Einwohnerrat Windisch
Wohnungsbau: Gemeinderat steht vor Herkulesaufgabe

Der Einwohnerrat hat die Motion der SP zum Gebiet «Im Winkel» abgeschrieben. Obwohl der gemeinnützige Wohnungsbau dadurch nicht Bestandteil des Gestaltungsplans ist, will der Gemeinderat gemeinnützige Trägerschaften beim Kaufverhandlungen für Bauland unterstützen.

Claudia Meier
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Strassenschild "Im Winkel" in Windisch.

Strassenschild "Im Winkel" in Windisch.

Claudia Meier / Aargauer Zeitung

Für das neu eingezonte Baugebiet «Im Winkel» gilt eine Gestaltungsplanpflicht. Die SP-Fraktion forderte in einer Motion, in diesem Plan ein Anteil von mindestens 30% der Bruttogeschossfläche für den gemeinnützigen Wohnungsbau festzulegen. Da dies aber nicht die Aufgabe der Gemeinde, sondern von Wohnbaugenossenschaften sei, beantragte der Gemeinderat dem Einwohnerrat am Mittwochabend, die Motion abzuschreiben. Erschwerend bei der Umsetzung der Motion komme hinzu, dass bereits mit den Vorgaben zur 2000-Watt-Gesellschaft hohe Anforderungen bestünden und mehrere Grundeigentümer betroffen seien.

Gegen eine Abschreibung der Motion wehrte sich Mirjam Aebischer (SP), weil ihre Fraktion zuerst eine Wirkung aus dem ersten der beiden Anträge sehen wolle. In diesem wird der Gemeinderat verpflichtet, eine lokale oder in der Region verankerte gemeinnützige Trägerschaft bei einem konkreten und realistischen Vorhaben zu unterstützen, insbesondere bei Verhandlungen mit dem Kanton. Aebischer nannte dieses Vorhaben eine Herkulesaufgabe, weil der Kanton als grösster Grundeigentümer auf diesem Areal das Bauland dem Meistbietenden verkaufen wolle. Die SP überlege sich zudem eine Folgemotion, um den gemeinnützigen Wohnungsbau, der für eine Zentrumsgemeinde ein interessantes Thema sei, zu fördern.

Entscheidend ist die Steuerkraft pro Person

Die CVP sei gleicher Ansicht wie der Gemeinderat, betonte Toni Burger. Die Frage sei nur, ob die Exekutive eine gemeinnützige Trägerschaft auch bei Verhandlungen mit privaten Grundeigentümern unterstütze würde. Vizepräsidentin Rosi Magon (SP) bejahte dies.

Auf den Parzellen im Gebiet Im Winkel in Windisch sollen Wohnungen und auf eiem kleinen Teil eine Gewerbezone mit 60% Wohnanteil entstehen.

Auf den Parzellen im Gebiet Im Winkel in Windisch sollen Wohnungen und auf eiem kleinen Teil eine Gewerbezone mit 60% Wohnanteil entstehen.

Claudia Meier / Aargauer Zeitung

Matthias Knecht hielt fest, dass die FDP der Abschreibung ebenfalls zustimme, weil die Vorgaben der 2000-Watt-Gesellschaft mit 30% gemeinnützigem Wohnungsbau kaum vereinbar und die Auflagen dadurch sehr hoch seien. Der Anteil gemeinnütziger Wohnungen liege in Windisch schon heute deutlich über dem kantonalen Durchschnitt, lautete ein weiteres Argument. Fabian Schütz (SVP) erinnerte daran, dass für die Weiterentwicklung einer Gemeinde die Steuerkraft pro Person entscheidend sei, nicht nur ein höherer Gesamtsteuerertrag.

Der anfängliche Widerstand der SP brach relativ rasch ein, wohl auch deshalb, weil nicht ganz klar war, ob der Gestaltungsplan blockiert wird, wenn die Motion nicht abgeschrieben würde. In der Schlussabstimmung wurden die beiden Anträge des Gemeinderats mit 29 respektive 28 Stimmen und ohne Gegenstimmen gutgeheissen. Im Campussaal waren 33 der 40 Einwohnerräte anwesend. Nun dürfte die Gemeinde bald erneut das Gespräch suchen mit den möglichen Investoren.

Hochhaus bringt der Gemeinde eine Trinkwasserzapfsäule

Im April 2019 regte Fredy Bolt im Namen der SP-Fraktion via Postulat an, auf dem Campusplatz einen Brunnen mit Zugang zu Trinkwasser zu errichten. FDP-Gemeinderat Max Gasser teilte mit, dass mit der Bauherrschaft des Centurion Tower vereinbart wurde, im Rahmen der Umgebungsarbeiten eine Standsäule zu errichten, bei der alle per KnopfdruckTrinkwasser beziehen können.

Mit 9 Ja- zu 21 Nein-Stimmen nicht überwiesen wurde das Postulat «Kinderbetreuung» von Fabian Schütz (SVP). Seine Idee, dass auch der Mittelstand vom vergünstigten Tarif für die familienergänzenden Tagesstrukturen profitieren sollte, fand keine Mehrheit.

SVP-Gemeindepräsidentin Heidi Ammon sagte zum Abschluss noch, dass der Gemeinderat für die nächste Legislatur nicht mehr Lohn beantragt.