Grossratswahlen

«Wir haben keine Angst vor dem C»: Eine EDU Kandidatin im Porträt

Gerda Deubelbeiss aus Brugg  setzt vor allem auf christliche Werte: Für die EDU kandidiert sie für den Grossen Rat.

Gerda Deubelbeiss aus Brugg setzt vor allem auf christliche Werte: Für die EDU kandidiert sie für den Grossen Rat.

Die 58-jährige Bruggerin Gerda Deubelbeiss erklärt, warum sie sich als gläubige Christin und Grossratskandidatin für die EDU engagiert.

Wenn sich Gerda Deubelbeiss für etwas entscheidet, dann engagiert sie sich auch dafür. Und so trat sie 2014 der EDU (Eidgenössisch-Demokratische Union) nicht nur bei, sondern stellte sich sogleich für den Vorstand der Bezirkspartei Brugg zur Verfügung – als Aktuarin. «Wenn ich schon mitmache, dann nicht nur auf dem Papier», sagte sie sich damals. Das Amt bewältigt die 58-Jährige neben ihren drei Jobs als Seklehrerin, Erwachsenenbildnerin und Fahrlehrerin. Sie unterrichtet Französisch, Deutsch und teilweise Italienisch. Sie spricht auch Spanisch, etwas Griechisch und Schwedisch. «Sprachen öffnen die Türen zu den Menschen», sagt sie. Zudem betreibt sie ihre eigene Autofahrschule mit dem Namen «La donna è mobile» – angelehnt an die Arie in der Operette Rigoletto.

Täglich nimmt sich Gerda Deubelbeiss Zeit für ihren Hund Leo. Auch zum Gespräch mit der AZ darf der zehnjährige Mischlingsrüde mit. Hinter der Jugendherberge in Brugg macht er es sich an diesem spätsommerlichen Nachmittag auf dem Boden an der Aare gemütlich, während Gerda Deubelbeiss offen Auskunft gibt über ihre politischen Ambitionen, ihre Einstellung und ihre Meinung.

Die wertkonservative Haltung der SVP teilt sie

Ausschlaggebend für ihren EDU-Beitritt war ein Referat des damaligen SVP-Nationalrats Ueli Giezendanner zum Thema «Politiker und Christen». «Ich hatte freie Kapazität und den Eindruck, dass die EDU mich gebrauchen könnte», sagt Gerda Deubelbeiss. «Die SVP verfügt ja schon über genügend Mitglieder.» Grundsätzlich teilt die in Brugg wohnhafte Deubelbeiss die wertkonservative Haltung der SVP. Noch wichtiger sind ihr aber die Werte, welche die EDU vertritt: Familie, Ehe, Umwelt und Freiheit. Schade findet sie, dass man die Mitglieder der EDU aufgrund ihrer konservativeren Einstellung jeweils als «Ewiggestrige» abstempelt.

Politisiert wurde sie im Elternhaus in Seon, wo sie aufgewachsen ist. Der Vater sass für die SP im Gemeinderat und in der Schulpflege. Während ihrer Bezirksschulzeit war die Ölkrise ein grosses Thema. An der Kantonsschule – sie machte die neusprachliche Matur – kam es zu Demonstrationen gegen die Atomkraft. «Ich dachte damals auch, dass Atomkraft gefährlich ist», sagt Deubelbeiss. «Ich muss aber gestehen, dass ich eher schlecht informiert war.»

Heute findet sie: «Wenn wir Klimaschutz wollen, tun wir gut daran, die Atomkraftwerke noch laufen zu lassen, solange sie sicher sind. Denn wie sonst sollen wir unseren immer höher werdenden Strombedarf decken?» Kohlestrom aus anderen Ländern könne nicht die Lösung sein. Und: «Die Zuwanderung sowie die Zunahme von Elektroautos verlangen nach immer mehr Energie.» Diesen Bedarf könne die Solar- und Windenergie nicht decken.

