Windisch
Die Schülerinnen und Schüler schlagen neuerdings das digitale Notizbuch auf

In Windisch hält die papierlose Schule Einzug. Nicht nur im Fach Medien und Informatik wird digitales Wissen vermittelt.

Irene Hung-König
Merken
Drucken
Teilen
Die 1. Sekundarschulklasse tüftelt an diesem Morgen an ihren neuen Tablets an Mathematikaufgaben.

Die 1. Sekundarschulklasse tüftelt an diesem Morgen an ihren neuen Tablets an Mathematikaufgaben.

Bild: Irene Hung-König

Der Einwohnerrat Windisch hat im Januar 2020 grünes Licht gegeben für das IT-Projekt der gesamten Schule, vom Kindergarten bis zur Oberstufe. Kostenpunkt für den Verpflichtungskredit: 695'000 Franken.

Kinder und Jugendliche werden für die digitale Welt fit gemacht. Ab Kindergarten bis zur 4. Klasse werden iPads im Unterricht eingesetzt, von der 5. Klasse bis zur 3. Oberstufe sind Tablets im Einsatz. Mit der Einführung des Lehrplans 21 im letzten August wurde auch die wöchentliche Lektion Medien und Informatik ab der 5. Klasse eingeführt.

Doch das digitale «Werkzeug» zur Verarbeitung, Speicherung und Übermittlung verschiedenster Informationen wird in praktisch allen Fächern eingesetzt. Auch in puncto Chancengleichheit wird das Projekt geschätzt: «Auf der Realstufe wissen wir, dass unsere Schülerinnen und Schüler oft zu Hause nicht die Mittel haben, sich mit den neuen Medien weiterzubilden», sagen die Real­lehrerinnen Erika Gomboso und Katrin Heer.

Grosser Vorteil der individuellen Lernart

Im Klassenzimmer der 1. Sekundarschulklasse wird das Fach Mathematik behandelt. Die Schülerinnen und Schüler sitzen vor ihren Tablets und lösen Termübungen online. Luca (13) löst die Online-Aufgaben und gibt die Lösungen via Tastatur ein, während seine Mitschülerin den Tablet-Stift benutzt und direkt auf den Bildschirm schreibt. Mit einem Klick öffnet Luca sein digitales Notizbuch «One Note», worin die verschiedenen Fächer wie Register angezeigt werden. Ein weiteres Übungsblatt versucht er digital zu lösen, doch Klassenlehrerin Cornelia Aemmer erklärt, dass er dieses Blatt ausdrucken müsse.

Für sie und ihre Lehrerkollegin Susanne Baumgartner stellt der Alltag mit den Tablets einen Mehrwert dar. «Ich bin hellbegeistert», sagt Cornelia Aemmer. Sie sieht einen grossen Vorteil darin, dass die Schülerinnen und Schüler individuell lernen könnten. Die verschiedenen Methoden zur Themenvorbereitung gefallen Cornelia Aemmer ebenfalls. So kann sie Übungen in den verschiedenen Fächern ablegen, aber auch Links zu Lernzielen angeben. Die Schülerinnen und Schüler können ­Videos und Audios selbst herstellen. Die Lehrerin spricht die Zeit der Schulschliessung vor einem Jahr an und sagt:

«Während des Fernunterrichts haben wir vieles gelernt.»

Für Susanne Baumgartner war es ein Herantasten an die neuen Möglichkeiten. «Bei der Vorbereitung zum Thema Erdbeben konnte ich eine Karte des Bundes aufrufen», gibt sie als Beispiel an. Das schnelle Verknüpfen war zuvor nicht möglich. Die Kinder und Jugendlichen würden mit der Digitalisierung aufwachsen. Dennoch findet sie es wichtig, im Fach Bildnerisches Gestalten mit Kohle arbeiten zu können, um zu fühlen, wie die Kohle in der Hand ausläuft.

Konzentriert sind die Schülerinnen und Schüler an der Arbeit.

Konzentriert sind die Schülerinnen und Schüler an der Arbeit.

Bild: Irene Hung-König

Der 14-jährigen Noemi gefällt es, nicht mehr im Informatikraum sitzen zu müssen. Sie sieht die digitale Lernweise als Vorteil: «Man kann die Programme schnell verstehen, alles ist im Tablet gespeichert. Ein Papier kann man schnell verlieren.» Auch für Jan (13) ist klar: «Ich finde den Touchscreen cool. Die Online-Übungen sind besser als jene auf den Blättern.»

Reto Geissmann ist Schulleiter und IT-Projektleiter.

Reto Geissmann ist Schulleiter und IT-Projektleiter.

Bild: zvg

Eine Gesamtlösung statt vieler Einzellösungen

Die digitale Infrastruktur an der Schule Windisch bestand früher aus vielen Einzellösungen in den Schulhäusern. Als Beispiele zählt Reto Geissmann, Schulleiter Primarschule Dohlenzelg und IT-Projektleiter, 25 verschiedene Computer, 39 unterschiedliche Drucker und 13 verschiedene Beamer-Typen auf. Auch die teilweise instabilen Netzwerke, der fehlende ­päd­agogische Support sowie diverse IT-Partner sorgten für Kopfzerbrechen.

Nun bilden die drei Säulen Infrastruktur, Pädagogische Unterstützung für die Lehrpersonen sowie Technischer Support die Grundlage für eine funktionierende IT-Infrastruktur. «Wir hatten einmal einen Netzausfall. Innerhalb von 30 Minuten war das Problem gelöst», sagt Reto Geissmann.