1963

Dass der Grund nicht zum ersten Mal ins Visier der Zementindustrie geraten ist, zeigte Kathrin Roth anhand einer Zeitreise auf, die ins Jahr 1963 zurückführte. Damals hatte der Holderbank-Konzern, aus dem mittlerweile Holcim entstanden ist, im Schinznacher Hausberg eine Materialquelle für das inzwischen stillgelegte Zementwerk in Holderbank gesehen.

Und er hatte, wie aus den Ausführungen von Kathrin Roth hervorging, beim damaligen Gemeinderat von Schinznach-Dorf offensichtlich Gehör gefunden. Immerhin winkte ein Geldsegen von insgesamt rund 25 Millionen Franken – willkommene Mittel für anstehende grosse Investitionen, wie die Behörde fand.

Die Ortsbürger machten jedoch dem Zement-Konzern und dem Gemeinderat einen Strich durch die Rechnung. 107 von 135 Ortsbürgern sagten an der Gemeindeversammlung von 15. Juni 1963 Nein zum Verkauf ihres Grundes. Robert Obrist: «Wir achten diesen Entscheid nach wie vor.»

2002 rückte der Grund – zusammen mit Homberg (Bözberg), Hard (Thalheim) und Bäumer/Gisliflue – erneut ins Blickfeld der Zementindustrie – diesmal der JCF. «Das», so Robert Obrist, «liess auch den Förderverein aktiv werden». Er startete eine Unterschriftensammlung, bei der sich 770 Personen zum Erhalt des Grund bekannten.

Mit der Absicht der JCF, jetzt in den Gebieten Bäumer/Gisliflue und Grund vertiefte Abklärungen im Hinblick auf einen Materialabbau durchzuführen, ist der Schinznacher Hausberg einmal mehr im Gespräch.

Intakte Landschaft statt Steinbrüche

«Wir möchten endlich gehört werden», erklärte Robert Obrist. «Wir haben den Eindruck, dass wir nicht ernst genommen werden – auch von der Zementindustrie nicht. Es gibt genug Landschaften die schon stark verändert sind. Wir wollen eine Zukunft, die auf intakte Landschaften setzt und nicht auf Steinbrüche.»

Zum weiteren Vorgehen skizzierte er zwei Wege auf. Zum einen das ordentliche Verfahren, das über den Richtplan und die Nutzungsplanung verläuft. Und zum andern den Weg über einen Auftrag an den Gemeinderat. Dabei soll der Gemeinderat durch die Gemeindeversammlung vom 20. Juni dieses Jahres «angehalten werden, sich mit allen Mitteln gegen den Abbau am Grund und im Gebiet Bäumer/Gisliflue zu wehren». Der Gemeinderat soll sich insbesondere an den Regierungsrat wenden, mit der Bitte, die Einträge der beiden Gebiete als sogenannte Vororientierung im Richtplan zu löschen.

Robert Obrist betonte auch, dass es falsch wäre, die Gebiete Grund und Bäumer/Gisliflue gegeneinander auszuspielen. «Das wollen wir nicht», sagte er. «Uns geht es um beide Berge.» Auch Heinz Alber stellte fest: «Schinznach-Dorf und Auenstein sitzen im gleichen Boot.»

Vorerst, so Robert Obrist, will der Förderverein die nächste Bewegung des Gemeinderates abwarten. Dieser wird im Sommer seine Stellungnahme zuhanden der Regierung abgeben und in der ersten Juliwoche einen Informationsanlass durchführen. Gemeinderat Peter Feller brachte die Sache aber auf den Punkt: «Der Grund kommt nicht in Frage», stellte er fest.

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