Apropos Zuwanderung: Gerda Deubelbeiss unterstützt die Begrenzungsinitiative (BGI), über die am 27. September abgestimmt wird, obwohl sie weiss, dass gläubige Christen beim Thema Migration rasch in ein Dilemma geraten. Sie betont, dass es wichtig sei, Kriegsflüchtlinge aufzunehmen. Allerdings habe die Schweiz – jetzt in Zeiten von Corona erst recht – keine Kapazitäten für stellensuchende Wirtschaftsmigranten. Die BGI unterstützt sie aber auch, weil sie gegen die Zubetonierung der Landschaft ist und die Infrastruktur wie die Strassen an ihre Kapazitätsgrenzen kommt.

Sie steht zu ihrer Religion

Es reiche aber nicht, nur die Zuwanderung zu begrenzen. «Wir Schweizer brauchen immer mehr Platz», sagt sie. «Diesbezüglich müssen wir genügsamer werden.» Die Zubetonierung hat die EDU-Politikerin vor der eigenen Haustür erlebt. Mit ihrem Mann – sie sind seit zehn Jahren verheiratet – wohnt sie in einem Haus bei der Überbauung Obergrüt. Die schöne Aussicht ist weg, «viele Wohnungen sind aber nicht einmal bewohnt», sagt sie.

Sie steht dazu, dass sie gläubige Christin ist. Das will Deubelbeiss in der Politik nicht verstecken. Auch darum hat sie sich der EDU angeschlossen. «Wir haben keine Angst vor dem grossen C», sagt sie und spricht damit die Diskussionen in der CVP an. In ihrem früheren Wohnort Niederlenz gehörte sie der Freien Christengemeinde an, in Brugg hat sie sich noch keiner Gemeinschaft angeschlossen. Ihr Mann ist reformiert. Sie könne sich durchaus vorstellen, auch der reformierten Kirche wieder beizutreten. Zum Glauben gekommen ist sie auf der Suche nach dem Lebenssinn und nicht zuletzt durch Enttäuschungen im Leben. Im Glauben konnte sie Kraft schöpfen und fand eine gewisse Orientierung. Prägend sei auch ein Busunfall in Peru gewesen, wo sie sich lediglich ein paar Schürfungen zuzog und glücklicherweise niemand starb. Kurze Zeit darauf erlitt sie eine Lungenembolie, auch das ging glimpflich aus.

Sie kritisiert den integrativen Unterricht

Als Lehrerin kritisiert Gerda Deubelbeiss den integrativen Unterricht. Die Praxis in den letzten Jahren habe gezeigt, dass der Unterricht so nicht funktioniere. Entweder investiere man mehr in die Ressourcen, was viel kosten würde, oder man führe das alte System mit den Kleinklassen wieder ein. «Fakt ist, dass eine Chancengleichheit nie existieren wird», sagt sie. Zu stark prägend sei beispielsweise das Elternhaus. Viele Eltern würden sich nicht um den Lernerfolg der Kinder kümmern. «Die Schule muss immer mehr leisten.» Aus ihrer Sicht gelte es, die schwächeren Schüler wieder separat zu fördern.

Apropos Schule: Deubelbeiss kann Schuldispensen aufgrund der Religion nicht gutheissen. Das betreffe vor allem muslimische Kinder. «Ich habe schon erlebt, dass Kinder nicht in Lager durften», sagt sie. «Wenn man in der Schweiz ist, dann gilt es auch, sich an die hiesigen Gepflogenheiten zu halten.» Ihr sei wichtig, dass die Islamisierung der Schweiz verhindert wird. «Ich möchte nicht, dass in der Schweiz Gettos entstehen, wo die Scharia-Rechtssprechung gilt und sich eine Parallelgesellschaft entwickelt.» Hier helfe die Schule enorm und könne dank guter Integration der Kinder eine solche Entwicklung verhindern.

Gerda Deubelbeiss ist bewusst, dass es schwierig wird, im Bezirk Brugg einen Sitz für die EDU im Grossen Rat zu gewinnen. Den Wahlkampf sieht sie als Chance, um die Partei bekannter zu machen.

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