Windisch/Gebenstorf
Versuch beim Wasserkraftwerk: Bleibt das Geschiebe vor dem Stauwehr liegen?

Beim Kleinwasserkraftwerk der Axpo in Windisch steht eine sogenannte Testschüttung an. Rund 4000 Kubikmeter Kies werden voraussichtlich diesen Herbst in die Reuss gegeben.

Michael Hunziker
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Die Testschüttung erfolgt während zweier Wochen, das Monitoring und die Auswertung dauern ein bis zwei Jahre.

Die Testschüttung erfolgt während zweier Wochen, das Monitoring und die Auswertung dauern ein bis zwei Jahre.

Bild: mhu (25. März 2021)

Ist der natürliche Transport von Geschiebe beeinträchtigt beim Kleinwasserkraftwerk in Windisch? Oder ist die Anlage geschiebedurchgängig? Um diese Fragen eindeutig beantworten zu können, ist ein Versuch vorgesehen, eine sogenannte Testschüttung.

Oberhalb des Kraftwerks wird dabei Kies in die Reuss gegeben. Überprüft wird in der Folge, ob das Material vor dem Stauwehr liegen bleibt oder ob es hindurchgeleitet wird und ins Unterwasser gelangt, also eine Wehrdurchgängigkeit besteht. Die Behörden erhalten, basierend auf den Ergebnissen, eine Entscheidungsgrundlage, ob eine Sanierung nötig ist.

Denn weist eine Anlage – wie das Wasserkraftwerk des Energieversorgers Axpo in Windisch – im Gewässer eine Beeinträchtigung des Geschiebehaushalts auf, so sind gemäss Gewässerschutzgesetz entsprechende Massnahmen vorzunehmen.

Wegen Freizeitaktivitäten nicht im Sommer geplant

Das Projekt liegt bis 23. April öffentlich auf. Eingesehen werden können die Unterlagen beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt in Aarau sowie bei den Gemeindeverwaltungen in Windisch und Gebenstorf. Gerechnet wird mit Gesamtkosten von 532'000 bis 694'000 Franken.

Einmalig in die Reuss geschüttet werden oberhalb des Wehrs beim Muracher auf dem Gemeindegebiet Gebenstorf rund 4000 Kubikmeter Kies, was der zukünftig zu erwartenden jährlichen Geschiebefracht entspricht, erklärt Axpo-­Mediensprecher Antonio Sommavilla. Geplant ist die Testschüttung nach Erhalt der Bewilligung voraussichtlich im Herbst 2021. Auf eine Durchführung im Sommer soll laut Sommavilla verzichtet werden – nicht zuletzt wegen allfälliger Störungen für Freizeitsportler: Bootfahrer, Badende oder Wanderer.

Für Transport sind rund 335 Fahrten erforderlich

Während der Realisierung – gerechnet wird mit einer Dauer von rund zwei Wochen – sind Lärmemissionen zu erwarten durch die Baumaschinen. Zum Einsatz kommen vor allem Bagger und Lastwagen. Die Anlieferung des Kiesmaterials erfolgt gemäss Unterlagen über die Birmenstorferstrasse und einen Feldweg. Rund 335 Fahrten sind erforderlich für den Transport.

Die Axpo werde mit entsprechenden Massnahmen die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt möglichst gering halten, ergänzt der Mediensprecher. Die Wanderroute muss während der Dauer der Testschüttung aus Sicherheitsgründen temporär umgeleitet werden. Von der Kiesschüttung profitieren werden laut Sommavilla aquatische Lebewesen wie kieslaichende Fische oder auch kleine wirbellose Lebewesen.

Das Monitoring dauert ein bis zwei Jahre. Nach der Auswertung kann beurteilt werden, ob – und falls ja welche – Massnahmen beim Kraftwerk Windisch zur Sanierung des Geschiebehaushalts gemäss der Sanierungsverfügung notwendig werden, stellt der Mediensprecher fest.

Für die Axpo, antwortet er auf die entsprechende Frage, sind solche Aktivitäten sowie die nachfolgenden Untersuchungs- und Analysearbeiten nicht aussergewöhnlich. Speziell beim Kraftwerk Windisch sei, dass die Kiesschüttung vorläufig ein­malig zur Prüfung der Ge­schiebedurchgängigkeit des Wehrs durchgeführt wird und nicht periodisch als Sanierungsmassnahme für den Geschiebehaushalt.

Anlagen sind bedeutend für einheimische Produktion

Neben Windisch betreibt die Axpo unter anderen auch die Kleinwasserkraftwerke Stroppel, Kollbrunn, Au-Schönenberg, Bürglen, Moutier und Lotzwil. Die Anlagen haben eine grosse Bedeutung für die einheimische, lokale und regionale Stromproduktion und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Zielerreichung der Energiestrategie 2050 mit der Produktion von erneuerbarem, umweltfreundlichem Strom, führt Sommavilla aus.

Schweizweit, fährt der Mediensprecher fort, gibt es über 1100 Kleinanlagen. Sie produzieren rund 3600 GWh Strom pro Jahr, was über 5 Prozent der aktuellen Elektrizitätserzeugung und knapp 10 Prozent der aus Wasserkraft produzierten Energie entspricht.

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