Brugg
«Wir wollen etwas bewegen»: Der 75-köpfige Kirchenchor des Offenen St. Jakob zeigt was er kann

Der Organist und Chorleiter Sacha Rüegg lebt in Brugg und arbeitet in Zürich: Mit dem Chor des Offenen St. Jakob führt er Mendelssohns «Elias» in Brugg auf.

Elisabeth Feller
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Über zehn Jahre beschäftigte sich Sacha Rüegg mit dem alttestamentarischen Stoff um den Propheten Elias.

Über zehn Jahre beschäftigte sich Sacha Rüegg mit dem alttestamentarischen Stoff um den Propheten Elias.

Elisabeth Feller

Brugg ist nur 24 Zugminuten von Zürich entfernt. Ein Katzensprung, nicht der Rede wert, es sei denn ... ein Chor, ein Orchester und ein Dirigent machen sich auf eine Reise, die für alle mehr als ein Abstecher ist: die Entdeckung von Neuland. «Lampenfieber haben wir jedenfalls», sagt Sacha Rüegg.

Apropos: Fehlt nicht ein s im Vornamen? «Nein», winkt Rüegg lächelnd ab, «es gibt schlicht unterschiedliche Schreibweisen.»

Der Organist und Chorleiter Sacha Rüegg wird in der reformierten Stadtkirche Brugg Felix Mendelssohn Bartholdys «Elias» aufführen; eines der zentralen Werke im Oratorien-Repertoire des 19. Jahrhunderts.

Über zehn Jahre beschäftigte sich der Komponist mit dem alttestamentarischen Stoff um den Propheten Elias, den Rüegg als «eine ebenso widersprüchliche wie sensible, deshalb sehr gut in die heutige Welt passende Figur» bezeichnet. Das Werk sei ungemein reichhaltig: «Es ist eine derart ehrliche Musik – ‹Elias› ist eine geistliche Oper.»

Wie sehr, wird man in der reformierten Stadtkirche Brugg hören können, von deren Akustik Sacha Rüegg begeistert ist. Aufgeführt wird «Elias» aber nicht von einheimischen Mitwirkenden, sondern von Canta Musica, dem Chor des Offenen St. Jakob in Zürich sowie dem Orchester Camerata Schweiz. Wie das?

Nun, Sacha Rüegg ist seit 1998 Organist und Chorleiter sowie seit 2007 Kantor der Reformierten Kirchgemeinde Zürich-Aussersihl und des Offenen St. Jakob; eine Kirche, die weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt ist für ihre offene Ausrichtung.

Deswegen gibt es nicht nur sonntägliche Gottesdienste, sondern auch Tanz, Yoga, Konzert- und Theateraufführungen, Kunst und Debatten an einem Ort, der täglich von 7 bis 19 Uhr jedermann zugänglich ist.

«Die Kirche kann – oder vielmehr soll – als politisch wahrgenommen werden. Wir wollen etwas bewegen», betont Sacha Rüegg und erwähnt in diesem Zusammenhang «die starke Verwurzelung des Offenen St. Jakobs im Quartier».

Der Aargau ist eine Entdeckung

Der 75-köpfige Kirchenchor spielt da eine grosse Rolle. «Mehr als ein Jahr haben wir an ‹Elias› gearbeitet», sagt Rüegg. Dann sei der Wunsch aufgekommen, dieses in jeder Beziehung grossformatige Werk mit seinen für das Solisten-Quartett sowie für den Chor höchst anspruchsvollen Partien nicht nur in Zürich, sondern auch anderswo aufzuführen. Bloss wo?

In Brugg. Dort hat Sacha Rüegg nach vielen Jahren in Zürich mit seiner Frau, der Sängerin Trudy Walter, und seinen beiden Kindern ein neues Zuhause gefunden – im Kanton Aargau, der für den auf dem Albis aufgewachsenen Zürcher nach wie vor «eine Entdeckung ist». Nun ist Sacha Rüegg gespannt auf die «Elias»-Premiere in Brugg, auf die tags darauf das «Heimspiel» in der Citykirche Offener St. Jakob in Zürich erfolgt.

Dort hat der Chorleiter das Publikum vorgängig mit einem «wahren ‹Elias›-Päckchen» auf Mendelssohns Oratorium eingestimmt, etwa mit Ausschnitten aus dem Werk im Rahmen der Zürcher Orgeltage oder in der «Orgelmusik zur Mittagszeit» mit Arien aus «Elias» – allerdings in einer Bearbeitung für Orgel oder mit einem Familien-Regional-Gottesdienst, der nach Antworten auf die Frage «Was ist ein Prophet?» suchte.

Dass in einigen Tagen eine klassische Werkeinführung zu «Elias» angeboten wird, versteht sich von selbst. Auch diese fügt sich nahtlos ein in die Reihe vieler Veranstaltungen einer Offenheit lebenden Kirche.

Wer wunderte sich da noch, als er vor einiger Zeit auf diese Ankündigung stiess: «Wenn Luther mit der Bigband flirtet» – ein Projekt, das der Jazzliebhaber Sacha Rüegg angestossen hatte, weil ihm «eine vielfältige, unkonventionelle musikalische Beschäftigung wichtig ist».

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