Brugg

«Wichtige Zeitzeugen werden geopfert»: Initianten kämpfen für Erhalt der «Alten Post»

An der Führung ist viel zu erfahren über die Liegenschaften «Alte Schmitte», «Müller-Haus» sowie «Kupper-Haus» (von vorne). mhu

An der Führung ist viel zu erfahren über die Liegenschaften «Alte Schmitte», «Müller-Haus» sowie «Kupper-Haus» (von vorne). mhu

Widerstand gegen die Überbauung der «Alte Post» in Brugg – eine Initiativgruppe setzt sich ein für altehrwürdige Liegenschaften.

Das Thema «Alte Post» mobilisiert in Brugg, die Zukunft der bestehenden Liegenschaften interessiert. Der Quartierverein Altstadt und Umgebung hat eine städtebauliche Führung organisiert und vielleicht zehn, zwanzig Teilnehmer erwartet. Der Einladung gefolgt sind schliesslich rund fünfzig Personen am angenehm sommerlich-warmen Mittwochabend.

Auf dem Areal zwischen Annerstrasse und Schulthess-Allee plant die Stadt eine Überbauung mit zentraler Verwaltung samt Stadtbüro, Verkaufsflächen, Büros sowie rund 55 Wohnungen und Tiefgarage. Das Mitwirkungsverfahren für die Gestaltungspläne fand diesen März und April statt. Gegen das Vorhaben formiert sich Widerstand. Eine Initiativgruppe – bestehend aus 11 Mitgliedern – hat eine «Petition für eine massvolle bauliche Entwicklung der Brugger Innenstadt» lanciert.

In krassem Kontrast zur Altstadt

«Wir sind überzeugt, dass dieses Bauvorhaben nicht der richtige Weg ist und dass eine grosse Chance vertan wird», sagte Bernard Liechti von der Initiativgruppe in seiner Begrüssung. Er wies darauf hin, dass die bestehenden Liegenschaften «Müller-Haus», «Alte Schmitte» sowie «Kupper-Haus» im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt sind. «Sie dürfen nicht ohne weiteres abgerissen werden.»

Der vorgesehene fünfgeschossige Verwaltungstrakt habe eine Höhe von gegen 20 Metern, fuhr Liechti fort. Im Bereich ab Mitte «Kupper-Haus» bis Ende «Alte Schmitte» sei ein rund 50 Meter langer, kompakter Wohnblock mit einer Höhe von gegen 16 Metern geplant. Das massive Volumen stehe in krassem Kontrast zur Altstadt, die doch sehr fein gegliedert sei. Die Schulthess-Allee würde mehrheitlich im Schatten liegen.

Qualität geht verloren

Anders gesagt: «Wir erachten die geplante Bebauung als massiv überdimensioniert, unverhältnismässig in Bezug auf die Altstadt und deren Häuser, aber auch in Bezug auf den Platz», hielt Liechti fest. Die Verdichtung sei zwar maximal, aber die Qualität gehe verloren. Zudem würden bedeutende Zeitzeugen, die für die Identität der Stadt wichtig seien, geopfert. «Aus unserer Sicht ist es ganz klar kein nachhaltiger Bau.»

Kurz: «Wir fordern vom Stadtrat, das ‹Müller-Haus› und die ‹Alte Schmitte› zu erhalten, instandzustellen und in die Bebauung zu integrieren.» Weiter setzt sich die Initiativgruppe dafür ein, dass die Dichte der Bebauung «auf ein erträgliches Mass reduziert und das Projekt überarbeitet wird».

Der Architekturwettbewerb, der 2016 durchgeführt wurde, habe gezeigt, dass es möglich sei, den historischen Baubestand ganz oder teilweise in die Bebauung zu integrieren. Ziel sei es, eine Diskussion auf breiter Ebene anzustossen mit der Petition. In diesem Sinne stehe diese für ein attraktives Brugg mit hoher Lebensqualität, fasste Liechti zusammen. Historikerin Astrid Baldinger und Bauanalytiker Felix Wyss, selber Mitglied der Initiativgruppe, nahmen die Anwesenden in der Folge mit auf einen kurzweiligen Rundgang, gingen ein auf die Geschichte der Stadt sowie auf die Entwicklung des Areals.

Ebenfalls erklärten sie die baulichen Besonderheiten der Liegenschaften, erwähnten die verschiedenen Nutzungen und Handänderungen. Sie sprachen von spannenden Zeitzeugen, von repräsentativen Gebäuden, von ortsbildprägenden Elementen sowie Bebauungen mit Qualitäten, zu denen – so ihre Überzeugung – Sorge zu tragen sei.

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